| 19:28 Uhr

Kommentar
Warum die Wollitz-Wutrede nötig war

Jan Lehmann
Jan Lehmann FOTO: Sebastian Schubert / LR
Die Wutrede von Energie-Trainer Claus-Dieter Wollitz war deftig - vielleicht auch etwas übertrieben. RUNDSCHAU-Reporter Jan Lehmann sagt in seinem Kommentar, warum sie dennoch nötig war.

Mit seiner Wutrede gegen den brandenburgischen Fußballverband sowie den SV Babelsberg hat Energie-Trainer Claus-Dieter Wollitz am Dienstag ziemlich viel Öl ins Feuer gekippt. Das Landespokal-Finale im Potsdamer Karl-Liebknecht-Stadion wird nun am 21. Mai mehr denn je eine brenzlige Angelegenheit.  Übertreibt Wollitz, wenn er dem Verband attestiert, dass dort „Menschen ohne Verstand“  in einer „Scheinwelt“ leben? Und dann beklagt: „Gar keinen Respekt kriegen wir. Im Gegenteil, wir kriegen jeden Tag den Vorschlaghammer ins Gesicht. Und alle machen das Spiel mit.“ Womöglich. Doch genau diese Übertreibung und das daraus resultierende Feuer sind offenbar nötig, um im Verbandswesen überhaupt Veränderungen herbeizuführen. Und dass der Fußball-Landesverband genau wie der Nordostdeutsche Fußballverband und eben auch der große Deutsche Fußball Bund (DFB) wenig Lust auf Veränderungen haben, ist in den vergangen Monaten ja mehr als deutlich geworden. Wettbewerbsgerechtigkeit ist offenbar nicht so relevant, solange die Fernsehverträge eingehalten werden und die großen Clubs sowie die Nationalmannschaft zufrieden sind. Als Viertligist aus der Lausitz muss man schon ganz schön laut sein, um überhaupt gehört zu werden. Wer Wollitz‘ Wutrede für überzogen hält, der vergisst, dass der Cottbuser Trainer im vergangenen Winter schon einmal zu einem bundesweiten Regionalliga-Streik aufgerufen hat - mit weitreichenden Folgen. Damals hatte er damit entscheidend die Debatte um die Aufstiegsregelung zur 3. Liga angefeuert. Das führte soweit, dass beim DFB-Bundestag beschlossen wurde, diese umstrittene Regelung zu reformieren. Dass die Aufstiegsspiele abgeschafft werden sollten, ist mittlerweile bundesweit nahezu Konsens. Vor Wollitz’ Streikaufruf war das nicht der Fall. Manchmal muss man eben mit dem Feuer spielen, um Veränderungen herbeizuführen.
jan.lehmann@lr-online.de