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| 02:44 Uhr

Neuer Trainer, alte Sorgen

Die einen jubeln, die anderen sind bedient: Der Hamburger Markus Thorandt hat in der 74. Minute zum 3:0 getroffen.
Die einen jubeln, die anderen sind bedient: Der Hamburger Markus Thorandt hat in der 74. Minute zum 3:0 getroffen. FOTO: dpa
Hamburg. Was für ein bitterer Einstand für den neuen Energie-Trainer Stephan Schmidt: Bei der deftigen 0:3-Niederlage am Montag beim FC St. Pauli zeigte seine Elf alte Schwächen und muss sich für mindestens elf Tage auf dem letzten Tabellenplatz einrichten. Aus Hamburg berichtet Jan Lehmann

Als die Zweitligatabelle nach dem Abpfiff auf der Anzeigetafel im Millerntor-Stadion eingeblendet wurde, waren die Energie-Profis schon alle in der Kabine verschwunden. Auf den Blick auf diese verhängnisvolle Bilanz konnten die Lausitzer allerdings ohnehin gut und gerne verzichten. Das sieht nicht gut aus: Erstmals seit neun Jahren steht Energie Cottbus wieder auf dem letzten Platz in der 2. Bundesliga. Und das wird jetzt wegen der bevorstehenden Länderspielpause mindestens bis zum 22. November so bleiben.

In Hamburg verpasste Energie den Sprung vom Tabellenende, weil die Mannschaft wieder die alten Schwächen offenbarte. In den vergangenen vier Spielen war Energie schon ohne Tore geblieben - auch am Millerntor erzeugten die Cottbuser kaum Torgefahr. Und zum Ende der Partie wirkte das Team immer kraftloser. Die Laufschwäche der Mannschaft hatte schon vor der Partie für Diskussionen gesorgt. Ivica Banovic erklärte nach Spielende: "Wir müssen jetzt alles hinterfragen. Bisher sind wir die schlechteste Mannschaft der Saison, da gibt es viele Fragen."

Trainer Schmidt hatte vor der Partie nicht allzu viel umkrempeln wollen. Doch als sich mit Julian Börner der Ersatzmann für den gesperrten Uwe Möhrle mit Magen-Darm-Grippe abmeldete, musste er gleich bei seinem Debüt improvisieren. Er schickte Mittelfeldmann Ivica Banovic in die Innenverteidigung. Eine Umstellung mit wenig Fortune: Banovic hatte sichtbare Probleme, genau wie Marc Andre Kruska der auf der Sechser-Position agierte. Überhaupt wirkte Energie nach hinten sehr anfällig. Und in der Offensive kam es über Ansätze kaum hinaus.

Neuer Trainer, alte Sorgen: Die Cottbuser entwickelten zu wenig Schwung in den Aktionen nach vorn. Das von Schmidt so betonte Umschaltspiel dauerte viel zu lange. St. Pauli machte das besser, ohne richtig gut zu sein. Bereits in der siebten Spielminute bewahrte FCE-Keeper Robert Almer mit einer Fußabwehr gegen den völlig freistehenden Hamburger Florian Kringe vor einem frühen Rückstand.

Nach 35. Minuten war aber auch der Österreicher machtlos. Fin Bartels traf zum 1:0 - zuvor hatte Banovic gegen Kringe das entscheidende Kopfballduell verloren. Für Energie hatte allein Alexander Bittroff mit einem fulminanten Schuss ans Außennetz eine verheißungsvolle Torchance (40.) vor dem Halbzeitpfiff.

Zur Pause holte Schmidt die komplette Mannschaft in die Kabine - das ist ungewöhnlich. Der Coach wollte offenbar noch einmal den Teamgeist beschwören. Tatsächlich kam seine Mannschaft noch einmal mit etwas mehr Schwung auf den Rasen. Und als Sanogo per Flugkopfball nur den Pfosten traf (54.) und wenig später der Hamburger Rzatkowski nach einem neuerlichen Kopfball des Energie-Angreifers auf der Linie rettete, war das Ende der Tor- und Punkteflaute nur Zentimeter entfernt.

Doch dann verließen die Cottbuser die Kräfte. Hamburgs Schachten traf nach einem Konter (70.), Thorandt köpfte wenig später völlig frei einen Freistoß ins Netz (73.). Auf Stephan Schmidt wartet nun viel Arbeit. Er sagt: "Ich wusste, dass ein langer Weg vor uns liegt. Wir müssen es gemeinsam anpacken."

Zum Thema:
Gewinner: Robert Almer hielt seine Mannschaft anfangs noch mit einer sehr starken Parade im Spiel. Bei den Gegentreffern war er danach machtlos. Verlierer: Markus Brzenska wäre eigentlich der etatmäßige Ersatzmann für die Innenverteidigung gewesen - weil mit Uwe Möhrle (gelbgesperrt) und Julian Börner (Magen-Darm-Infekt) gleich zwei Abwehrspieler fehlten. Doch Trainer Stephan Schmidt entschied sich für Ivica Banovic in der Viererkette. Für Brzenska, dessen Vertrag zum Saisonende ausläuft, ein deutlicher Fingerzeig für die Zukunft.