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| 08:24 Uhr

Interview mit Jules Reimerink
Reimerink: „Wollitz und ich – das war eine Hassliebe“

Seit dieser Saison spielt Jules Reimerink bei den Sportfreunden Lotte. Am Samstag kehrt er zum Drittliga-Spiel nach Cottbus zurück.
Seit dieser Saison spielt Jules Reimerink bei den Sportfreunden Lotte. Am Samstag kehrt er zum Drittliga-Spiel nach Cottbus zurück. FOTO: Eibner Pressefoto / Neis /Eibner-Pressefoto
Cottbus. Der Niederländer Jules Reimerink ist nicht der einzige Ex-Cottbuser, der mit den Sportfreunden Lotte am Samstag in die Lausitz kommt. Aber er ist wohl der mit den verrücktesten Geschichten. Von Jan Lehmann

Jules Reimerink, am Samstag kehren Sie mit den Sportfreunden Lotte nach Cottbus zurück. Mit welchen Gefühlen kommen Sie in die Lausitz?

REIMERINK Mit sehr positiven, ich hatte bei Energie eine megatolle Zeit. Wir haben in der 2. Liga gespielt und sind bis ins DFB-Pokalhalbfinale gekommen. Jetzt war ich sechseinhalb Jahre nicht mehr im Stadion der Freundschaft und bin sehr glücklich, nun dort ein paar alte Bekannte wiederzusehen. Und ich freue mich auch auf das Publikum. Das hat mich damals von Beginn an unterstützt.

Wenn man Ihren Namen nennt, erinnern sich alle zuerst an das 5:5 gegen Karlsruhe.

REIMERINK Das war auch ein verrücktes Spiel. Ich bin reingekommen und habe mit meinem ersten Ballkontakt das 5:5 gemacht. Dieses Tor und dieses Spiel werde ich niemals vergessen. Das wird auch nach meiner Karriere bleiben.

Damals waren die Scouts der Bundesligisten hinter Ihnen her. Wieso hat es nicht mit der ganz großen Karriere geklappt?

REIMERINK Es stimmt, Mainz, Augsburg oder auch der HSV hatten angefragt. Aber ich war noch jung und habe wechselhaft gespielt. Und der Trainerwechsel in Cottbus war nicht gut für mich. Als nach Pele Wollitz Rudi Bommer kam, hat der auf andere Spieler gesetzt. Ich bin dann nach Venlo in die 1. niederländische Liga gegangen, war auch noch ein Jahr verletzt. Da musste ich quasi wieder von vorn anfangen. Trotzdem bin ich mit meiner Karriere zufrieden, ich fühle mich jetzt auch in Lotte sehr wohl. Die 3. Liga ist eine schöne Liga. Trotzdem kann man an meinem Beispiel auch sehen, was so ein Trainerwechsel bewirken kann.

Die meisten Spiele in Ihrer Karriere haben Sie unter Claus-Dieter Wollitz gemacht. Dabei hat der Sie auch häufiger kritisiert.

REIMERINK Ja, ich hatte mit Pele so etwas wie eine Hassliebe – und im Nachhinein kann ich ihn auch verstehen. Er hat mein Potenzial gesehen, hat mich immer gefördert und wohl gewusst, dass ich viel mehr bringen kann. Da war er auch böse auf mich, wenn ich unter meinem Niveau gespielt habe.

Es gab zum Beispiel ein 3:3 gegen Eintracht Frankfurt, als Sie an der Mittellinie den Ball vertändelten und so in der Schlussminute das Gegentor einleiteten.

REIMERINK Oh, ja. Ich erinnere mich genau an dieses fürchterliche Spiel. Das war so ein Moment, wo Pele böse auf mich war. Aber er hat mich auch immer wieder aufgebaut. Ich habe ihn als einen sehr positiven Menschen kennengelernt und freue mich sehr, ihn am Samstag wiederzusehen.

Sie haben also ein gutes Verhältnis zu ihm?

REIMERINK Ja. Wir kommen ja beide aus der gleichen Ecke, er hat auch noch eine holländische Frau. Das hat uns immer verbunden.

Sie sind ja bei Lotte nicht der einzige Ex-Cottbuser.

REIMERINK Tatsächlich, das stimmt. Wir haben uns heute erst in der Kabine darüber unterhalten. Mit Adam Straith, Michael Schulze, Paterson Chato, Joshua Putze und Danny Breitfelder sind sechs ehemalige Cottbuser dabei.

Was ist für Ihr Team am Samstag möglich?

REIMERINK Alles, wir können auch in Cottbus gewinnen. Aber dafür müssen wir klar im Kopf sein. Seit dem Trainerwechsel haben wir eine sehr gute Entwicklung genommen.

