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Fußball
„Komischer“ Derbysieg für Energie

Energie musste für den Auswärtssieg in Babelsberg hart kämpfen. Hier geht Kevin Scheidhauer kurz zu Boden.
Energie musste für den Auswärtssieg in Babelsberg hart kämpfen. Hier geht Kevin Scheidhauer kurz zu Boden. FOTO: Michael Hundt / Matthias Koch / Matthias Koch
Potsdam. Weil die eigenen Fans nicht dabei sein dürfen, kann der FCE den Erfolg beim SV Babelsberg gar nicht richtig feiern. Und es gibt Sorgen um den Schützen des einzigen Tores: Marcelo. Von Jan Lehmann

Fühlt sich so ein Derbysieg an? Irgendwie schon – aber irgendwie auch komisch. Die Energie-­Profis konnten sich am Sonntag nur verhalten über den hart erkämpften 1:0-Erfolg nach dem Tor von Marcelo (18. Spielminute) beim SV Babelsberg freuen, weil schlichtweg keine Cottbuser Fans zum Feiern da waren.

Nach den Randalen und rechtsradikalen Ausschreitungen im vergangenen April durften dieses Mal keine Cottbuser Anhänger ins Karl-Liebknecht-Stadion und NOFV-Präsident Siegfried Kirschen erklärte: „Es ist klar, dass es eine Strafe geben musste. Ich hoffe, man hat daraus die richtigen Lehren gezogen.“

So musste man sich bei Energie nach dem 21. Erfolg dieser Regionalliga-Saison mit nüchterner Fußballmathematik begnügen. Torhüter Avdo Spahic konstatierte: „Für uns ist jeder Sieg wichtig, wir wollen so schnell wie möglich Meister werden.“ Zwölf Zähler fehlen noch, um Verfolger BFC Dynamo end­gültig abzuschütteln.

Energie-Präsident Michael Wahlich hatte schon vor Spielbeginn erklärt: „Es ist für uns kein schöner Tag, wenn wir so ein Derby nicht mit unseren Fans erleben können.“ Nach der Partie konstatierte er: „Wir freuen uns über die drei Punkte.“

Schöner wären die natürlich mit Anhang gewesen. Der leere Cottbuser Block war am Sonntag ein kleiner Stimmungskiller. Sogar die dem FCE-Fanlager als feindlich gesinnt geltenden Babelsberger zeigten solidarisch ein Spruchband, auf dem sie sich gegen Kollektivstrafen aussprachen.

Energie gewinnt in Babelsberg FOTO:

FCE-Trainer Claus-Dieter Wollitz erklärte: „Ich finde es schade, dass so ein Derby auf der einen Seite ohne Zuschauer stattfinden muss. Kollektivstrafen müssen abgestraft werden.“ Der Babelsberger Coach Almedin Civa stimmte ein: „Ich hätte gern auch noch 1000 Cottbuser im Stadion gehabt.“

Diese Cottbuser hätten ein sehr ruppig geführtes Spiel erlebt, das schon mal einen Vorgeschmack auf das Landespokal-Finale zwischen beiden Teams gab. Kaum ein Zweikampf kam ohne verbale Scharmützel aus, Schiedsrichter Max Burda aus Berlin blieb aber angenehm entspannt. Nur einmal konnte er nicht anders und musste die rote Karte zücken: Babelsbergs Keeper Marvin Gladrow hatte Kevin Weidlich mit einer Notbremse (29.) gestoppt. Gladrow berichtete: „Ich musste notgedrungen raus, habe versucht den Ball zu kriegen.“

Zu diesem Zeitpunkt führte Energie bereits 1:0. Marcelo hatte in den ersten Babelsberger Fehler mit einem schlitzohrigen Lupfer-Kopfball ausgenutzt. Dass Energie trotz Bestbesetzung und einstündiger Überzahl nicht höher gewann, lag am aggressiven Gegner – und wohl auch ein bisschen an der Cott­buser Schludrigkeit. Trainer Wollitz bedauerte: „Ich hätte mir in der zweiten Halbzeit mehr Zielstrebigkeit gewünscht. Wir haben da zu sorglos agiert.“

Sorgen muss man sich bei Energie um den Brasilianer Marcelo machen. Der bis dahin beste Cottbuser wurde ausgewechselt und lange am linken Knie behandelt. Gegenüber der RUNDSCHAU sagte er zwar, dass die Verletzung wohl nicht ganz so dramatisch sei. Aber erst nach den weiterführenden Untersuchungen wisse man  mehr.

So verließen die Cottbuser die Landeshauptstadt trotz des Sieges mit gemischten Gefühlen. FCE-Keeper Avdo Spahic verdeutlichte: „Es hat sich ohne unsere Fans ganz komisch angefühlt, sie unterstützen uns wirklich sehr. Man ist dadurch stabiler und selbstbewusster.“ Sein einziger Trost: „Aber im Pokalfinale sind sie ja wieder dabei.“