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| 17:57 Uhr

Fußball
Nach Babelsberger Randale: Energie stolz auf die eigenen Fans

Schon kurz nach der Halbzeitpause schwenkten vermummte Randalierer im Babelsberger Block Fackeln und warfen Böller aufs Spielfeld.
Schon kurz nach der Halbzeitpause schwenkten vermummte Randalierer im Babelsberger Block Fackeln und warfen Böller aufs Spielfeld. FOTO: Matthias Koch
Potsdam. Potsdamer entschuldigen sich für die Ausschreitungen beim Landespokal-Finale. Brandenburgs Ministerpräsident Woidke sieht Handlungsbedarf.

Obwohl sie das Landespokal-Finale beim SV Babelsberg gewonnen hatte, musste die Mannschaft des FC Energie Cottbus am Montagabend ohne Pokal abreisen. Die Siegerehrung nach dem hitzigen Pokalfight war abgebrochen worden, weil aus dem Babelsberger Block immer wieder Raketen und Böller gefährlich nahe in Richtung Energie-Fanblock sowie der Spieler und Funktionäre auf den Rasen abgeschossen wurden. Schon kurz nach der Halbzeitpause hatte es eine Unterbrechung gegeben, weil vermummte Randalierer im Babelsberger Block Fackeln schwenkten und Böller auf den Rasen warfen.

Am Dienstag entschuldigte sich der SV Babelsberg für die Vorkommnisse im heimischen Karl-Liebknecht-Stadion. Auf ihrer Internetseite schrieben die Potsdamer: „Wir bedauern zutiefst, dass einige Chaoten dieses Fußballfest missbraucht haben, die Werte unseres Vereins zu diskreditieren.“

Der Pokal sollte nun am Sonntag beim Cottbuser Aufstiegsrückspiel gegen Flensburg im Stadion der Freundschaft übergeben werden. Doch diesen Plan verwarf der Fußball-Landesverband Brandenburg (FLB) am Dienstag. Ein neuer Termin wird gesucht. Bei Energie überwog trotz der verpassten Pokalübergabe die Freude über den Sieg – und der Stolz auf die eigenen Fans. Präsident Michael Wahlich hatte mit den Anhängern einen Pakt geschlossen. Er berichtete, dass die Cottbuser Anhänger beim Abschlusstraining am Sonntag am Platz waren und dort auch Pyrotechnik angezündet hatten. Wahlich betonte: „Dann haben wir gesagt: Jetzt gehen wir nach Hause und morgen bleibt es ruhig.“ Und das blieb es auch im Cottbuser Block. Wahlich erklärte glücklich: „Wir waren uns einig, dass es heute nur um Energie geht. Und das haben die Fans wunderbar  hingelegt.“

Auf Babelsberger Seite war man geschockt. Der Verein, der nach rechtsradikalen Ausschreitungen im Cottbuser Block beim Regionalliga-Spiel im April 2017 für die Aktion „Nazis raus aus den Stadien“ bundesweit viel Solidarität erfahren hatte, muss nun eine Krise bewältigen. Trainer Almedin Civa dachte nach dem Spiel sogar über einen Rücktritt nach. Er erklärte erschüttert: „Für mich als Babelsberger ist das ein trauriger Tag. Es ist peinlich, dem Sieger nicht die verdiente Siegerehrung zukommen zu lassen. Ich entschuldige mich bei Energie Cottbus. Wenn wir nichts gegen diese Menschen tun können, sollten wir den Laden zumachen.“ Und auch Babelsberg-Präsident Archibald Horlitz erwog „persönliche Konsequenzen“. Gegenüber dem rbb sagte er: „Wenn das, was nach dem Spiel passiert ist, von der Mehrheit der Zuschauer toleriert und gewollt wird, dafür stehe ich einfach nicht.“

FLB-Präsident Siegfried Kirschen war ebenfalls geschockt. „Ich stelle mir die Frage, wie lange wir uns das noch gefallen lassen müssen. Beantworten müssen das die Verantwortlichen im Staat, die zwar die Rechte besitzen, aber sie leider nicht wahrnehmen“, sagte Kirschen. Von ihm gab es ein ausdrückliches Lob für die Cottbuser Anhänger: „Die Fans von Energie haben sich hervorragend verhalten. Sie haben sich nicht provozieren lassen.“

Auch der Brandenburger Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) war entsetzt. „Ich finde es bitter, dass Chaoten aus dem Babelsberger Block die Übergabe des Pokals nicht nur gestört, sondern verhindert haben. Es bestand Gefahr für Leib und Leben der Spieler. Die Polizei hatte die Lage eigentlich gut im Griff. Aber leider ist es wieder einigen Chaoten gelungen, Feuerwerk ins Stadion zu schmuggeln.“ Der Ministerpräsident betonte: „Wir müssen uns wirklich Gedanken machen über die Sicherheitsvorkehrungen im Fußball.“

Nach vielen Giftpfeilen zwischen beiden Vereinen verzichtete Energie-Trainer Claus-Dieter Wollitz auf Häme gegenüber Babelsberg. Er sagte am Dienstag: „Ich wünsche dem Verein viel Kraft und Konsequenz bei der Aufarbeitung.“ Im Rückblick auf die zurückliegenden Ereignisse betonte er aber auch: „Jetzt hat jeder gesehen, wie oft Energie Cottbus zu Unrecht in eine Schublade gesteckt worden ist.“

Probleme dieser Art gibt es nicht nur in Brandenburg. Der Finaltag der Amateure war am Montag von teils heftigen Ausschreitungen überschattet worden. Auch die Partien Elversberg gegen Saarbrücken und Aachen gegen Viktoria Köln mussten unterbrochen werden. Beim Pokal-Stadtderby zwischen Tus und Rot-Weiß Koblenz wurde laut „Bild“ ein Kind verletzt, als im Fanblock Pyrotechnik gezündet wurde. Nach dem Thüringenpokal-Finale zwischen Carl Zeiss Jena und Wismut Gera lieferten sich etwa 80 Geraer Anhänger eine Auseinandersetzung mit der Polizei. Vier Beamte und 13 Fußballfans wurden verletzt.