In Lotte gab es Aufruhr, weil die Mannschaft nicht mehr mit Trainer Matthias Maucksch zusammenarbeiten wollte und sogar gegen ihn gestreikt hat. Was war da los?

REIMERINK Es war unter ihm keine gute Stimmung, plötzlich hatte keiner mehr Bock. Das Arbeiten mit ihm war sehr schwierig. Er dachte, wir können Spiele nur gewinnen, wenn wir viel laufen. Die beiden neuen Trainer arbeiten viel mehr im taktischen Bereich, die Stimmung ist deutlich besser. Jetzt sind alle wieder glücklich – ich auch.

Sie selbst hatten einen schwierigen Start. Sie sind vom Erzrivalen Osnabrück gekommen. Zudem hatten Sie vorab in einem Interview gesagt, dass Sie niemals nach Lotte wechseln würden, weil Sie die Mannschaft nicht mögen.

REIMERINK Ja, das war aus der Emotion heraus. Ich habe das am ersten Spieltag am Stadionmikrofon klargestellt und mich entschuldigt. Seitdem habe ich zu den Fans ein gutes Verhältnis.

Wie schätzen Sie Energie ein?

REIMERINK Das kann ich nur schwer sagen. Ich habe aber gesehen, dass Dimitar Rangelov zurückgekehrt ist. Das war damals einer der besten Spieler, mit denen ich jemals zusammengespielt habe. Cottbus ist zu Hause natürlich stark. Das weiß ich ja noch von damals. Es war wirklich eine intensive Zeit.

Dazu haben wir noch eine letzte Geschichte aus unserem Archiv. Es hieß, Trainer Wollitz habe Sie vor einer herannahenden Straßenbahn von den Gleisen geholt. Stimmte diese Legende?

REIMERINK Ja, absolut. Wir haben vorm Spiel immer im Lindner-Hotel an der Stadthalle geschlafen. Morgens beim Spaziergang hatte ich die Kopfhörer auf. Ich hatte lange Haare, kein Gel drin und auch noch die Kapuze auf. Dann habe ich beim Laufen nur auf den Boden geguckt. Die Spieler haben gerufen und geschrien, aber ich habe Sie nicht  gehört. Pele hat mich dann vor der Straßenbahn weggezogen. Eigentlich hat er damals mein Leben gerettet – eine verrückte Geschichte.

Mit Jules Reimerink
sprach Jan Lehmann

Trainer Claus-Dieter Wollitz und Youngster Jules Reimerink – gemeinsam erreichten sie mit Energie Cottbus 2011 das DFB-Pokalhalbfinale.
Trainer Claus-Dieter Wollitz und Youngster Jules Reimerink – gemeinsam erreichten sie mit Energie Cottbus 2011 das DFB-Pokalhalbfinale. FOTO: Imago Sportdienstfoto GmBH / imago sportfotodienst
Ein Tor für die Geschichtsbücher: Beim 5:5 gegen Karlsruhe setzte Jules Reimerink mit einer tollen Einzelaktion den denkwürdigen Schlusspunkt.
Ein Tor für die Geschichtsbücher: Beim 5:5 gegen Karlsruhe setzte Jules Reimerink mit einer tollen Einzelaktion den denkwürdigen Schlusspunkt. FOTO: DPA / Hannibal Hanschke
Seit dieser Saison spielt Jules Reimerink bei den Sportfreunden Lotte. Am Samstag kehrt er zum Drittliga-Spiel nach Cottbus zurück.
Seit dieser Saison spielt Jules Reimerink bei den Sportfreunden Lotte. Am Samstag kehrt er zum Drittliga-Spiel nach Cottbus zurück. FOTO: Eibner Pressefoto / Neis /Eibner-Pressefoto
Trainer Claus-Dieter Wollitz und Youngster Jules Reimerink – gemeinsam erreichten sie mit Energie Cottbus 2011 das DFB-Pokalhalbfinale.
Trainer Claus-Dieter Wollitz und Youngster Jules Reimerink – gemeinsam erreichten sie mit Energie Cottbus 2011 das DFB-Pokalhalbfinale. FOTO: Imago Sportdienstfoto GmBH / imago sportfotodienst
Ein Tor für die Geschichtsbücher: Beim 5:5 gegen Karlsruhe setzte Jules Reimerink mit einer tollen Einzelaktion den denkwürdigen Schlusspunkt.
Ein Tor für die Geschichtsbücher: Beim 5:5 gegen Karlsruhe setzte Jules Reimerink mit einer tollen Einzelaktion den denkwürdigen Schlusspunkt. FOTO: DPA / Hannibal Hanschke