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| 19:06 Uhr

Fußball
Wie viel ist Mambas Lächeln wert?

Streli Mamba (r.) soll Energie zum Klassenerhalt schießen - wenn er bleibt.
Streli Mamba (r.) soll Energie zum Klassenerhalt schießen - wenn er bleibt. FOTO: imago/Eibner / EIBNER/Rene Weiss
Wiesbaden. Der Stürmer verlässt Energie. Die Frage ist nur: wann? Der Verein muss entscheiden, ob Tore oder eine Ablöse wichtiger sind. Von Frank Noack und Jan Lehmann

Daran besteht nun wirklich kein Zweifel mehr – Streli Mamba hat in seinen beiden Jahren bei Energie Cottbus viel gelernt, sehr viel sogar. Zum Beispiel, dass zum modernen Fußball mehr gehört, als nur ein guter Sprinter zu sein. Sogar das Toreschießen haben sie ihm beigebracht, auch wenn das Projekt zunächst von diversen Fehlschüssen überschattet worden ist. Am Sonntag beim 2:0-Auswärtssieg des FCE gegen Wehen Wiesbaden erzielte der 24-jährige Stürmer beide Treffer. Im vergangenen Jahr in der Regionalliga war er insgesamt 19 Mal erfolgreich.

Und auch, wie man Fragen zur eigenen Zukunft mit einem Lächeln einfach mal umdribbelt, hat Mamba inzwischen sehr gut drauf. Wird er den Verein am Saisonende verlassen? Hat er, wie kolportiert wird, bereits einen Vorvertrag bei Zweitliga-Aufsteiger SC Paderborn unterschrieben? „Stand jetzt bin ich Spieler von Energie Cottbus. Alles andere möchte ich nicht kommentieren und werde ich auch nicht kommentieren“, so die Antwort von Mamba.

Das Lächeln und die Unverbindlichkeit, mit der er seine Antwort am Sonntag in Wiesbaden vorgetragen hat, lassen nur einen Schluss zu: Energie Cottbus steht ein heißer Transfer-Endspurt bis zum 31. August bevor. Bis zu diesem Stichtag dürfen die Vereine unter Vertrag stehende Spieler verpflichten – wenn sie sich mit dem abgebenden Club über die Ablöse einig werden.

Fakt ist: Mamba wird Energie verlassen. Nach RUNDSCHAU-Informationen hat der Torjäger im Mannschaftskreis bereits seinen Abschied bekannt gegeben. Offen ist nur: wann? Schließlich stellt sich für Energie die Frage: Muss der FCE angesichts der Vertragslage seinen besten Stürmer nicht doch sofort verkaufen? Oder verzichtet der FCE auf die Ablösesumme von mindestens einer halben Million Euro und setzt stattdessen darauf, dass Mamba mit seinen Toren den Weg für eine erfolgreiche Saison in der 3. Liga ebnet? Denn 2019, wenn der Vertrag ausläuft, geht der Verein leer aus.

Der FCE muss also entscheiden, was aktuell wichtiger ist: Geld oder Tore. So wie es aussieht, sind es die Drittliga-Treffer. Trainer Claus-Dieter Wollitz stellt derzeit den sportlichen Aspekt der Abwägung klar in den Vordergrund und hat die Mehrheit der Energie-Fans auf seiner Seite. Bei einer nicht-repräsentativen Umfrage von LR-Online stimmten bis Montagnachmittag mehr als 70 Prozent der Teilnehmer gegen einen vorzeitigen Verkauf. „Wir werden ihn jetzt nicht abgeben, es sei denn, es kommt eine angemessene Summe auf den Tisch. Ich gehe davon aus, dass der Verein standhaft bleibt. Sollte der Verein etwas Unüberlegtes machen, dann muss man auch mit mir diskutieren“, stellt Wollitz klar. „Ich gehe nur bei überlegten Sachen mit.“

Bei der Pressekonferenz am Montag vor dem nächsten Drittliga-Heimspiel gegen die Spielvereinigung Unterhaching (Mittwoch, 19 Uhr/LR-Liveticker) erklärte Wollitz zudem, dass er trotz der Debatte um Mamba „gut schlafen“ könne. Er betonte: „Der Vertrag bis Juni 2019 ist wasserdicht.“

