ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 02:38 Uhr

Mit der Kraft der Karpaten

Gut gelaunt ganz vorn dabei: Energie-Trainer Vasile Miriuta weiß genau, dass auch beim Fototermin das Stellungsspiel ganz wichtig ist. Bei der folgenden Laufeinheit zum Trainingsauftakt überlässt der Coach allerdings lieber seinen Spielern die Bühne.
Gut gelaunt ganz vorn dabei: Energie-Trainer Vasile Miriuta weiß genau, dass auch beim Fototermin das Stellungsspiel ganz wichtig ist. Bei der folgenden Laufeinheit zum Trainingsauftakt überlässt der Coach allerdings lieber seinen Spielern die Bühne. FOTO: Michael Helbig/mih1
Cottbus. Energie Cottbus hat den Trainingsstart ins Fußballjahr 2016 vollzogen. Mit dabei: Der neue rumänische Rechtsverteidiger Valentin Cretu. An diesem Dienstag wird ein weiterer Probespieler aus dem Karpatenstaat in Cottbus erwartet. Jan Lehmann

Vasile Miriuta ist nicht zimperlich: Der kahle Kopf ist zwar rot bemützt, aber Handschuhe braucht der Energie-Trainer nicht: "Ich komme aus den Karpaten in Rumänien, da sind es bis zu minus 20 Grad", berichtet der Rumäne am Montagmorgen gut gelaunt. Sein Geburtsort ist Baia Mare und liegt in den Westkarpaten. Von dort werden für Montag genau wie in Cottbus Tageshöchstwerte von minus vier Grad Celsius vermeldet. Mit der Kälte habe er deshalb keine Probleme, erklärt der Coach.

Auch seinem Landsmann Valentin Cretu machen die Temperaturen offenbar wenig aus. Als einer der wenigen Spieler ist der neue Cottbuser Rechtsverteidiger, der seinen Vertrag bis 2018 unterschrieben hat, mit kurzen Hosen beim Trainingsauftakt dabei. Kein Wunder: Er kommt aus dem Südosten des rumänischen Hochgebirges. Ab diesem Dienstag bekommt Energie noch mehr Kraft aus dem Karpatenstaat: Andrei Lungu wird zum Probetraining erwartet. Miriuta kennt ihn aus der rumänischen Liga. Zuletzt spielte Lungu in der ersten Liga Israels bei Hapoel Petah Tikva. Der 26-Jährige könnte die Cottbuser Offensive verstärken.

Weitere Rumänen sind aber vorerst wohl nicht zu erwarten. Trainer Miriuta hatte noch vor Weihnachten betont: "Ich will hier nicht vier Rumänen. Bei Energie waren es immer zwei, die gemeinsam hier waren und Erfolg hatten", erinnert der Trainer an Duos wie Radu und Munteanu, Jula und Burca oder Reghecampf und eben er selbst.

Seit 8 Uhr ist Miriuta mit seinen Profis auf dem Stadiongelände, beim gemeinsamen Frühstück gab es zwei Schwarzbrot-Schnitten, ein gekochtes Ei und Tee. Durchaus überschaubar im Vergleich zu den Frühstücksbüfetts in den Luxushotels in der Türkei oder Spanien, die in diesen Tagen wieder von den Fußballmannschaften aus aller Welt bevölkert werden. Auch 15 der 20 Drittligisten verlagern ihr Training zeitweise in wärmere Gefilde. Der Chemnitzer FC, Cottbuser Auftaktgegner in knapp drei Wochen, ist beispielsweise am Montag in Belek angekommen - dort wo Energie im Vorjahr trainiert hatte.

In diesem Winter jedoch trainiert der FCE in Cottbus. Offizieller Grund dafür ist der knappe Zeitplan bis zum Punktspielauftakt. Zudem dürfte aber auch die Cottbuser Reisekasse nicht sonderlich gut gefüllt sein - deshalb also das Training in der karpatischen Kälte. Richtig kalt dürfte es den Energie-Profis am Montag allerdings nicht gewesen sein, denn bereits der Aufgalopp lässt die Muskeln glühen. Nach einigen zackigen Erwärmungsrunden im Eliaspark bittet Fitnesstrainer Christian Behring zu fiesen 500-Meter-Tempoläufen - in höchstens 90 Sekunden.

Selbst Miriuta gibt am Streckenrand zu, dass er diese Einheiten als Profi weiß Gott nicht geliebt habe. "Ich habe über ,Eduardo' geschimpft", verrät er. Doch genau wie sein damaliger Coach Eduard Geyer kennt auch der Trainer Miriuta keine Gnade. Immer wieder müssen die Profis auf die Runde, die Kälte interessiert da keinen mehr. Schon hier zeigt sich, wer seine Hausaufgaben gewissenhaft erfüllt hat. Mindestens fünfmal sollte jeder Profi über die Feiertage laufen.

Miriuta berichtet entspannt, in Sachen Gewicht sei "fast alles okay" gewesen. Ein Kilogramm hatte der Coach seinen Spielern erlaubt, zwei zusätzliche Kilos habe er selbst aus dem Weihnachtsurlaub in Budapest mitgebracht. Er verrät: "Ich will jetzt jeden Tag eine Stunde trainieren."

Seine Profis müssen derweil zweimal täglich ran. Vormittags die Krafteinheit, nachmittags auf dem Platz. Selbst vor dem Testspiel am Freitag (18 Uhr) gegen den VfL Wolfsburg will der Coach nicht auf die Konditionsarbeit verzichten. Für das neue Fußballjahr hat Miriuta viel vor: "Wir wollen besser Fußball spielen. Das Wichtigste in diesem Jahr ist aber der Klassenerhalt", so sein klarer Plan. Und für den darf man eben nicht zimperlich sein - ob in den Karpaten oder in Cottbus.