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Fußball
Reiterstaffel, Wasserwerfer, Sperrzone

Berittene Polizei, wie hier bei einem Spiel in Bremen, könnte auch rund um die Partie zwischen Chemie Leipzig und Energie Cottbus zum Einsatz kommen.
Berittene Polizei, wie hier bei einem Spiel in Bremen, könnte auch rund um die Partie zwischen Chemie Leipzig und Energie Cottbus zum Einsatz kommen. FOTO: Carmen Jaspersen / DPA
Cottbus. Die Vorkehrungen für das Regionalliga-Spiel zwischen Chemie Leipzig und Energie Cottbus am Sonntag klingen nach Ausnahmezustand. Vereine, Polizei und Verband betreiben einen immensen Aufwand dafür, dass am Sonntag um drei Regionalliga-Punkte gespielt werden kann. Die RUNDSCHAU fasst die Ausgangslage zusammen.

Von Jan Lehmann


Warum ist das Spiel so brisant?

Die Partie hat im Vorfeld schon für Unruhe in der Fanszene und den sozialen Netzwerken gesorgt. Während die Chemie-Anhänger politisch eher dem linken Spektrum zuzuordnen sind, ist bekannt, dass Energie Cottbus darunter leidet, dass sich rechtsextreme Gruppierungen in der Fansszene breit gemacht haben und diese teilweise auch dominieren. Die Ausschreitungen bei Partien mit ähnlicher Ausgangslage, wie beim Energie-Spiel in Babelsberg oder im Derby zwischen Chemie Leipzig und Lok Leipzig sind eine Warnung dafür, was passieren könnte. Aggressive Ankündigungen im Internet, dass der Leipziger Stadtteil Connewitz „in Schutt und Asche gelegt“ werden soll, haben die Stimmung weiter angeheizt. Bei der Leipziger Polizei ist man alarmiert: Pressesprecher Uwe Voigt betonte zwar, dass man in der Messestadt mit Fußball-Einsätzen  bei RB Leipzig, Lok Leipzig und eben Chemie in Übung sei. Und dennoch sagt er: „Wir nehmen dieses Spiel sehr ernst und berücksichtigen natürlich auch die Informationen aus den sozialen Netzwerken.“

Was tut der FC Energie?

Das Hinspiel gewann Energie Cottbus klar mit 5:0. Auf den Rängen gab es keine nennenswerten Zwischenfälle.
Das Hinspiel gewann Energie Cottbus klar mit 5:0. Auf den Rängen gab es keine nennenswerten Zwischenfälle. FOTO: Steffen Beyer

Der FCE hat zwar nicht das Hausrecht im Leipziger Alfred-Kunze-Sportpark. Dennoch versuchen die Cottbuser, ihre Möglichkeiten auszuschöpfen. So wurden die Karten für den Gästeblock ausschließlich an Vereinsmitglieder verkauft. Energie setzt zudem wie üblich eigene Ordnungskräfte im Gästeblock ein. Meedienkoordinator Stefan Scharfenberg sagte am Donnerstag: „Wir werden mehr Ordner als üblich mit nach Leipzig schicken.“ Er kündigte auch an, dass es eine Vorkontrolle rund um das Stadion geben werde. Personen, die nicht ein gültiges Ticket in Verbindung mit einem Mitgliedausweis vorweisen können, dürften nicht in die Sperrzone, die etwa 300 Meter um den Sportpark eingerichtet werde. Das gelte natürlich auch für Personen mit Stadionverbot, so Scharfenberg. Zudem habe der Verein seine üblichen Informationen für die Auswärtsfahrer noch ergänzt. „Der FC Energie Cottbus weist explizit darauf hin, dass provozierendes Verhalten, gewalttätige Auseinandersetzungen und Pyrotechnik zu unterlassen sind“, heißt es auf der Homepage des Vereins.


Wie viele Lausitzer fahren am Sonntag nach Leipzig?

Bei den Sicherheitsbehörden rechnet man mit einer hohen Zahl von FCE-Anhängern. Ein Aufruf der Ultra-Gruppierung „Colletivo Bianco“ mit dem Slogan „Wir lassen uns Energie Cottbus nicht verbieten“ wurde bei „Facebook“ weit verbreitet. Mit dem Regionalexpress wollen die Cottbuser am Sonntag nach Leipzig fahren. Einige werden wohl ohne Tickets anreisen. Nach RUNDSCHAU-Informationen wurden nicht alle 500 Karten für den Gästeblock verkauft. Jörg Augsburg, Sprecher von Chemie Leipzig, erklärte: „Das führt uns zu der Annahme, dass einige Cottbuser auf verbotenen Wegen ins Stadion gelangen wollen.“


Welche Maßnahmen ergreift der Gastgeber Chemie Leipzig?

Für Chemie-Sprecher Jörg Augsburg ist die strikte Fantrennung der wichtigste Sicherheitsfaktor. Er erläuterte: „Gemeinsam mit den szenekundigen Beamten der Polizei wollen wir dafür sorgen, dass keine Cottbuser in den Bereich der Heimfans gelangen.“ Augsburg betonte, dass man deshalb die sozialen Netzwerke im Blick habe. In Leipzig rechnet man am Sonntag mit etwa 3500 Zuschauern, der Alfred-Kunze-Sportpark fasst 4999 Besucher. Mit ausverkauftem Haus hat man bei Chemie Erfahrungen – von den ebenfalls brisanten Derbys gegen Lok.


Welche Vorbereitungen trifft die Leipziger Polizei?

Polizeisprecher Uwe Voigt betonte, dass man den Einsatz „lage-angepasst“ führen wolle. Heißt: In Leipzig ist man entspannt, aber auf alles vorbereitet. Der Sprecher bestätigte, dass neben den Bereitschaftspolizisten eine Reiterstaffel und eine Hundestaffel für den Einsatz vorgesehen seien. Auch ein Wasserwerfer stünde bereit, so Voigt. Bilder wie vom Leipziger Derby zwischen Lok und Chemie, als der Wasserwerfer direkt vor die Zuschauertribüne gefahren wurde, wird es am Sonntag aber nicht geben. Voigt: „Dafür ist der Alfred-Kunze-Sportpark nicht ausgelegt. Der Wasserwerfer steht weit weg, wir wollen damit nichts provozieren. Falls der Einsatz aber nötig wird, ist er schnell zur Stelle.“


Wie ist der NOFV eingebunden?

Der Nordostdeutsche Fußballverband (NOFV), dessen Verbandsgericht im Falle von Ausschreitungen die Strafen für die Vereine ausspricht, ist über die Vorbereitungen im Bilde. FCE-Medienkoordinator Stefan Scharfenberg berichtete, dass die Cottbuser den Verband in Kenntnis über alle Vorkehrungen gesetzt haben. Scharfenberg betonte aber auch: „Wir gehen trotz allem von einem friedlichen, fairen Fußballspiel aus.“


Findet das Spiel überhaupt statt?

Eine witterungsbedingte kurzfristige Absage der Partie wird es wohl nicht geben. Chemie-Sprecher Jörg Augsburg betonte: „Wir gehen davon aus, dass der Platz bespielbar ist. Der Boden wird sicherlich tief sein, aber das Spiel kann stattfinden. Ein Absage wäre aber auch nicht im Interesse von allen Beteiligten, weil wir sehr viel Mühe in die Vorbereitungen gesteckt haben.“