Ob der SC Paderborn bereit ist, eine halbe Million Euro für einen Spieler zu überweisen, der vor zwei Jahren noch beim SV Sandhausen II in der Oberliga gekickt hat und danach als Probestürmer in die Lausitz kam, ist ohnehin längst nicht sicher. Wohl auch deshalb macht Wollitz keinen Hehl daraus, dass er Streli Mamba eigentlich zu Höherem berufen sieht. „Ich bin zwar nicht sein Berater, aber ich bin überzeugt, dass er eine bessere Perspektive besitzt als Paderborn. Ich glaube nicht, dass das der Verein ist, wo er sich noch großartig weiterentwickeln wird“, sagt Wollitz. Er fügte am Montag noch an: „Ich glaube, es kommen noch bessere Vereine auf ihn zu.“

Wie wertvoll Streli Mamba für Energie Cottbus mittlerweile ist, hat das Spiel in Wiesbaden nicht nur wegen der beiden Tore gezeigt. Der schnelle Stürmer war immer anspielbereit und stellte die Gastgeber mit seiner enormen Geschwindigkeit vor Probleme. Im Prinzip ist Mamba für die Spielweise des Aufsteigers kaum ersetzbar. Zumal Energie mit Kevin Scheidhauer derzeit nur noch einen gesunden Angreifer im Kader hat.

Sportlich könnten also beide Seiten bis Juni 2019 voneinander profitieren, wenn Mamba den FCE mit seinen Toren zum Klassenerhalt schießt und sich selbst so für höhere Aufgaben empfiehlt. Ganz nebenbei könnte der FC Energie auch seinen selbsternannten Anspruch, ein Sprungbrett für junge Spieler zu sein, weiter mit Leben erfüllen. So wie damals im Jahr 2011, als Wollitz einen gewissen Nils Petersen ebenfalls vom Chancentod zum Torjäger umschulte und für den Wechsel zum deutschen Rekordmeister Bayern München fitmachte.

Aber so unkompliziert verlaufen derartige Entwicklungen im Profifußball nur selten, auch wenn der FCE aufgrund des laufenden Vertrages derzeit das Heft des Handelns in der Hand zu halten scheint. Was also ist, wenn Mamba bis zum Transferschluss am 31. August plötzlich die Lust am Toreschießen in Cottbus verlieren sollte? „Wir müssen ihn jetzt davon überzeugen, bis zum 30. Juni 2019 hier zu spielen“, mahnt Wollitz. Allerdings gibt es intern da wenig Bedenken. Energie-Präsident Michael Wahlich bedauert es, dass der Angreifer womöglich als Söldner abgestempelt werden könnte. Wahlich betont: „Streli Mamba ist ein bescheidener Junge, der für sich und seine Familie dafür kämpft, seine Leistung in eine finanzielle Verbesserung seines Lebensstandards umzuwandeln. Das ist legitim und verständlich. Man kann auch nicht feststellen, dass er sich jetzt hängen lässt.“ Wahlich mahnt: „Niemand hat das Recht, darüber zu urteilen, ohne Details zu kennen.“

In der Mannschaft kennen sie die Details und deswegen erklärte Kapitän Marc Stein am Montag deutlich: „Alles, was geschrieben wird, wissen alle seit drei Wochen. Wasserstandsmeldungen abzugeben, davon halte ich nichts. Wir wissen, dass es Interesse von Paderborn gab und die Vereine sich nicht geeinigt haben. Alle gehen davon, dass es so bleibt, wie es ist.“

Mamba auch? Der 24-Jährige, der privat Vaterfreuden entgegenblickt, erklärte am Montag in Bezug auf das Spiel gegen Unterhaching: „Man sollte die Erwartungen immer ein bisschen herunterschrauben. Es ist wichtig, dass wir als Team funktionieren.“ Und er schaute sogar noch weiter: „Es kommen noch 36 Spiele auf uns zu, die Saison ist noch lang.“ Das klang stark danach, dass der Angreifer sich noch ein Jahr lang im Energie-Trikot sieht.

Vielen Cottbuser Fans dürfte diese Vorstellung sicher ein Lächeln ins Gesicht zaubern.