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Fußball
Mitarbeiter des Tages: Scheidhauer und Siebeck

Berlin. Kevin Scheidhauer und Alexander Siebeck haben Energie Cottbus zum 2:0-Sieg bei der U23 von Hertha BSC geschossen. Trainer Wollitz spricht von einem Meilenstein - für den FCE und auch für die beiden Spieler. Von Frank Noack
Kevin Scheidhauer (M.) erzielte den Führungstreffer. Alexander Siebeck (kleines Bild) sorgte für den 2:0-Endstand.
Kevin Scheidhauer (M.) erzielte den Führungstreffer. Alexander Siebeck (kleines Bild) sorgte für den 2:0-Endstand. FOTO: Sven Bock / FuPa Brandenburg

Die womöglich aufschlussreichste Szene des 2:0 (1:0)-Sieges von Energie Cottbus bei der U23 von Hertha BSC spielte sich in der Nachspielzeit an der Seitenlinie ab. Also fernab jener Bereiche, wo Fußballspiele normalerweise entschieden werden. Dort an der Seitenlinie presste Kevin Scheidhauer kurz vor Schluss die wirklich allerletzte Kraft aus seinem Körper heraus und grätschte direkt vor dem FCE-Fanblock mit Schmackes den Ball ins Aus, sodass der verzweifelte Angriffsversuch der Gastgeber erst einmal unterbunden war.

Die FCE-Fans quittieren die Monster-Grätsche mit Szenen­applaus. Und wenn diese Grätsche sprechen könnte, hätte sie wahrscheinlich eine unmissverständliche Botschaft kundgetan: Kevin Scheidhauer, lange verletzter Stürmer mit Zweitliga-Erfahrung, ist wieder da. Und die Grätschte hätte vermutlich noch einen Nachsatz hinterhergeschoben: endlich!

Denn hinter dem 26-jährigen Stürmer liegt eine lange Leidenszeit. Eineinhalb Jahre lang konnte Scheidhauer wegen einer komplizierten Sprunggelenksverletzung kein Spiel bestreiten. Bei Energie musste er im Herbst mehrere Wochen lang im Probetraining nachweisen, dass er es schaffen könnte, zurück zu alter Leistungsstärke zu finden. Am Mittwochabend lieferte der Winter-Neuzugang nicht nur wegen des Führungstreffers in der 34. Minute seine bisher beste Leistung im FCE-Trikot ab. „Er hat ein Ausrufezeichen gesetzt, auch mit der Art, wie er gekämpft hat“, lobt Trainer Claus Dieter Wollitz.

Nach seinem Premieren-Tor für Energie wirkte Scheidhauer regelrecht befreit. Viele Aktionen, die in den vergangenen Wochen nicht oder nur selten funktioniert haben, klappten plötzlich. Er ging weite Wege im Sturmzentrum und hatte vor allem in der 2. Halbzeit sichtlich Spaß an seiner Rolle als Prellbock. Scheidhauer brachte mit seinem wuchtigen Körper die hohen Bälle unter Kontrolle und leitete sie immer wieder direkt zu den Mitspielern weiter. „Natürlich freue ich mich über mein erstes Saisontor. Aber eigentlich ist es egal, wer die Tore schießt. Wichtig ist der Sieg“, sagt der Stürmer.

 Mindestens genauso wichtig ist die Spielpraxis, die er derzeit bekommt. „Die Form kommt natürlich über die Spiele. Ich glaube schon, dass das noch einige Zeit dauern wird, bis ich wieder der alte bin. Vielleicht zieht es sich auch bis in die neue Saison. Aber ich versuche, von Woche zu Woche hart zu arbeiten, dass ich wieder da hinkomme“, erklärt Scheidhauer.

Es passte am Mittwochabend ins rot-weiße Bild der Glücksgefühle, dass auch Treffer Nummer zwei auf das Konto eines Winter-Neuzuganges ging. In der 3. Minute der Nachspielzeit beseitigte der vom Karlsruher SC in die Lausitz gewechselte Alexander Siebeck mit dem 2:0 die letzten Zweifel am Cottbuser Auswärtssieg. Wie wichtig dieses Tor ist? „Es ist extrem wichtig für mich. Denn ich habe auch in Karlsruhe in dieser Saison schon einige Chancen vergeben“, betont Siebeck.

Alexander Siebeck (l.) jubelt über seine Tor-Premiere.
Alexander Siebeck (l.) jubelt über seine Tor-Premiere. FOTO: Matthias Koch

Seine Aufgabe gegen die junge Reserve von Bundesligist Hertha BSC war alles andere als einfach. Denn Siebeck (24) kam in der 33. Minute ins Spiel und sollte das bis dahin wenig sattelfeste Mittelfeld stabilisieren. Seine erste Amtshandlung – ein ­kapitaler Fehler, mit dem er den Herthanern eine Torchance ermöglichte. Doch danach war der laufstarke Mittelfeldspieler jederzeit auf Ballhöhe und bekam genau wie Scheidhauer ein Extralob von Trainer Wollitz: „In so einem Spiel nach 30 Minuten reinzukommen und die Aufgabe so anzunehmen – da ist ein wichtiger Schritt für ihn.“

Ein Schritt hin zu mehr Breite im Kader. Denn in Abwesenheit der verletzten Stammspieler Marcelo und Streli Mamba erzielten mit Scheidhauer und Siebeck zwei Spieler aus der vermeintlich zweiten Reihe die Tore zum 22. Sieg im 27. Saisonspiel. Bockstarke 70 Punkte hat Energie damit auf dem Konto. Zum Meistertitel fehlen also nur noch acht Zähler.

Aber der Blick geht ohnehin schon in Richtung der entscheidenden Spiele im Mai, wenn Energie in die 3. Liga zurückkehren will.  Und auch Wollitz weiß ganz genau, dass ein breiter Kader nötig ist, um dieses Ziel zu erreichen. Scheidhauer und Siebeck haben am Mittwochabend gezeigt, dass sie bereit dafür sind. „Speziell für die neuen Spieler ist das ein Meilenstein“, sagt Wollitz über diesen Auswärtssieg bei einem der spielstärksten Gegner der Regionalliga Nordost. „Wir brauchen Qualität, und wir brauchen Breite. Scheidhauer und Siebeck haben bestätigt, warum wir sie geholt haben. Sie ­haben läuferische Qualität und Willensstärke ins Spiel gebracht.“

Und diese Willensstärke war eben überall auf dem Rasen zu spüren – selbst an der Seitenlinie.

Kader: Andrej Startsev (23) hat seinen Vertrag verlängert. Der Rechtsverteidiger unterschrieb einen Kontrakt bis Juni 2019 mit Gültigkeit sowohl für die Regionalliga als auch die 3. Liga. Im Aufstiegsfall ver­längert sich der Vertrag automatisch bis zum Juni 2020 verlängert.