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Fußball
Alte Farben – neue Legenden?

Gegen Neugersdorf gab es für Energie Cottbus den 14. Sieg im 16. Spiel. Da werden Erinnerungen an das legendäre Aufstiegsteam von 1997 wach.
Gegen Neugersdorf gab es für Energie Cottbus den 14. Sieg im 16. Spiel. Da werden Erinnerungen an das legendäre Aufstiegsteam von 1997 wach. FOTO: Steffen Beyer
Cottbus. Regionalliga-Spitzenreiter Energie Cottbus hat schon vor dem Abschluss der Hinrunde bei der VSG Altglienicke eine bessere Bilanz als das 97er-Aufstiegsteam. Die Wollitz-Elf will aber mehr.

Der Energie-Plan für den Jahresendspurt wurde noch direkt nach dem Heimsieg gegen Neugersdorf auf dem Platz geschmiedet. FCE-Trainer Claus-Dieter Wollitz gab seinen Spielern im Mannschaftskreis das Ziel aus: „Jetzt wollen wir das Maximum.“ Heißt: Noch zwei Siege in den beiden ausstehenden Spielen an diesem Mittwoch bei der VSG Altglienicke (19 Uhr/LR-Liveticker) und am Samstag zu Hause gegen die TSG Neustrelitz (13.30 Uhr).

Dabei haben Wollitz und seine Mannen bereits Großes erreicht. René Stiller, der Leiter des Energie-Museums (fcenergie-museum.de) kann jedenfalls in der Vereinschronik eine neue Seite aufschlagen. Der FCE hat schon vor dem abschließenden Nachholspiel bei Altglienicke die beste Hinrunde der Vereinsgeschichte gespielt. Besser noch als die legendäre 97er-Mannschaft, die unter Trainer Eduard Geyer mit dem Aufstieg in die 2. Bundesliga den Profi-Fußball erstmals nach Cottbus holte.

Zum Vergleich: Die Geyer-Elf stand damals nach Hinrunden-Abschluss mit 43 Punkten da. 13 Siege, vier Remis und ein Torverhältnis von 47:8. Aktuell hat der FCE nach 16 Partien bereits einen Zähler mehr und das Torverhältnis von 41:4 ist ähnlich bemerkenswert.

Wie in der damaligen Sensationssaison spielen die Cottbuser wieder in den rot-blau-weiß-gestreiften Trikots. Wird also ausgerechnet in den alten Farben eine neue Legende geschrieben? Einer der das beurteilen kann, ist Jens Melzig. Der 52-Jährige war ein wichtiger Bestandteil der 97er-Mannschaft. Der Abwehrspieler, der als Landestrainer beim brandenburgischen Fußballverband arbeitet, war mit dabei, als sich Energie in den nervenaufreibenden Aufstiegsspielen gegen Hannover 96 durchsetzte. Er sagt: „Es ist schön, dass die Mannschaft zurzeit so viele Punkte holt – selbst in den Spielen, in denen es mal nicht so läuft. Aber ich glaube, wir hatten damals etwas mehr Gegenwehr. Das war im Hinblick auf die Aufstiegsspiele gar nicht so verkehrt.“

War die Regionalliga-Saison 1996/97 schwieriger als der aktuelle Jahrgang? Das ist natürlich nicht kaum zu belegen. Zumindest waren mit Rot-Weiß Erfurt, Union Berlin, Dynamo Dresden, Erzgebirge Aue, oder Chemnitzer FC aber etwas mehr Traditionsclubs in der damaligen dritten Liga im Rennen, als aktuell in der Regionalliga Nordost. Melzig beschreibt: „Mir wäre es lieber, wenn Energie ab und an etwas mehr gefordert werden würde, damit sie dann für die Aufstiegsspiele gewappnet sind.“

Ähnliche Gedanken dürften bei FCE-Trainer Wollitz eine Rolle gespielt haben, als er für den Winter Testspiele gegen die Drittligisten Magdeburg und Halle sowie den tschechischen Erstligisten Dukla Prag vereinbart hat. Zuvor will er mit seiner Mannschaft in der Regionalliga aber noch zwei Siege einfahren. Der Trainer sagt: „Ich glaube, dass die Mannschaft das in ihrer jetzigen Verfassung auch schaffen kann.“

Energie könnte mit einem Sieg gegen Altglienicke im Berliner Jahn-Sportpark den Vorsprung auf den Tabellenzweiten BFC Dynamo auf 14 Punkte ausbauen. Zum Vergleich: Die 97er-Elf, die sich in der Traditionsmannschaft „Lausitzer Legenden“ immer noch gern zusammenfindet, hatte damals sechs Zähler Vorsprung auf Erfurt.

Kann Energie also schon zu Weihnachten die Meisterschaft feiern? Fabio Viteritti sagt ganz klar: „Nein.“ Der Mittelfeldspieler spricht aus Erfahrung: „Ich kenne ja die Regionalliga und weiß, dass da im Winter noch einige schwere Plätze auf uns zukommen. Da wird dann womöglich auch mal auf Schnee gespielt. Wir sollten uns nicht zu sicher sein.“

Eine Einstellung ganz im Sinne von 97er-Aufstiegsheld Melzig. Der warnt: „Man darf nur nie denken, dass es ein Selbstläufer ist.“ Der 52-Jährige sieht Parallelen bei den Trainern – damals Eduard Geyer, heute Claus-Dieter Wollitz: „Beide sind Typen, die klar sagen, was sie wollen. Beide können Zuckerbrot und Peitsche. Und am Ende müssen die Spieler abliefern. Das war bei ,Ede’ so und wird bei ,Pele’ nicht anders sein.“

So könnte der FCE in das letzte Hinrundenspiel des Jahres gehen.
So könnte der FCE in das letzte Hinrundenspiel des Jahres gehen. FOTO: LR