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Mit Stolz und Sorge in den Alltag

VfB-Kapitän Simon Terodde und Torhüter Ron-Robert Zieler bejubeln den Sieg, Benjamin Förster liegt nach seinem Fehlschuss am Boden.
VfB-Kapitän Simon Terodde und Torhüter Ron-Robert Zieler bejubeln den Sieg, Benjamin Förster liegt nach seinem Fehlschuss am Boden. FOTO: dpa
Cottbus. Die gute Nachricht zuerst: Claus-Dieter Wollitz bleibt Trainer von Energie Cottbus und wird das Team auch in der nächsten Regionalliga-Partie an diesem Sonntag beim VfB Auerbach betreuen. Unmittelbar nach dem bitteren Aus im DFB-Pokal gegen den VfB Stuttgart nach Elfmeterschießen hatte Wollitz am Sonntagabend im kleinen Kreis einen Einblick in sein Seelenleben gewährt und gar keinen Hehl daraus gemacht, wie sehr ihn diese dramatische Niederlage getroffen hat. Frank Noack und Sven Hering

"Wenn mir jetzt jemand meinen Rücktritt als Trainer ans Herz legen würde, ich glaube, ich würde zustimmen", erklärte Wollitz.

Aber wer sollte nach dieser Leistung der Mannschaft im Duell mit dem Bundesliga-Aufsteiger auf eine solche, mit Verlaub, bekloppte Idee kommen? Denn Wollitz und sein Team hatten den Favoriten am Rande des K.o. - und zwar mehrmals. Zum Beispiel, als Maximilian Zimmer in der ersten Halbzeit fast das 3:0 und damit die Vorentscheidung klargemacht hätte. Oder in der Verlängerung, als Energie das bessere Team war und Marcelo per Kopf das 3:2 hätte erzielen können. Diese und all die anderen Chancen waren keine Zufallsprodukte, sondern das Ergebnis einer erstaunlich selbstbewussten und offensiven Spielweise des Außenseiters. "Ich bin stolz auf unsere gezeigte Leistung. Wir waren dem VfB ebenbürtig", befand Streli Mamba. Benjamin Förster ergänzte: "Wir haben heute überragenden Fußball gespielt." Umso tragischer war das Ende im Elfmeterschießen, als Björn Ziegenbein nur den Pfosten traf, Förster bei seinem Schuss wegrutschte und entsprechend das Tor verfehlte. Letztlich fehlten nur ein paar Zentimeter an der Sensation. Oder eben ein paar Grashalme für einen festeren Stand. "Am Ende", ärgerte sich Björn Ziegenbein, "ist so ein Elfmeterschießen immer eine Scheiß-Glückssache."

Erst die schnelle Führung durch Fabio Viteritti in der 5. Minute sowie der Freistoß von Maximilian Zimmer zum 2:0 (28.), dann aber der Anschlusstreffer von Josip Brekalo (49.) unmittelbar nach der Pause und das Eigentor von José-Junior Matuwila in der 78. Minute - Wollitz, seine Spieler und die 17 516 Zuschauer im Stadion der Freundschaft erlebten eine emotionale Berg- und Talfahrt, die den Cottbuser Coach am Sonntagabend nahe der Verzweiflung feststellen ließ: "Heute hasse ich den Fußball, obwohl ich ihn so sehr liebe und lebe. Diese Niederlage hat die Mannschaft nicht verdient."

Und trotzdem war da auch eine Menge Stolz auf die Leistung seiner Mannschaft, die sowohl körperlich als auch spielerisch auf einem extrem hohen Niveau agierte. Die Philosophie, als Außenseiter nicht ausschließlich auf den Kampf zu setzen, ging absolut auf. "Wir wollten zeigen, dass man sich in so einem Spiel auch mit fußballerischen Mitteln wehren kann. Wir wollten nicht so provozieren, wie wir in vielen Spielen provoziert werden. Wir wollten Stuttgart provozieren, indem wir fußballerisch alles aufbieten", konstatierte Wollitz.

Neben dem Stolz trieb den FCE-Trainer aber auch die Erkenntnis um, dass dieser Pokalfeiertag nur wenig mit dem Alltag in der Regionalliga zu tun hat. Hier ist Energie wieder der Favorit, den alle jagen und gegen den alle über sich hinauswachsen wollen - nach dieser Cottbuser Glanzleistung mehr denn je. Der Maßstab des Stuttgart-Spiels taugt deshalb nur bedingt als Vorlage für den Alltag wie am Sonntag in Auerbach. "In der Regionalliga können wir leider nicht diese Art zu spielen zeigen, weil man uns nicht den Raum dafür gibt", blickte Wollitz voraus. Seine eindringliche Warnung: "Nichts gegen Auerbach - aber egal, gegen wen wir jetzt spielen: Das wird richtig schwer!"

Die gute Nachricht zum Schluss: Wollitz wäre nicht Wollitz, wenn ihn nicht solche Aufgaben ganz besonders reizen würden.