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Noch nicht reif für den Aufstieg

Die Vorentscheidung: Kurz nach der Halbzeitpause schlägt es zum zweiten Mal im Kasten von Torhüter Kevin Müller (M.) ein.
Die Vorentscheidung: Kurz nach der Halbzeitpause schlägt es zum zweiten Mal im Kasten von Torhüter Kevin Müller (M.) ein. FOTO: Imago/img1
Cottbus/Duisburg. Die Niederlage in Duisburg hat auch die letzten Hoffnungen von Energie Cottbus zerstört. Der FCE muss den Aufstieg abschreiben. Hat die Mannschaft trotzdem genügend Moral, um die Saison positiv abzuschließen? Frank Noack

Nicht nur die enttäuschten Gesichter der FCE-Profis unmittelbar nach der 2:3-Niederlage beim MSV Duisburg sprachen eine deutliche Sprache. Auch die zwei freien Tage am Sonntag und Montag lassen keine Zweifel zu: Energie Cottbus hat einen Schlussstrich unter den Aufstiegskampf gemacht und will jetzt noch einmal Kraft sammeln, um die Saison ordentlich zu Ende zu bringen. Dazu zählt neben den letzten fünf Partien in der 3. Liga vor allem das Finale im Landespokal am 6. Mai beim Oberliga-Vertreter Union Fürstenwalde. FCE-Trainer Stefan Krämer fuhr am Sonntag nach Fürstenwalde, um den Gegner in dessen Punktspiel gegen Lichtenberg 47 unter die Lupe zu nehmen.

Fürstenwalde kam übrigens zu einem ungefährdeten 4:1-Sieg. Krämer weiß ganz genau, wie wichtig dieser Pokalerfolg und der damit verbundene Sprung in den lukrativen DFB-Pokal sind. "Es wäre schade, wenn wir uns die Saison noch kaputtmachen würden", warnt er. Dass eine überraschende Niederlage gegen den Fünftligisten die Sprengkraft hätte, trotz guter Hinrunde die Saison kaputtzumachen, ist auch den Spielern klar. "Dieses Pokalfinale ist wichtig für den Verein", erklärt Marco Holz. "Wir werden weiter Gas geben, allein schon für die Fans", betont Sven Michel.

Um den Aufstieg braucht sich der FC Energie dagegen "keine Gedanken mehr zu machen", wie Trainer Krämer nach der verdienten Niederlage in Duisburg realistisch konstatierte. Denn die Unterschiede zwischen dem Tabellendritten Duisburg und den um ihre allerletzte Chance kämpfenden Gästen waren vor allem in den entscheidenden Situationen einfach zu deutlich. In diesem von Krämer zum "Endspiel" erklärten Duell gegen einen der direkten Mitkonkurrenten konnte sein Team nicht den Nachweis der Aufstiegsreife erbringen. Stattdessen ärgerte sich Energie erneut über eigene Fehler, die dem heimstarken Gegner in die Karten spielten. Der MSV Duisburg, der in der laufenden Saison noch keine Heimniederlage kassiert hat, ging schon in der 8. Minute durch Kingsley Onuegbu in Führung. Zuvor hatte aus gerechnet der technisch starke Torsten Mattuschka den Ball im Mittelfeld durch eine kleine Unachtsamkeit verloren. Immerhin erzielte Mattuschka dann nach 31 Minuten den 1:1-Ausgleich. Sich in der Halbzeitpause sammeln, dann weiter geordnet stehen und in der Schlussphase die eigene Offensive verstärken, um den dringend benötigten Sieg anzupeilen - das war zumindest der Plan der Lausitzer. Doch dieser Plan wurde durch das 2:1 von Kevin Wolze (48.) jäh zerstört. "Manchmal hält so ein Plan nur drei Minuten", räumt Trainer Krämer ein und ergänzt: "Das Tor hat vieles kaputtgemacht, auch in der Überzeugung der Spieler." Man habe die Gegentore "zu einem ungünstigen Zeitpunkt kassiert", klagt Marco Holz. "Dann ist es schwierig, in Duisburg immer wieder einen Rückstand aufzuholen."

Nach dem dritten MSV-Tor durch Branimir Bajic (59.) war Energie endgültig geschlagen. Dass dieser Treffer erneut durch eine Standardsituation fiel, passt in das enttäuschende Bild. Der FCE hat in den vergangenen Wochen bei ruhenden Bällen einfach zu oft gepatzt. Den 2:3-Endstand besorgte in der Nachspielzeit dann Uwe Möhrle (90.+1). Aber sein Tor hatte nur noch statistischen Wert. Zu einem Jubel mochte sich weder Möhrle noch seine Mit spieler aufraffen. Der Frust über das Ende der Aufstiegsträume saß tief. Das Spiel sei "der letzte Strohhalm" gewesen, erklärt Sven Michel.

Nach den zwei freien Tagen heißt das Nahziel nun Stuttgarter Kickers. Die Heimpartie gegen den Tabellenvierten an diesem Samstag dürfte bereits erste Aufschlüsse liefern, wie Energie mit der neuen Situation umgeht. Ein Dreier nach zuletzt sechs sieg losen Partien würde dem Selbstvertrauen guttun und wäre ein positives Signal für den Rest der Spielzeit. "Wir müssen schauen, dass wir die Saison gut zu Ende bringen und nicht durchgereicht werden", erklärt Krämer. Einen Vorwurf will er seiner Mannschaft trotz der Niederlage in Duisburg nicht machen: "Die Jungs haben alles probiert, was im Moment in unserer Macht steht - es hat nicht gereicht."

Im Moment ist Energie noch nicht aufstiegsreif. Das ist zwar bitter, aber angesichts des Neuaufbaus im Sommer keine wirk liche Überraschung. Michel: "Um aufzusteigen, brauchst du eine zumindest halbwegs eingespielte Mannschaft. Die hatten wir nicht wirklich. Wenn wir dann im Sommer eine komplette Mannschaft haben, bin ich optimistisch für die nächste Saison."