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| 17:31 Uhr

Fußball
Rückkehr mit russischen Millionen

Alexander Bittroff (r.) spielte 14 Jahre lang für Energie Cottbus. Nun kehrt er am Samstag mit dem KFC Uerdingen in seine Heimat zurück.
Alexander Bittroff (r.) spielte 14 Jahre lang für Energie Cottbus. Nun kehrt er am Samstag mit dem KFC Uerdingen in seine Heimat zurück. FOTO: Eibner Pressefoto / EIBNER/Mark Bohla
Cottbus/Krefeld. Für Energie-Gegner Uerdingen und drei Ex-Cottbuser soll die 3. Liga nur eine Durchgangsstation sein. Der KFC strebt nach oben – der entscheidende Mann ist ein millionenschwerer Russe. Von Harald Pistorius und Jan Lehmann

Cottbus/Krefeld Der KFC Uerdingen bringt am Samstag zum Spiel bei Energie Cottbus (14 Uhr/LR-Liveticker) mit Ex-Trainer Stefan Krämer, dem Senftenberger Alexander Bittroff und Kapitän Christopher Schorch gleich drei alte Bekannte mit. Die Vorfreude ist groß. Schorch schrieb bei „Instagram“: „Endlich spielen wir bei meiner alten Liebe Energie.“ Und Bittroff erklärte gegenüber „Liga-drei“: „Ich war praktisch mein halbes Leben bei Cottbus. Seit ich zwölf war habe ich dort gespielt, bin zur Schule gegangen und habe dort gelebt. Meine ersten Schritte im Profifußball habe ich dort gemacht, habe fast 14 Jahre dort Fußball gespielt. Das ist meine Heimat. Es ist ein wunderschönes Gefühl, jetzt zurückzukommen.“

Dass dieses Trio eines Tages ausgerechnet mit dem KFC Uerdingen ins Stadion der Freundschaft zurückkehren würde, war vorherzusehen. Schließlich erlebte der Krefelder Fußball nach dem Ausstieg der Bayer AG einen Absturz sondergleichen. Nach zwei Insolvenzen fand sich der KFC in der sechsten Liga wieder. Inzwischen ist das wieder anders. Dank russischer Millionen kehrt Uerdingen mit rasantem Tempo auf die größeren Fußballbühnen zurück. Auch das Stadion der Freundschaft soll dabei nur eine Zwischenstation sein.

Mit seinem Geld sprengt KFC-Präsident Mikhail Ponomarev in der 3. Liga alle finanziellen Ketten. Er will hoch hinaus.
Mit seinem Geld sprengt KFC-Präsident Mikhail Ponomarev in der 3. Liga alle finanziellen Ketten. Er will hoch hinaus. FOTO: Eibner Pressefoto / Mark Bohla/ Eibner-Pressefoto

Der Mann hinter der wundersamen Renaissance des Profifußballs ist der Russe Mikhail Ponomarev. Er liebt Fußball und Eishockey. Und er hat Geld, viel Geld.

Christopher Schorch war in den Spielzeiten 
2011/12 und 2015/16 zweimal bei Energie.
Christopher Schorch war in den Spielzeiten 2011/12 und 2015/16 zweimal bei Energie. FOTO: Eibner Pressefoto / EIBNER/Mark Bohla

Als er 2015 als Sponsor einstieg, steckte der klamme Club in der fünftklassigen Oberliga fest. Dann ging alles ganz schnell: 2017 Aufstieg als Meister in die Regionalliga, 2018 Aufstieg in die 3. Liga als Meister und Sieger in den Aufstiegsspielen gegen Mannheim. Nun ist Uerdingen ein Aufstiegsfavorit.

Stefan Krämer trainiert den FCE von Juli 2014 bis September 2015.
Stefan Krämer trainiert den FCE von Juli 2014 bis September 2015. FOTO: Eibner Pressefoto / EIBNER/Noah_Wedel

Mit viel Geld und harter Hand hat Ponomarev seine Ziele erreicht. Seine Machtposition im Verein ist umfassend: Er ist Präsident des Clubs, Mehrheitsgesellschafter der ausgegliederten Fußball-GmbH, Sponsor und Mäzen. Man darf sagen: Alle Fäden laufen bei ihm zusammen, Ponomarev hat beim KFC die volle Kontrolle.

