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| 17:00 Uhr

Energies Trainer saß diesmal auf Tribüne
„Pele ist nicht Lauzi“: So erlebte Wollitz das Spiel

 Trainer Claus-Dieter Wollitz musste diesmal von der Tribüne aus das Spiel verfolgen.
Trainer Claus-Dieter Wollitz musste diesmal von der Tribüne aus das Spiel verfolgen. FOTO: Steffen Beyer
Cottbus. Claus-Dieter Wollitz durfte beim 1:1 (0:0) von Energie Cottbus gegen Kaiserslautern nicht auf der Trainerbank sitzen. Die RUNDSCHAU erklärt, wie Wollitz dieses besondere Heimspiel erlebte. Von Frank Noack und Jan Lehmann

„Pele Wollitz!“ Das Stadion der Freundschaft feierte den Trainer von Energie Cottbus am Samstagnachmittag, obwohl er wegen seiner Sperre diesmal nicht auf der Bank sitzen durfte. Auslöser der Sperre war die Partie beim FSV Zwickau. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) belegte den Energie-Trainer wegen eines „fortgesetzten unsportlichen Verhaltens“ mit einem sogenannten Innenraumverbot.

Wollitz hatte sich am 25. März in Zwickau nach dem Schlusspfiff lautstark bei Schiedsrichter Justus Zorn (Freiburg) beschwert, dabei allerdings auch seine Spieler immer wieder zurückgehalten. Zudem beschädigte der Coach während der Partie eine Plexiglasscheibe auf der Trainerbank. Dafür entschuldigte er sich anschließend beim FSV Zwickau und bot an, den entstanden Schaden zu ersetzen.

Konsequenz des Innenraum-Verbots: Der Coach musste gegen Kaiserslautern auf der Tribüne sitzen. Er durfte jeweils eine halbe Stunde vor Spielbeginn und bis eine halbe Stunde nach dem Abpfiff keinen Kontakt mit der Mannschaft haben. Um 12.45 Uhr leitete Wollitz noch die Mannschaftsbesprechung, dann musste er den Kabinentrakt verlassen.

Auf dem Weg zur Tribüne nahm er noch ein kleines Bad in der Menge. Wollitz ließ sich Zeit für kurze Gespräche, Fotos und gegenseitigen Zuspruch. Seine Botschaft an die Fans: „Heute alles raushauen! Wenn ihr ordentlich anfeuert, ich bin dabei.“

Im Internet hatte es zwar diverse Einladungen von FCE-Anhängern an den Trainer gegeben, die Partie vom Fanblock aus anzuschauen. Darauf verzichte Wollitz aber ganz bewusst, um jegliche Provokationen des DFB zu vermeiden, die man möglicherweise hätte hineininterpretieren können.

Stattdessen hatte er in der bemerkenswerten Pressekonferenz am Donnerstag einen tiefen Einblick in seine Gefühlswelt gegeben und die Sperre kritisiert („Ich fühle mich wie ein Schwerbrecher“). Nach eigenem Bekunden hätte er lieber eine höhere Strafe als 2000 Euro gezahlt, um gegen Kaisers­lautern auf der Bank sitzen zu können: „Sechs Spieltage vor Schluss nimmt man den Trainer nicht weg von der Mannschaft.“

Aber wo hält sich Wollitz während des Spiels denn nun ganz konkret auf? „Pele ist nicht Lauzi“, frozzelte Stadionsprecher Benjamin Hantschke am Mikrofon mit Blick auf das FCE-Maskottchen und dessen Verkleidung.

Wollitz war in der Tat nicht Lauzi, sondern nahm Platz auf der Haupttribüne in Block C. Er wurde herzlich begrüßt und hatte kurz vor dem Anpfiff ein Lächeln auf den Lippen.

Die Co-Trainer Frank Eulberg und René Renno trugen diesmal die Verantwortung während der 90 Minuten. „Klar, hat Pele gefehlt“, berichtete Eulberg nach dem Schlusspfiff. „Aber während des Spiels war dann eigentlich nicht viel anders als sonst. Außer, dass ich das Spiel diesmal stehend verfolgt habe, um einen besseren Überblick zu haben.“

Zur Unterstützung des Trainerteams saß Sebastian Abt auf der Pressetribüne und verfolgte von oben die Partie. Der letztjährige Co-Trainer ist inzwischen für die U19 verantwortlich. In der Halbzeitpause war Abt in der Kabine und berichtete auf RUNDSCHAU-Nachfrage: „Es lief alles wie gehabt – eben nur ohne den Cheftrainer. Wir haben da unsere Abläufe. Und Frank Eulberg hat das dann übernommen.“

In der Schlussphase des Spiels wurde es richtig turbulent. Erst kam Energie zum Elfmetertor durch Jürgen Gjasula (80. Minute), anschließend traf Jan Löhmannsröben zum 1:1-Ausgleich für Kaiserslautern (89.).

Auch Wollitz auf der Tribüne jubelte zunächst über die Cottbuser Führung und war dann tief enttäuscht, dass es trotzdem nicht zum Sieg gereicht hat. Sein Fazit: „Ich bin froh, dass es vorbei ist. Vor dem Spiel habe ich viel Zuspruch bekommen, auch während des Spiels. Das tat mir gut, es ist eine ganz schwierige Phase – auch für mich persönlich. Das war heute nicht angenehm, das wünsche ich keinem. In so einer Situation, in der es um sportliche Existenzen geht, hätte der Verband mehr Spielraum gehabt. Aber jetzt ist es vorbei.“

Der Kampf um den Klassenerhalt geht für Energie jedoch weiter und ist nach diesem doch noch verlorenen Sieg schwieriger denn je. Am Ostersonntag gastiert Cottbus bei den Sportfreunden Lotte – dann wieder mit Wollitz auf der Trainerbank.