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Pokerspiel um die FCE-Zukunft

Ablöse aufgerufen: Energie muss Kevin Müller vom VfB Stuttgart kaufen, um ihn weiter als Nummer eins im Tor haben zu können.
Ablöse aufgerufen: Energie muss Kevin Müller vom VfB Stuttgart kaufen, um ihn weiter als Nummer eins im Tor haben zu können. FOTO: Noack
Cottbus. Beim FC Energie Cottbus laufen die Planungen für die kommende Saison. Dabei spielt das Landespokal-Halbfinale am Mittwoch beim SV Babelsberg (19 Uhr) eine wichtige Rolle. Dort geht es um viel Geld, das Energie bei zwei Personalien gut gebrauchen könnte. Jan Lehmann

So muss es sich anfühlen, wenn man beim Pokerspiel keine Karten ausgeteilt bekommt: Energie-Keeper Kevin Müller kann am Mittwoch nur zuschauen. Ersatzkeeper René Renno soll absprachegemäß im Cottbuser Tor stehen. Und dennoch könnte die Partie im Potsdamer Karl-Liebknecht-Stadion richtungsweisend für Müllers Zukunft sein.

Für Energie geht es im Halbfinalduell mit dem Regionalligisten jedenfalls um viel Geld. Nur als Landespokal-Sieger würden sich die Lausitzer für den DFB-Pokal qualifizieren - und die Teilnahme ist äußerst lukrativ: 140 000 Euro bekommt jeder Erstrunden-Teilnehmer garantiert, in der zweiten Runde sind das dann sogar 268 000 Euro. Energie-Trainer Stefan Krämer sagt: "Dieses Geld ist für den Verein lebenswichtig."

Weil die Cottbuser in der 3. Liga deutlich weniger Fernsehgeld als in den Erst- und Zweitliga-Jahren zuvor kassieren, bekommt die DFB-Pokalprämie eine wachsende Bedeutung. Krämer verdeutlicht: "Die Kaderplanung würde durch diese Einnahme erleichtert werden." Allerdings lässt er sich bei diesem Poker nicht richtig in die Karten schauen: "Wo das Geld dann genau hinfließt, kann ich noch nicht sagen", so Krämer.

Das Geld könnte beispielsweise zum VfB Stuttgart fließen, wo Kevin Müller noch unter Vertrag steht. Der 24-Jährige hatte gegenüber dem "rbb-Sportplatz" berichtet: "Für eine Ablösesumme kann ich den Verein verlassen. Es sieht so aus, dass ich wohl nicht nach Stuttgart zurückkehre." Ob die unumstrittene Nummer eins dann aber wunschgemäß in Cottbus bleibt - also Energie die Ablöse im sechsstelligen Bereich stemmen kann - dürfte auch von dem Spiel in Babelsberg und dem möglichen Finale beim Oberligisten Union Fürstenwalde (6. Mai) abhängen.

Auch bei einer anderen Personalie könnte Energie die Finanzspritze aus dem DFB-Pokal gut gebrauchen. Die angestrebte Vertragsverlängerung mit Fanol Perdedaj ist nämlich eine zähe Hängepartie. Bei einem neuerlichen Treffen zwischen Energies Sportlichem Leiter Roland Benschneider und Perdedajs Berater hat man sich erneut vertagt. Obwohl der Kosovare ein wichtiger Mann im Kader ist, setzt Krämer sein Pokerface auf. Er macht deutlich, dass Perdedaj nicht um jeden Preis gehalten werden soll: "Irgendwann würde ich gern planen. Und wenn man halt nicht planen kann, muss man mit jemand anderem planen."

Für Babelsberg plant Krämer indes fest mit Perdedaj, er will abgesehen von der Torwart-Position seine vermeintlich beste Elf in dieses immens wichtige Spiel schicken. Ob Torsten Mattuschka auflaufen kann, ist offen. Der 34-Jährige absolvierte am Montag nur leichtes Lauftraining. Krämer betont ohnehin: "Die Aufstellung ist nicht wichtig, es kommt auf die Einstellung an. Wir brauchen einen anderen Auftritt als zuletzt gegen Köln."

Eine Siegprämie hat Energie nicht ausgelobt. Stattdessen treibt Krämer seine Profis anders an. Er betont: "Ich will Jungs, die immer gewinnen wollen. Das ist auch ein Gradmesser für die kommende Saison. Wenn da Leute dabei sind, die es schleifen lassen, mit denen möchte ich dann auch nicht mehr arbeiten."

Auch solche unterschwelligen Drohungen gehören zum facettenreichen Pokerspiel der Fußballbranche dazu - Krämer kennt alle Spielarten. Deshalb weiß der 48-Jährige aber auch, dass ihm und seiner Mannschaft am Mittwoch kein simpler Bluff helfen wird: Für den Finaleinzug müssen alle Karten auf den Tisch.