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| 21:03 Uhr

Fußball
Rücktritte erschüttern Energie Cottbus

Energie-Präsident Michael Wahlich hat in den zwei Jahren seit seinem Amtsantritt einige Gräben beim FCE zugeschüttet.
Energie-Präsident Michael Wahlich hat in den zwei Jahren seit seinem Amtsantritt einige Gräben beim FCE zugeschüttet. FOTO: Steffen Beyer
Cottbus. Die überraschenden Rücktritte von Präsident Michael Wahlich und Geschäftsführer Normen Kothe erschüttern Energie Cottbus. Damit rücken die Finanzsorgen des Clubs noch mehr in den Fokus. Von Frank Noack und Jan Lehmann

Diese Nachricht wird den FC Energie Cottbus in seinen Grundfesten erschüttern: Nach RUNDSCHAU-Informationen haben sowohl Präsident Michael Wahlich als auch der langjährige Geschäftsführer Normen Kothe ihren Rücktritt beim Fußball-Drittligisten eingereicht. Wahlich will sich zum 31. Dezember 2018 zurückziehen, Kothe hat  zum 31. Januar 2019 sein Angestellten-Verhältnis gekündigt. Energie Cottbus spielt an diesem Samstag beim Karlsruher SC (Beginn um 14 Uhr) und ist nach dem guten Saisonstart inzwischen auf einen Abstiegsplatz in der 3. Liga gerutscht.

Hintergrund für den Rückzug der beiden Führungskräfte dürfte die nach wie vor sehr angespannte wirtschaftliche Situation des Vereins sein. „Wenn geplante Einnahmen nicht kommen, muss man halt Ausgaben anpassen“, hatte Wahlich bereits Ende August im Interview mit der RUNDSCHAU betont.  Ohne Sponsoren sei in Cottbus „weiterhin nichts möglich“.  Nun hat er offenbar die persönlichen Konsequenzen gezogen.

Ein Indiz für den fehlenden wirtschaftlichen Spielraum ist die Transferpolitik. Als einziger Verein der 3. Liga hat Energie Cottbus in der Sommer-Transferperiode mit Daniel Stanese (VfR Aalen) und Abdulkadir Beyazit (SV Babelsberg) nur zwei neue Profis unter Vertrag genommen. Zuletzt wurde Lars Bender (Fortuna Köln) nachverpflichtet. Trainer Claus-Dieter Wollitz hatte zudem noch einmal verdeutlicht, dass selbst für die Dimensionen des Profi-Fußballs überschaubare Summen nicht vorhanden sind: „Ein Trainingslager würde uns 30 000 Euro kosten – da frage ich den Verein gar nicht erst.“ 

Normen Kothe ist seit 2011 Geschäftsführer beim FC Energie.
Normen Kothe ist seit 2011 Geschäftsführer beim FC Energie. FOTO: Steffen Beyer

Mit den beiden Abstiegen aus der 2. Bundesliga (2013/14) und der 3. Liga (2015/16) ist der FCE in diese finanziellen Schieflage geraten. Die Cottbuser verloren die Erlöse aus der Fernsehvermarktung in zweistelliger Millionenhöhe. Präsident Wahlich hatte bei der Mitgliederversammlung im Juni zudem den Rückgang bei den Sponsorengeldern in Höhe von 300 000 Euro konstatiert. Selbst die überraschende Transferbeteiligung am Wechsel von Maximilian Philipp aus Freiburg nach Dortmund von etwa zwei Millionen Euro sowie der Transfererlös für Stammkeeper Alexander Meyer von etwa 500 000 Euro konnten nicht langfristig für Entspannung sorgen – der Verein baute damit laut dem Präsidenten unter anderem etwa 1,4 Millionen Euro an Verbindlichkeiten ab. Zudem schloss ein anonym gebliebener Unterstützer mit der Zeichung von Genussscheinen eine Finanzierungslücke von etwa 500 000 Euro.

Zuletzt gab es bei Energie zudem Unruhe in den Gremien. Der Cottbuser Oberbürgermeister Holger Kelch (CDU) trat Anfang September überraschend aus dem Verwaltungsrat zurück. Es sei „ein Zeitpunkt erreicht, an dem meine Unterstützung im Verein nicht mehr ganz so nötig ist und ich mein Amt ohne schlechtes Gewissen zur Verfügung stellen kann“, wurde Kelch in der Mitteilung des Vereins zitiert. 

Als neues Mitglied des Verwaltungsrates wurde der ehemalige Cottbuser Oberbürgermeister Frank Szymanski (SPD) kooptiert, also von den anderen Mitgliedern des Gremiums aufgenommen.  In der Fanszene wird die Rückkehr von Szymanski in den Verwaltungsrat kritisch gesehen. Beim jüngsten Heimspiel gegen Sonnenhof Großaspach positionierte sie sich mit einem entsprechenden Plakat auf der Nordwand.

Wahlichs Rücktritt ist nun der überraschende Schlussstrich unter eine mehr als zwei Jahre währende erfolgreiche Amtsperiode. Der 58-Jährige, dem in Cottbus ein Zeitungsvertrieb gehört, trat 2016 die Nachfolge von Wolfgang Neubert als Energie-Präsident an. Nach dem Abstieg in die Regionalliga war er neben Trainer Claus-Dieter Wollitz die treibende Kraft bei der Neuaufstellung des Vereins. Wahlich führte emotionale Debatten mit den Fans und schüttete mit seiner pragmatischen Art einige der aufgerissenen Gräben wieder zu.

Normen Kothe arbeitet bereits seit 2005 bei Energie, im Jahr 2011 übernahm er das Amt des Geschäftsführers. Trainer Wollitz hatte direkt nach dem Aufstieg besonders die Verdienste des Geschäftsführers herausgestrichen. Der Trainer formulierte damals kurz nach der ersten Sektdusche am Stadionmikrofon: „Normen, du bist Cottbuser. Du lebst den Club.“