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| 16:40 Uhr

Fußball
Melzig: „Wir haben an die Tür gewummert“

Jens Melzig (l.) war 1997 dabei, als Energie Cottbus in den legendären Aufstiegsspielen gegen Hannover 96 den Sprung in den Profi-Fußball schaffte.
Jens Melzig (l.) war 1997 dabei, als Energie Cottbus in den legendären Aufstiegsspielen gegen Hannover 96 den Sprung in den Profi-Fußball schaffte. FOTO: Christoph Höhne
Cottbus. Die 97er-Aufstiegshelden sind beim FC Energie legendär. Mit ihrem Sieg in den Aufstiegsspielen in Hannover 96 haben sie einst den Profi-Fußball nach Cottbus geholt. Jens Melzig war damals als kompromissloser Abwehrspieler ein wichtiger Bestandteil der Mannschaft. In der RUNDSCHAU erklärt der heute 52-Jährige, wie man in solchen Entscheidungsspielen den Gegner beeindrucken kann.

Energie Cottbus stehen zwei Nervenspiele bevor. Die Frage ist: Wer hält dem Druck besser stand? Und: Wer kommt mit den Gegebenheiten besser zurecht? Der Cottbuser „Fußballgott“ Detlef Irrgang, der gegen Hannover die beiden entscheidenden Treffer zum 3:1-Sieg erzielte, hatte einmal das damalige Energie-Erfolgsgeheimnis erklärt: „Es war ein gallisches Dorf hier in Cottbus, keiner ist gern hierhergekommen. Viele aus den alten Bundesländern sind geflogen nach Berlin und mussten dann noch Autobahn fahren. Die haben sich hier nicht wohlgefühlt – und das haben wir ausgenutzt.“

Diesen Vorteil wird es gegen Flensburg am Sonntag sicher nicht geben. Die Männer von der Küste wissen, wie es ist, am Rande Deutschlands zu leben und sie haben mit dem heimischen Manfred-Werner-Stadion gewiss auch keinen Fußballtempel. Vielmehr dürften die 20000 Zuschauer im Stadion der Freundschaft für einige Spieler eine beeindruckende Kulisse sein. Es wird also mehr über die Psyche gehen und Energie kann den Gegner womöglich schon an diesem Donnerstag beeindrucken.

Jens Melzig, einst beinharter Cottbuser Verteidiger bem FCE, erinnert sich an das 97er Hinspiel bei Hannover 96: „Wir wollten das 0:0 damals halten. Und im Rückspiel das Ding dann mit unseren Zuschauern drehen.“ Das taten die Cottbuser auch. Melzig verrät: „Wir sind damals an die Kabine des Gegners gegangen und haben an die Tür gewummert und gerufen: ,Kommt raus jetzt endlich. Jetzt geht’s los.‘“ Die Cottbuser setzten auf ihre Zweikampfhärte: „Es hatte sich auch schon rumgesprochen, dass wir eine faire, aber harte Gangart an den Tag legen. Die Spieler quatschen ja auch miteinander – vor allem die Stürmer wussten also Bescheid.“

Die heutige Energie-Mannschaft steht zwar nicht unbedingt für die ganz harten Grätschen. Doch beim ruppigen Pokalfinale in Potsdam haben die Lausitzer zumindest ordentlich dagegen gehalten. Verteidiger José-Junior Matuwila erklärte unbeeindruckt: „Das war schon sehr hart, von beiden Seiten. Ich glaube, von Babelsberger Seite gab es ein paar mehr Szenen, die am Rande waren. Aber so sind einfach Pokalfinals, außerdem war es ein Derby.“

Heute arbeitet Melzig als Auswahltrainer beim Fußball-Landesverband Brandenburg.
Heute arbeitet Melzig als Auswahltrainer beim Fußball-Landesverband Brandenburg. FOTO: Steffen Beyer

Entscheidend dürfte das Selbstvertrauen sein. Die 97er-Elf hatte damals gegen Hannover eine äußerst knifflige Phase zu überstehen. Nach dem 1:1-Ausgleich im Rückspiel standen die Niedersachsen mit einem Bein in der 2. Liga. Doch Energie blieb ruhig, Jens Melzig erklärt warum: „Wir hatten über die ganze Saison gezeigt, dass wir auch Spiele drehen können, wenn wir in Rückstand geraten – egal wie der Gegner heißt. Damals war die Regionalliga ja eine verkappte DDR-Oberliga, Dynamo Dresden und wer da noch alles drin war.“ Der heutige Verbandstrainer beim Fußball-Landesverband Brandenburg (FLB) glaubt, dass die damalige Cottbuser Mannschaft in der Regionalliga etwas mehr gefordert wurde. „Wir mussten immer ran, hatten auch noch Landespokal und DFB-Pokal. Da hatten wir viele englische Wochen.“ Doch Melzig fand das mit Blick auf Trainer Eduard Geyer nicht sonderlich schlimm, im Gegenteil: Das war für uns Spieler aber richtig gut – da konnte der Alte nicht so hart trainieren, wie er es sonst immer gemacht hat. Da haben wir uns eigentlich richtig gefreut.“

Die aktuelle Mannschaft sieht Melzig gut gerüstet: „Sie ist fit, lässt den Ball laufen und macht jetzt auch die Tore. Das hat ja anfangs noch nicht so hundertprozentig geklappt.“ Der 52-Jährige glaubt: „Die Ausgangsposition ist gut, im Auswärtsspiel reicht ein 0:0. Die Kiste hier ist ausverkauft, die Zuschauer stehen sowieso hinter der Mannschaft. Dann knallen die die auch weg. Davon bin ich überzeugt.“ Und zur Not muss beim Gegner eben auch noch mal an die Kabinentür gewummert werden.