| 02:39 Uhr

Rennos Kampfansage: "Ich gebe nicht auf"

René Renno stand auch schon im Pokal-Achtelfinale im Tor. Bis auf das Liga-Auftaktspiel in Osnabrück musste er ansonsten zuschauen.
René Renno stand auch schon im Pokal-Achtelfinale im Tor. Bis auf das Liga-Auftaktspiel in Osnabrück musste er ansonsten zuschauen. FOTO: Imago/img1
Ein Sieg ist Pflicht: Energie Cottbus steht an diesem Mittwoch im Pokal-Halbfinale gehörig unter Druck. Gegen den Viert ligisten SV Babelsberg (19 Uhr) zählt nur das Weiterkommen. Ersatzkeeper René Renno sieht die schwierige Partie dennoch als Chance – bei seinem Kampf um den Platz im Energie-Tor.

René Renno, wie schwierig ist es für Sie, als Ersatzkeeper ohne Spielpraxis bei dem wichtigen Pokalduell sofort richtig da zu sein?
Ich bin gut vorbereitet, weil ich in jedem Training versuche, mein Bestmögliches zu geben. Außerdem kenne ich die Situation. Als Ersatzmann war ich immer da, wenn ich gebraucht wurde. Ich denke, ich weiß, was mich in Babelsberg erwartet.

Weiß die Mannschaft das auch? Für den Verein ist es ein extrem wichtiges Spiel - haben die Profis das wirklich verinnerlicht?
Ja. Davon gehe ich aus. Wir wissen, dass der DFB-Pokal für den Verein finanziell sehr wichtig ist. Und außerdem will man als Spieler in diesem Wettbewerb unbedingt dabei sein. Unser Pokalspiel gegen den HSV war doch eine geile Geschichte. Volles Stadion, ein Erstligist zu Gast - das wollen wir wieder erleben. Dafür müssen wir aber Babelsberg schlagen. Die Favoritenrolle nehmen wir an - ganz klar.

Was für ein Spiel erwarten Sie?
Dass das kein Selbstläufer wird, wissen wir. Babelsberg wird alles geben, da reichen bei uns keine 90 Prozent. Es geht um das Finale, das sagt doch schon alles.

Bei Babelsberg steht Ihr ehemaliger Kollege Marvin Gladrow im Tor. Haben Sie noch Kontakt?
Ja, ab und an schreiben wir uns. Er war hier bei Energie ein junger, talentierter Mann und hat dann den Weg nach Babelsberg eingeschlagen. Dort spielt er bisher eine gute Saison. Das freut mich - dieses Mal allerdings wünsche ich ihm keinen Erfolg.

Sie selbst schauen auf eine bittere Saison zurück. Als klare Nummer eins verletzten Sie sich gleich im ersten Spiel - und Energie verpflichtete Kevin Müller.
Ganz klar: Das ist für mich persönlich richtig blöd gelaufen. Diese Verletzung kam zur absoluten Unzeit. Ich hatte mir das Ganze natürlich anders vorgestellt.

Müller hat sich bei Energie sofort als neue Nummer eins etabliert und ließ Ihnen quasi keine Chance, noch einmal ins Tor zurückzukehren.
Stimmt - zumindest in der Hinrunde, als er oft ohne Gegentreffer blieb. Aber jetzt in der Rückrunde, in der die Mannschaft nicht mehr so erfolgreich spielt, ergibt sich vielleicht noch einmal eine Chance für mich. Ich gebe da nicht auf.

Kämpfen Sie bei der Partie in Babelsberg also auch um den Platz im Energie-Tor?
Das mache ich jeden Tag, in jedem Training. Sicherlich ist so ein Spiel noch einmal etwas Besonderes. Es findet in der Öffentlichkeit statt, es geht um viel. Natürlich versuche ich, da gut auszusehen. Aber trotz allem geht es in Babelsberg nicht um meine Person - dafür ist dieses Spiel viel zu wichtig.

Noch ist unklar, ob Kevin Müller nach der Saison in Cottbus bleiben wird. Machen Sie sich Hoffnung, dann wieder die Nummer eins bei Energie zu werden?
Das lasse ich auf mich zukommen. Ich muss vor allem selbst Leistung bringen, alles andere liegt nicht in meinen Händen. Aber natürlich: Jeder Torhüter will am Wochenende zwischen den Pfosten stehen, keine Frage.

Ihr Vertrag bei Energie läuft noch bis zum Juni 2016. Sie sind dann 37 Jahre alt. Ist dann Schluss?
Das lasse ich mir offen. Solange ich mich gut fühle, will ich weitermachen.

Sie betreiben den Internet-Blog Fussballtraining-Renno.de - arbeiten Sie da schon an der Karriere nach dem Profi-Dasein?
Ja. Mein Ziel ist ganz klar, später

als Torwarttrainer zu arbeiten. Meinen Online-Blog werde ich weiterführen, doch ich will auch auf dem Platz mit den Spielern arbeiten. Meinen ersten Trainerschein dafür habe ich schon gemacht.

Dann erklären Sie doch bitte mal aus Trainersicht, warum Energie ausgerechnet zum Liga-Endspurt in dieses Formtief gerutscht ist.
Das ist schwierig. Ganz sicher spielt der Kopf auch eine Rolle. In der Hinrunde haben wir die Gegner ja auch nicht an die Wand gespielt, sondern haben Sie mit unserer ganzen Überzeugung regelrecht niedergerungen. Da sind wir auch mal über unsere Leistungsgrenzen hinausgegangen. Dieses Quäntchen fehlt zurzeit. Wir müssen als Mannschaft wieder geschlossener auftreten und gemeinsam versuchen, die zu vielen unnötigen Fehler abzustellen.

Ist der Aufstiegstraum für dieses Jahr endgültig ausgeträumt?
Momentan ist es schwer, da oben noch einmal ranzukommen. Doch bevor wir überhaupt darüber nachdenken, müssen wir einfach auch wieder mal Spiele gewinnen. Dann können wir vielleicht noch einmal auf die Tabelle schauen. Aber ganz ehrlich: Jetzt interessiert mich erst einmal nur Babelsberg. Das wird schwer genug.

Mit René Renno sprach

Jan Lehmann

Den RUNDSCHAU-Liveticker zum Pokalhalbfinale in Babelsberg gibt es unter www.lr-online.de/energie