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| 09:22 Uhr

FCE-Coach fordert Rücknahme des Saisonziels
Provoziert Wollitz den Rauswurf bei Energie Cottbus?

FOTO: Steffen Beyer
Cottbus. Nach dem Auftaktsieg von Energie Cottbus gegen Altglienicke gibt es eine öffentliche Kontroverse zwischen Trainer Wollitz und der Vereinsführung über das Saisonziel. Das Vertrauensverhältnis ist ohnehin beschädigt. Von Frank Noack und Jan Lehmann

Ein normaler Saisonstart sieht anders aus. Trotz des 3:1-Auftaktsieges von Energie Cottbus gegen die VSG Altglienicke in der Fußball-Regionalliga Nordost gibt es seit Samstagnachmittag eine öffentliche Kontroverse zwischen der Vereinsführung des FCE und Trainer Claus-Dieter Wollitz. Nach dem Heimsieg am Samstagnachmittag im Stadion der Freundschaft hatte Wollitz in der Pressekonferenz den Verein aufgefordert, das Saisonziel Wiederaufstieg zurückzunehmen, weil die junge Mannschaft dieser Erwartungshaltung nicht gerecht werden könne.

Nach der Pressekonferenz sagte Wollitz dann auf RUNDSCHAU-Nachfrage: „Ich möchte diese Erwartungen gern erfüllen. Aber ich sehe, dass ich sie sportlich nicht erfüllen kann. Ich kann mit dieser Mannschaft den Auftrag ,Mission Wiederaufstieg‘ nicht erfüllen.“

Absage von interessanten Spielern

Energie Cottbus hat derzeit nur 15 Feldspieler im Kader. Am Freitag hatte es laut Wollitz drei weitere Absagen von interessanten Spielern gegeben. Abwehrchef Robert Müller ist weiterhin verletzt. Und mit Leon Schneider wechselt eines der größten Talente des Vereins zum 1. FC Köln. Am Dienstag im Auswärtsspiel bei Hertha BSC II wird Schneider voraussichtlich zum letzten Mal das FCE-Trikot tragen. Der Spieler bestätigte gegenüber der RUNDSCHAU den Kontakt zum Erstligisten, dem Vernehmen nach sind sich auch beide Vereine über die Ablöse in unterer sechsstelliger Höhe einig. Trainer Wollitz indes moniert, dass ihm so ein weiterer Leistungsträger verloren geht.

Klare Forderung an das FCE-Präsidium

„Der Verein muss Farbe bekennen und die ,Mission Wiederaufstieg’ zurücknehmen. Diese große Erwartungshaltung hat die junge Mannschaft mit einem Durchschnittsalter von 22,3 Jahren nicht verdient. Stattdessen setzt man sie extrem unter Druck“, erklärte Wollitz. „Stand jetzt sollte man so fair und ehrlich sein und die Ziele korrigieren. Für die Wahrheit ist noch nie jemand bestraft worden.“

Die „Mission Wiederaufstieg“ hatte FCE-Präsident Werner Fahle erstmals am 31. Mai nach der gemeinsamen Sitzung von Präsidium und Verwaltungsrat formuliert. Damals gab es allerdings noch nicht mal einen Rumpfkader.

Kein Urlaub für Trainer Wollitz

Das Verhältnis zwischen Wollitz und Teilen der Vereinsführung gilt spätestens seit dem Abstieg aus der 3. Liga als angespannt. Wollitz räumte am Samstag ein, dass er sich von der Vereinsführung in den vergangenen Wochen mehr öffentliche Unterstützung gewünscht hätte – und zuletzt eben die Korrektur des Saisonziels: „Ich habe jeden Tag darauf gewartet, dass es mal jemand öffentlich sagt.“

Zur Beschädigung des Vertrauensverhältnisses hat nach Darstellung von Wollitz auch geführt, dass ihm der Verein in der Sommerpause den üblichen Urlaub mit dem Hinweis verwehrt habe, er müsse jetzt erst einmal die neue Mannschaft zusammenstellen.

Provoziert der Trainer seine Entlassung?

Die RUNDSCHAU hat am Samstagabend bei Wollitz noch einmal nachgehakt, wie er seine Aussagen in Richtung der Vereinsführung gemeint hat. „Um es ganz klar zu sagen: Ich will damit nicht meinen Rauswurf provozieren. Ich will für Realismus werben. Weil ich glaube, dass Realismus dem Verein gut tun würde. Weg von Wunschdenken, weil daran auch die Spieler kaputtgehen.“