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| 17:42 Uhr

"Mehr Druck auf dem Kessel geht nicht"

Cheftrainer Claus-Dieter Wollitz.
Cheftrainer Claus-Dieter Wollitz. FOTO: Steffen Beyer
Cottbus. Eigentlich WILL Energie Cottbus in die 3. Liga aufsteigen. Wegen der finanziellen Sorgen ist daraus jetzt ein MUSS geworden. Frank Noack

Es ist das erste Spiel nach der Offenlegung der dramatischen Finanzlage inklusive der vorübergehenden Rettung durch einen "ziemlich besten Freund" von Präsident Michael Wahlich. Wenn Energie Cottbus am Samstag in der Regionalliga Nordost auf den BFC Dynamo trifft (14 Uhr, Stadion der Freundschaft), dann geht es natürlich auch um drei wichtige Punkte im Kampf um den Meistertitel und die damit verbundene Aufstiegschance in der Relegation. Es geht spätestens seit Montagabend, als der FCE auf seiner Internetseite mit bemerkenswerter Transparenz das Finanzloch im mittleren sechsstelligen Euro-Bereich einräumte, allerdings um viel mehr - es geht um die wirtschaftliche Überlebenschance des einstigen Bundesligisten.

Sie ist nicht zuletzt dank der TV-Gelder in der 3. Liga deutlich größer als in den Niederungen der Regionalliga, also der Schnittstelle zwischen Profi- und Amateurfußball. Die Rückkehr in die 3. Liga ist deshalb seit Sommer das erklärte Ziel. Mittlerweile ist aus dem Wollen allerdings fast schon ein Muss geworden. "Es ist so viel Druck auf dem Kessel - das ist der Hammer. Mehr Druck geht nicht", erklärt Trainer Claus-Dieter Wollitz.

Nur dank der Hilfe eines geheimen Retters konnte die Lücke geschlossen werden. Vereinschef Michael Wahlich hatte mitgeteilt, dass ein "ziemlich bester Freund" seiner Familie Genussscheine im mittleren sechsstelligen Bereich gezeichnet habe.

Neben rückläufigen Sponsoren- und Zuschauereinnahmen treffen vor allem die Einbußen bei den TV-Geldern den Verein hart. Zum Vergleich: Während es zu Erstliga-Zeiten bis zu 17 Millionen Euro pro Saison gab, waren es zuletzt in der 3. Liga immerhin noch rund 800 000 Euro. In der Regionalliga sind es lediglich 15 000 Euro.

Wollitz will die angespannte Finanz-Lage soweit wie möglich von der Mannschaft fernhalten. Bisher sei noch kein Spieler auf ihn zugekommen und habe ihn darauf angesprochen, versicherte der Coach zwei Tage vor dem Spiel gegen den BFC Dynamo. Er setzt darauf, dass die Mannschaft "ihren Charakter, die Gier und den Zusammenhalt" behält.

Diese Tugenden waren bislang der Garant dafür, dass der FCE trotz eines neu formierten Teams weiterhin um den Meistertitel mitspielen kann. Cottbus hat derzeit vier Punkte Rückstand auf Tabellenführer Carl Zeiss Jena.

Und Wollitz hofft darauf, dass die Mannschaft auch mittelfristig bereit ist, den eingeschlagenen Weg der wirtschaftlichen Konsolidierung mitzugehen. Zum Beispiel, indem sie auf die Zahlung von Punktprämien verzichtet. Aber auch, indem wichtige Spieler frühzeitig das Signal zur Vertragsverlängerung geben. Mit Fabio Viteritti, Kevin Weidlich und Joshua Putze hat Wollitz kürzlich Gespräche geführt. Ihre Verträge laufen im Sommer aus und verlängern sich nur im Aufstiegsfall automatisch um ein weiteres Jahr. Auch der lange verletzte Jonas Zickert hat ein Angebot vorliegen.

Die Gespräche mit den Spielern seien zwar "super" gelaufen, berichtet der Coach. Allerdings war das eben vor der Offenlegung der dramatischen Finanzlage. Die bevorstehenden Verhandlungen mit den Beratern der Spieler könnten also jetzt noch ein Stück schwieriger werden.

Wollitz selbst ist nach eigenem Bekunden seit Dezember in die angespannte Situation eingeweiht. "Mir war klar, dass die Zahlen nicht gut werden", sagt der Coach mit Blick auf die Rahmenbedingungen nach dem Abstieg. "Ich hätte aber nicht erwartet, dass sie so dramatisch sind. Hätte ich diese Dinge im Sommer schon gewusst, dann hätte ich diese große Verantwortung hier nicht übernommen." Der Energie-Coach hatte damals einen Zweijahres-Vertrag unterschrieben.

Er will auch jetzt "die Flinte nicht ins Korn werfen". Statt dessen beschwört Wollitz mehr denn je das Jetzt-erst-Recht Gefühl in der Region. "Es bringt jetzt auch nichts zu jammern, wie schlimm das alles ist. Denn es ist schon so schlimm genug. Wenn wir es gemeinsam schaffen, unsere sportlichen Ziele zu erreichen, dann ergibt sich daraus auch wirtschaftliche Stabilität", betont der Energie-Trainer.

Dafür müssen aber Siege her. Am besten auch gegen den BFC. "Ich hoffe für die Region, dass es gutgeht", sagt Wollitz. Und er meint damit viel mehr als nur das Heimspiel an diesem Samstag.