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| 13:00 Uhr

Fußball
Kobylanskis Geheimplan geht auf

FOTO: LR
Münster. Ausgerechnet Martin Kobylanski hat am Freitagabend seinem Ex-Club Energie Cottbus einen argen Dämpfer versetzt. Bei der 0:3-Niederlage bei Preußen Münster traf das Cottbuser Eigengewächs gleich doppelt. Der Geheimplan, den er mit seinem Trainer ausgeheckt hatte, funktionierte gleich mit der ersten Ballberührung. Von Jan Lehmann

Es war die allererste Ballberührung für Martin Kobylanski – und schon, lief das Spiel so, wie er es sich wohl die ganze Woche zuvor erträumt hatte. Der 24-Jährige traf mit einem Flachschuss ins linke Eck früh zum 1:0 (3.) für Preußen Münster – ausgerechnet gegen Energie Cottbus. „Es ist ein komisches Gefühl, weil ich 13 Jahre in Cottbus verbracht hab“, so Kobylanski, der sich beim Torjubel zurückhielt, aber eigentlich vor Glückseligkeit explodieren wollte. Er beschreibt: „Es wurde in dieser Woche mehr geschrieben als sonst, weil es mein Ex-Verein ist. Und dann so ein Spiel abzuliefern, das ist schon ein geiles Gefühl.“

Dass der Angreifer, der einst von der F-Jugend bis zur Profi-Elf alle Mannschaft bei Energie durchlaufen hatte, in der 9. Minute gleich noch das 2:0 erzielte und in der zweiten Halbzeit mit einem scharf getretenen Freistoß das 3:0 (53.) durch Jannik Borgmann vorbereitete, krönte die besondere Geschichte, die Kobylanski an diesem Abend schrieb. Dabei war zuvor gar nicht klar gewesen, ob der 24-Jährige in der Münsteraner Startelf stehen würde. „Ihr wusstet es vielleicht nicht, dass ich spiele“, grinste Kobylanski nach dem Spiel in der Mixedzone bei den Medienvertretern und berichtete: „Der Trainer hat mit mir Anfang der Woche schon geredet. Es sollte natürlich weitgehend geheim bleiben. Aber er hatte schon relativ früh die Taktik ausgegeben, da konnte ich mich auf dieses Spiel einstellen.“

Kobylanski ist seit anderthalb Jahren bei den Preußen, über Werder Bremen, Union Berlin und Lechia Gdansk hat es ihn ins Münsterland verschlagen. Nach einem guten Saisonstart mit dem spektakulären Freistoßtreffer zum Last-Minute-Sieg beim 1. FC Kaiserslautern auf dem Betzenberg war der Offensivmann zuletzt ein bisschen zur Verschiebemasse im taktischen Konzept von Trainer Marco Antwerpen geworden. Doch gegen Cottbus war er wieder zur Stelle. Auf der Tribüne jubelte Andrzej Kobylanski mit. Sein Vater hatte den damals Sechsjährigen im Jahr 2002 beim Wechsel von Tennis Borussia Berlin zu Energie Cottbus mit in die Lausitz gebracht. Während alte Kobylanski 76 Erstliga-Spiele für Energie absolvierte, kickte der kleine „Koby“ im Cottbuser Nachwuchs. Sein bester Kumpel damals: Der heutige Erstliga-Profi Leonardo Bittencourt, dessen Vater Franklin damals ebenfalls in der ersten Elf spielte.

Beide Jungs kämpften sich bis in den Profi-Kader, damals holte sie Trainer Claus-Dieter Wollitz in die erste Mannschaft. Der Cottbuser Coach erinnert sich: „Ich fand ihn damals sogar besser als Bittencourt, was die Abschlüsse betrifft. Aber Leo war unbekümmerter, spielfreudiger. Aber Martin war ein Toptalent, ich hätte ihn gern weiterentwickelt.“

Wollitz verließ damals den FCE, Kobylanski ging später nach Bremen. Der Kontakt riss nicht ab, am Freitagabend gab es eine herzliche Umarmung zwischen beiden. Kobylanski erklärte: „Ich hätte damals gern weiter unter Wollitz gespielt, es war schade, dass er gegangen ist. Er war für mich damals ein Mentor, der versucht hat, mich Schritt für Schritt in den Profibereich reinzubringen. Ich habe ihm sehr, sehr viel zu verdanken.“

Überhaupt blickt der 24-Jährige sehr gern auf seine Zeit in der Lausitz zurück: „Die 13 Jahre sind natürlich nicht an mir vorbeigegangen, ich schiele immer noch mit einem Auge nach Cottbus. Mich hat es sehr gefreut, dass Energie wieder den Aufstieg geschafft hat. Natürlich braucht das alles seine Zeit. Ich würde mir sehr wünschen, dass Cottbus wieder eine Nummer wird, ob in der 3. Liga oder in der zweiten.“ Das dürfte tatsächlich noch eine Weile dauern. Energie erlebt in der 3. Liga gerade eine ziemlich schwere Phase. Kobylanskis erste Ballberührung am Freitagabend hat das nicht unbedingt einfacher gemacht.