Das spüren auch die Trainer: Nach dem Aufstieg in die Regionalliga 2017 musste Coach André Pawlak seine Sachen packen, zusammen mit etlichen Spielern des Meisterteams. Nachfolger Michael Wiesinger bekam mit einem Drei-Millionen-Euro-Etat eine starke Mannschaft, mit der er im März auf Platz zwei stand. Das reichte Ponomarev nicht. Wiesinger wurde geschasst und durch Stefan Krämer ersetzt.

Verpflichtungen von Spielern wie Maximilian Beister, Kevin Großkreutz und Stefan Aigner zeigen, mit welchen Mitteln der dritte Aufstieg in Folge angestrebt wird. Wer fragt danach, dass ohne den Big Boss keine Entscheidung fällt und er auch schon mal in der Kabine auftaucht und die Spieler an ihre Pflichten erinnert. Tiefpunkt war die Aussperrung von Reportern der „Westdeutschen Zeitung“, die kritisch berichtet hatten.

Doch der Erfolg gibt ihm recht. Viele Kritiker haben sich zurückgezogen, seit mehrere Tausend Krefelder die Mannschaft nach dem Aufstieg auf dem Rathausplatz feierten und sich Ponomarev ins Goldene Buch der Stadt eintrug. „Wenn man Erfolg hat, ist man überall willkommen“, sagte Ponomarev nüchtern, als er der „Rheinischen Post“ eines seiner seltenen Interviews gab.

Nichts deutet darauf hin, dass sein Elan nachlässt oder seine Mittel schwinden. Mit der Stadt verhandelt er über einen Neubau der maroden Grotenburg-Kampfbahn, die vom DFB nicht für die 3. Liga zugelassen wurde. Sollte das Team zur Winterpause weiter gut im Rennen liegen, sind weitere Verstärkungen geplant.

Wohin es führen kann, wenn Ponomarev etwas erreichen will, hat der AFC Bournemouth erlebt: 2012 stieg er mit seiner Firma Energy Consult bei dem Club als Trikotsponsor ein, übernahm zusammen mit zwei Landsmännern die Direktoren-Posten und feierte 2017 den erstmaligen Aufstieg des Clubs in die Premier League. Im selben Jahr zog er sich in Bournemouth zurück.

Über die Hintergründe ist ebenso wenig bekannt wie über seinen Ein- und Ausstieg als Gesellschafter beim Eishockey-Bundesligisten Düsseldorfer EG. Der Millionär hat schon immer ein Faible für Sport gehabt, seine große Liebe noch vor dem Fußball ist Eishockey. Als Sponsor unterstützte er fünf Jahre den Club Metallurg Magnitogorsk, der in dieser Zeit Meister wurde und den europäischen Clubwettbewerb gewann.

So war es nur auf den ersten Blick eine Überraschung, als Ponomarev in der als neuer Gesellschafter des schwächelnden Eishockey-Bundesligisten Krefeld Pinguine vorgestellt wurde.

Woher das Geld kommt, ist nicht so leicht zu durchschauen. Ponomarev ist nicht besonders gesprächig. Er war in leitender Position bei einem der größten russischen Mineralölunternehmen, als er 2001 die „Energy Consulting Group“ gründete. Heute ist er Vorstandsvorsitzender der Firmengruppe, die den Hauptsitz in Moskau und die Europazentrale in Düsseldorf unterhält. Geschäftszweig: Personalverwaltung, Projektplanung und Investitionen in der Energiebranche.

Offenbar verdient er damit ziemlich viel Geld. Alexander Bittroff sagt jedenfalls, dass man Energie nicht mit dem KFC vergleichen könne. Seine Begründung: „Das ist finanziell eine andere Liga.“