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Perdedaj vor "höllischer" Heimpremiere

Fanol Perdedaj war 2014/15 bei Energie.
Fanol Perdedaj war 2014/15 bei Energie. FOTO: FCE
Belgrad. Vor einigen Jahren wurde das Kosovo unabhängig, nun ist auch die Zeit für internationalen Fußball gekommen. Für den früheren Cottbuser Fanol Perdedaj geht ein Traum in Erfüllung. Doch schon das erste Heimspiel einer kosovarischen Nationalmannschaft ist eine Herausforderung, denn es findet in Albanien statt. Die Erwartungen sind groß. Aber auch die Angst vor Krawallen. Boris Babic und Frank Noack

Fast ein Jahrzehnt nach Erlangung seiner Unabhängigkeit steht das Kosovo vor seiner Heimpremiere: Im Rahmen der Qualifikation für die Fußball-Weltmeisterschaft 2018 wird an diesem Donnerstag erstmals eine kosovarische Nationalmannschaft Gastgeber sein. Dabei findet die Partie gegen Kroatien aber nicht mal im eigenen Land statt. Weil es im kleinen Kosovo keine Stadien gibt, die internationalen Standards entsprechen, wird die Partie im albanischen Shkodra ausgetragen.

Trotzdem ist die Vorfreude auch beim Ex-Cottbuser Fanol Perdedaj riesengroß. Bereits nach dem 1:1-Remis in Finnland - dem ersten Pflichtspiel des Kosovo auf der großen Fußballbühne - hatte Perdedaj betont: "Ein Traum ist in Erfüllung gegangen. Wir haben lange darauf gewartet, dass wir endlich von der Fifa anerkannt werden", betont der 25-jährige Zweitliga-Profi von 1860 München und versichert: "Wir sind sehr stolz für unser Land zu spielen, jeder einzelne von uns." Perdedaj war von Januar 2014 bis Juni 2015 bei Energie Cottbus unter Vertrag.

Die Erwartungen an Kosovo sind groß. Das 17 000 Zuschauer fassende Stadion im Norden Albaniens wird wohl ausverkauft sein, das 1:1 in Finnland zum Auftakt in die WM-Qualifikation macht zusätzliche Hoffnung. Trainer Albert Bunjaki räumte vor Journalisten allerdings ein, dass ihm das starke kroatische Team Sorgen bereite. Doch die Kroaten müssen auf zahlreiche Schlüsselspieler verzichten: Luka Modric, Ivan Rakitic und Dejan Lovren fehlen verletzt. "Leider haben einige Spieler Verletzungen, aber so ist das im Fußball. Wir müssen uns ohne sie vorbereiten", erklärt Gäste-Stürmer Andrej Kramaric von 1899 Hoffenheim. "Kroatien will immer gewinnen und wir haben vor niemandem Angst."

Gegen das komplett neu zusammengestellte kosovarische Team ist ein Sieg für Kroatien trotz der Verletzungssorgen Pflicht. Das Land mit mehr als 1,8 Millionen Einwohnern gilt als Armenhaus Europas. 2008 hatte sich Kosovo von Serbien abgespalten, im Juli 2012 erhielt der Staat seine volle Souveränität. Erst im vergangenen Mai war das Kosovo vom Weltfußballverband Fifa aufgenommen worden. Nur Stunden vor Beginn des Spiels in Finnland erlaubte die Fifa einer Handvoll Spielern mit kosovarischen Wurzeln, für das neue Nationalteam zu spielen. Sie hatten zuvor für andere Länder gespielt.

Für den 21-jährigen Arber Zeneli, der in Schweden geboren wurde, gab der Weltverband erst am Mittwoch Grünes Licht. Er hatte mit Schweden die U21-EM gewonnen und ist nun schon gegen Kroatien spielberechtigt. Der kroatische Trainer Ante Cacic hatte zuvor ebenfalls unterstrichen, dass die Verletzungen kein Alibi dafür sein könnten, nicht trotzdem ein "inspirierendes" Match gegen Gastgeber Kosovo zu spielen. "Ich erwarte eine höllische Atmosphäre, die Zuschauer werden auf der Seite der Kosovaren sein - aber unsere Jungs sind das gewohnt und genießen das."

Dass es wirklich "höllisch" werden könnte, lässt eine Warnung des kroatischen Fußballverbands vermuten. Gewalttätige Fans könnten demnach das Spiel stören, berichteten örtliche Medien am Mittwoch. Kroatien hat immer wieder Probleme mit gewalttätigen Hooligans, bei der Europameisterschaft in Frankreich war der kroatische Verband unter anderem wegen rassistischer Gesänge einiger Anhänger hart bestraft worden.