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| 17:23 Uhr

Fußball
Leuchten die Fans Energie den Weg?

Cottbus/Berlin. Nach dem 2:2-Remis beim BFC Dynamo übt Energie-Coach Wollitz deutliche Kritik. Sorge bereitet ihm die Sorglosigkeit seines Teams. Er kündigt Änderungen an. Von Frank Noack
Auch die Energie-Profis waren beeindruckt vom Lichtermeer in der Fankurve.
Auch die Energie-Profis waren beeindruckt vom Lichtermeer in der Fankurve. FOTO: Steve Seiffert

Der Wind war am Mittwochabend zwar ziemlich böig in Berlin. Und laut. Wer das Nachholspiel von Energie Cottbus beim BFC Dynamo aufmerksam verfolgt hat, der konnte es trotzdem förmlich hören, wie sie da aufeinander­geprallt sind: der Schlendrian im Fußballer mit dem Meistertitel in der Tasche und der unerbittliche Ehrgeiz von Claus-Dieter Wollitz.

Der Knall nach dem Schlusspfiff in der Gäste-Kabine war laut Wollitz jedenfalls sehr deutlich, wenngleich nicht ohrenbetäubend. „Ich kann auch anders – ganz ohne Emotionen. Und wenn ich so bin, dann bin ich noch gefährlicher“, erklärte der FCE-Coach die deutliche Kritik an der Einstellung seiner Spieler.

Dabei hatte die Mannschaft im Duell mit dem Tabellenzweiten auf den ersten Blick genau das abgeliefert, was man in so einer Situation eben liefern muss. Weil Energie bereits als Meister der Regionalliga-Staffel Nordost feststeht, war das tabellarische Spitzenspiel nur noch ein Spitzenspielchen. Cottbus holte ein 2:2 (1:1)-Unentschieden, ließ sich vom hochmotivierten, aber personell dezimierten BFC nicht vorführen und schoss zudem zwei Tore durch Maximilian Zimmer (1:1/33. Minute) sowie José-Junior Matuwila (2:1/64.).

Auch die FCE-Fans hatten ihren Spaß an diesem Mittwochabend. Sie sangen viel besser als beide Teams spielten. Auch dank der beinahe leeren Gegentribüne, die den Gesang immer wieder als Echo zurückwarf, was sich wie ein Wechselgesang mit sich selbst anhörte. Und als die ­Sonne über dem Jahnsportpark vor der Silhouette des Fernsehturms spektakulär untergegangen war, holten die Fans die Mobil­telefone heraus und zauberten mit der Taschenlampen-Funktion einen beeindruckenden Sternenglanz aus hunderten Lichtern an den Berliner Nachthimmel.

Das ist genau jene nette Idylle, auf die Claus-Dieter Wollitz allergisch reagiert – zumindest im Zusammenhang mit dem Spiel seiner Mannschaft. Denn Wollitz weiß: Die im Mai mit dem Pokalfinale gegen den SV Babelsberg und den beiden Aufstiegsspielen winkenden Sterne am FCE-Himmel können sich auch ganz schnell als Taschenlampen entpuppen, wenn die Mannschaft dann so sorglos zu Werke geht wie am Mittwochabend in Berlin.  „Der Gegner hat uns viele Räume angeboten. Aber wir haben sie nicht genutzt, weil wir keine Organisation hatten“, kritisierte Wollitz.

Am liebsten stellt er sich in der Öffentlichkeit ja schützend vor sein Team, das in den vergangenen Monaten von Sieg zu Sieg geeilt ist. Diesmal war es dem Coach aber „insgesamt zu wenig“, bemängelte er. Viel zu wenig. „Da bin ich dann nicht dabei, da bin ich kein Partner. Dann bin ich jemand, der den Finger in die Wunde legt.“

Claus-Dieter Wollitz: „Ich kann auch anders. Dann bin ich noch gefährlicher.“
Claus-Dieter Wollitz: „Ich kann auch anders. Dann bin ich noch gefährlicher.“ FOTO: Sven Bock

Immer weiter, immer Wollitz. Diese hohen Qualitätsmaßstäbe erfüllte die Mannschaft zumindest diesmal nicht. Sie kam schwer in diese Partie, raffte sich dann zwar zu dem einen oder anderen gelungenen Angriff auf und brachte das Spitzenspielchen vor 1854 Zuschauern zumindest vom Ergebnis her ordentlich über die Bühne.

Aber in taktischer Hinsicht war es eher ein Fußball-Larifari, für das Wollitz klare Worte fand: „Ein bisschen Schnickschnack und sagen: ‚Wir sind ja schon Meister, müssen also nicht höher springen’ – ich habe da eine andere Sichtweise. Ich mag das nicht. Ich habe in diesem Spiel keinen strukturierten Fußball von uns gesehen.“

Erschwerend kam hinzu, dass dieser „Schnickschnack“ von jener Startelf gespielt wurde, die in weiten Teilen auch die entscheidenden drei Partien im Mai bestreiten soll. Und da darf, ja muss es bitteschön etwas mehr Emotionalität und Struktur sein als am Mittwochabend in Berlin.

Gut drei Wochen sind es noch bis zur heißen Phase der Saison. Und klar ist schon jetzt: Wollitz wird in der verbleibenden Zeit den Konkurrenzkampf im Team weiter anheizen. Bereits für das nächste Spiel am Sonntag bei Viktoria Berlin (13.30 Uhr, Stadion Lichterfelde) hat er personelle Umstellungen angekündigt. „Jetzt werde ich wieder verändern, um dann am Ende hoffentlich die richtige Wahl zu treffen. Am Sonntag wird die Mannschaft eine andere Einstellung haben und um jeden Meter kämpfen, um das Spiel zu gewinnen.“

Denn nur mit Schnickschnack dürfte es auch bei ­Viktoria Berlin schwer werden zu siegen. Im Mai sowieso.

FCE-Profi José-Junior Matuwila (r.) kämpft hier mit Otis Breustedt um den Ball.
FCE-Profi José-Junior Matuwila (r.) kämpft hier mit Otis Breustedt um den Ball. FOTO: Sven Bock