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| 02:45 Uhr

Madrid, London – und nun zurück nach Cottbus?

Im Sommer trug Schorch das Trikot der Queens Park Rangers. Im Video der RUNDSCHAU sagt der Abwehrspieler, wie er Energie Cottbus helfen kann. www.lr-online.de/schorch
Im Sommer trug Schorch das Trikot der Queens Park Rangers. Im Video der RUNDSCHAU sagt der Abwehrspieler, wie er Energie Cottbus helfen kann. www.lr-online.de/schorch FOTO: imago
Cottbus. An diesem Mittwochabend dürfte sich entscheiden, ob Christopher Schorch tatsächlich zum FC Energie zurückkehrt. Der Probespieler muss sich beim Cottbuser Testspiel in Finowfurt für einen Vertrag empfehlen. Dabei kennt man ihn und seine bewegte Geschichte in der Lausitz sehr gut. Jan Lehmann

Bei Christopher Schorchs Einsatz gegen den Kreisoberligisten 1. FC Finowfurt (18 Uhr) beschäftigen Energie-Trainer Vasile Miriuta wohl vor allem die Fitness des Probespielers - und die Frage: Hält sein Knie? Was Schorch kann, oder auch nicht kann, wissen sie bei Energie noch gut. Und auch, was für ein Typ er ist. 2011/12 war Miriuta Trainer der FCE-Reserve - und hat miterlebt, wie sich Schorch kampfstark in zehn Zweitliga-Spielen als Rechtsverteidiger oder im Abwehrzentrum unter Cheftrainer Claus-Dieter Wollitz einbrachte, dann einen Knorpelschaden zuzog und danach in der Reha schuftete.

Damals war Schorch vom 1. FC Köln ausgeliehen und trotzdem während der langen Verletzungspause in der Lausitz geblieben. Der gebürtige Hallenser hatte Gefallen an Cottbus und dem FCE gefunden und sagt auch noch heute: "Diese familiäre Atmosphäre gibt es nur noch sehr selten und macht Energie aus."

Schorch hat schon die große Fußballwelt gesehen: Von der Sportschule in seiner Geburtsstadt Halle wechselte er früh ins Nachwuchsinternat von Hertha BSC. Dort legte er sich bei den Gehaltsverhandlungen mit dem damals allmächtigen Manager Dieter Hoeneß an - und sorgte für klappende Kinnladen, als plötzlich Real Madrid eine Million Euro für den 17-Jährigen hinblätterte. Beim Welt-Club spielte er in der Reserve und knüpfte trotzdem Kontakte zu den Topstars der "Galaktischen".

Schorch kann tolle Geschichten erzählen. In Cottbus kam damals eine Gruppe von Medienstudenten, die bei der RUNDSCHAU zu Gast waren, in diesen Genuss. Für sie gab Schorch eine Übungs-Pressekonferenz und berichtete unter anderem davon, wie Real-Legende Raul sich bei ihm persönlich vorstellte. Schorch: "Ich hatte vorher in der Schule ein Referat über meinen Lieblingsspieler gehalten."

Der 26-Jährige ist allerdings nicht nach Cottbus zurückgekehrt, um alte Geschichten aufzuwärmen. Er will dem FCE helfen - und sich selbst natürlich auch. Die Karriere des Verteidigers ist ins Stocken geraten, mal wieder. Beim MSV Duisburg bekam Schorch nach dem Zweitliga-Aufstieg, zu dem er in 24 Spielen seinen Beitrag geleistet hatte, keinen Vertrag mehr. "Ich weiß nicht, warum", sagt der Profi.

Die Sommervorbereitung bestritt der 26-Jährige daraufhin beim englischen Erstliga-Absteiger Queens Park Rangers - alles schien klar mit dem Traditionsverein.

Doch plötzlich wollten die Londoner nichts mehr vom Deutschen wissen. "Meine Sachen sind noch in England", berichtet Schorch, für den das Gefühl nicht neu ist, ohne Job dazustehen. Nach seiner Cottbuser Zeit kehrte er 2012 nach Köln zurück, dort bekam er aber ein Jahr später keinen neuen Vertrag. Nach einem halben Jahr Vereinslosigkeit kehrte er Anfang 2014 beim VfL Bochum II ins Geschehen zurück, wurde dann von Duisburg verpflichtet.

Beim MSV half der Abwehrspieler beim Aufstieg mit - auf dem Platz und vor allem in der Kabine. Dort war Schorch dem Vernehmen nach ein wichtiger Mann. Schorchs direkte Art kommt an, auch das weiß man schon in der Lausitz. Als die Energie-Fans damals nach einer 0:1-Heimpleite gegen Rostock vorm Stadion ihren Frust rausließen, war Schorch neben Markus Brzenska und Marc-Andre Kruska einer der Wortführer in der hitzigen Diskussion. Heute sagt er: "Trotz allem ist das fair geblieben. Hier in der Lausitz herrscht ein gewisser Respekt voreinander." Das habe er so auch am Sonntag erlebt, als Schorch das 2:2 gegen Wehen Wiesbaden auf der Tribüne verfolgte: "Selbst nach der schwachen ersten Halbzeit haben die Leute bei guten Aktionen noch geklatscht. Ich habe schon erlebt, wie in Köln nach zwanzig Minuten 40 000 Zuschauer pfeifen", sagt er.

Bleibt die Frage nach dem Knie: Kreuzbandriss und Knorpelschaden stehen in der Krankenakte. Der 26-Jährige weiß: "Der Ruf, verletzungsanfällig zu sein, eilt mir voraus. Aber toi, toi, toi - ich bin seit drei Jahren verletzungsfrei und habe 70 Spiele bestritten." Schorch klopft grinsend auf seinen Kopf: Dreimal Holz, das soll Glück bringen. Der Profi kann es gut brauchen - und der FC Energie in der aktuellen Phase ganz gewiss auch.

Den Liveticker vom Testspiel

in Finowfurt gibt es beim RUNDSCHAU-Fußball-Portal www.fupa.net/brandenburg