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| 11:40 Uhr

Emotionaler Abschied
Energie-Fans feiern Präsident Wahlich

FOTO: Frank Hammerschmidt
Cottbus. Mit großen Ovationen wurde Energie-Präsident Michael Wahlich am Samstag verabschiedet. Vor seinem Rücktritt zog der 59-Jährige ein positives Fazit, hatte aber noch einen kleinen Rat in Richtung Hauptsponsor parat. Von Jan Lehmann und Frank Noack

Mit einer emotionalen Rede hat sich Energie-Präsident Michael Wahlich von Fans und Sponsoren des Vereins verabschiedet. Der 59-Jährige gibt zum Jahresende sein Amt an seinen Nachfolger Werner Fahle ab. Nach der 0:1-Niederlage der Cottbuser gegen Eintracht Braunschweig erklärte Wahlich: „Das Ergebnis ist nicht so, wie das zu dem Abschluss für die Saison gepasst hätte.“ Er berichtet jedoch auch: „Ich hatte heute einen sehr bewegenden Nachmittag. Dafür bin ich sehr dankbar, es freut mich, dass es so für mich zu Ende geht.“

Vor dem Spiel war Wahlich vor der Nordwand offiziell verabschiedet worden. Er rief den Fans auf der Nordwand zu: „Ihr seid die Größten. Wir haben gemeinsam mit Euch den Aufstieg gezogen. Ich hätte Euch gerne noch weiter nach oben begleitet, aber das machen jetzt andere. Bleibt Energie Cottbus treu!“

Die Fans dankten ihm seinen Einsatz in zweieinhalb Jahren als Präsident in einer sehr schwierigen Zeit. Wahlich hatte den Verein durch die Viertklassigkeit geführt und mit einer finanziellen Unterstützung stabilisiert. Erst in dieser Woche hatte er in der RUNDSCHAU offenbar, dass er persönlich hinter dem „ziemlich besten Freund“ steckt, der eine Finanzlücke beim Verein von etwa 500.000 Euro mit der Zeichnung von Genussscheinen geschlossen hatte. Mit Sprechchören und einem großen Banner wurde er nun am Samstag verabschiedet. Darauf stand: „Offen. Ehrlich. Transparent. Wir sagen danke Herr Präsident!“

Wahlich hatte sich wegen Unstimmigkeiten im Verein für seinen Rücktritt entschieden. Er sagte: „Wie wir uns hier auseinanderbewegen ist eine andere Geschichte, aber die müssen wir nicht vertiefen.“ Insgesamt zog er ein positives Fazit: „Wir haben in den vergangenen zweieinhalb Jahren interessante Dinge erlebt – mit der Krönung am 27. Mai, den Aufstieg zu feiern. Das war ein erhebendes Erlebnis. So einen mächtigen Großverein zu begleiten, das war erhebend. Das hat mir gut getan. Ich wusste nicht, was ich hier übernehme. Aber es hat mir auch geholfen, meine Krankheit zu überwinden.“ Wahlich hatte in der RUNDSCHAU eine überstandene Krebserkrankung offenbart.

Zuletzt war deutlich geworden, dass er mit den Entscheidungen des Hauptsponsors Sparkasse Spree-Neiße nicht einverstanden war. In einem RUNDSCHAU-Interview hatte er auch den neuen Sponsorvertrag kritisch beurteilt, vor allem den Fakt, dass das Kreditinstitut den Fans von Energie Cottbus den Namen des Stadions der Freundschaft schenkt. Wahlich erklärte: „Wenn ich meinem Enkelsohn etwas schenke, was der schon hat, schaut der seinen Opa komisch an.“ Diesen Satz präsentierten die Fans des FCE mit großen Transparenten auf der Nordwand und Wahlich griff das zum Abschluss seiner Rede noch einmal auf. Er erklärte: „Der Satz war ja noch nicht zu Ende. Mein Enkel sagt dann schließlich zu mir: Opa, nicht so schlimm. Du kannst mir ja noch etwas schenken.“

Ein Abschluss-Scherz, der deutlich in Richtung Sparkasse gerichtet war. Bei Energie hofft man, mit der Unterstützung des Hauptsponsors in der Winterpause die Mannschaft für den Abstiegskampf in der 3. Liga zu verstärken.

Wahlich betonte aber auch: „Ein Verein braucht große Sponsoren, er braucht aber auch die vielen kleinen.“ Sein Appell zum Abschied: „Bleibt dabei, haltet zu diesem Verein. Da kommt immer etwas zurück. Wer gibt, dem wird gegeben.“