ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 17:38 Uhr

Wo sind die Philipp-Millionen geblieben?
„Klasse wäre, wenn Bittencourt nach England wechselt“

Leonardo Bittencourt kämpft aktuell mit dem 1. FC Köln um den Klassenerhalt in der 1. Bundesliga. Der Offensivspieler ist von 1999 bis 2012 beim FC Energie groß geworden. Am Dienstag wurde bekannt, dass er wegen einer Operation an den Adduktoren mindestens vier Wochen ausfällt.
Leonardo Bittencourt kämpft aktuell mit dem 1. FC Köln um den Klassenerhalt in der 1. Bundesliga. Der Offensivspieler ist von 1999 bis 2012 beim FC Energie groß geworden. Am Dienstag wurde bekannt, dass er wegen einer Operation an den Adduktoren mindestens vier Wochen ausfällt. FOTO: Federico Gambarini / DPA
Cottbus. FCE-Präsident Michael Wahlich spricht über die Finanzlage des Clubs, die „Philipp-Millionen“ und eine weitere überraschende Transfereinnahme für den FC Energie.

Vereinspräsident Michael Wahlich spricht im zweiten Teil des RUNDSCHAU-Interviews zu Jahresbeginn über die schwierige Finanzlage des FC Energie Cottbus, die spannenden Verhandlungen mit dem SC Freiburg um die so genannten „Philipp-Millionen“ und eine weitere überraschende Einnahme für einen ehemaligen Spieler.

Michael Wahlich, wie steht es nach dem bewegten Jahr 2017 finanziell um den FC Energie Cottbus?

FCE-Präsident
 Michael Wahlich
FCE-Präsident Michael Wahlich FOTO: Steffen Beyer

WAHLICH Es war dramatisch. Im Verlauf der vergangenen Jahre war das Eigenkapital aufgebraucht worden. Allerdings muss man auch sagen, dass wir tüchtig waren. Und wer tüchtig ist, hat eben auch manchmal Glück. Unser Glück bestand darin, dass sich Marco Reus verletzt und Dortmund nach einem Ersatz gesucht hat. Gute Verträge aus den alten Zeiten haben uns eine Transferbeteiligung am Wechsel von Maximilian Philipp beschert. Dafür gab es dann Geld.

Was ist mit diesem Geld passiert?

Der Ex-Cottbuser Maximilian Philipp brachte dem FCE viel Geld. Derzeit fällt er bei Borussia Dortmund wegen einer schweren Knieverletzung aus.
Der Ex-Cottbuser Maximilian Philipp brachte dem FCE viel Geld. Derzeit fällt er bei Borussia Dortmund wegen einer schweren Knieverletzung aus. FOTO: Bernd Thissen / DPA

WAHLICH Wir haben schlicht und ergreifend diese Einnahmen in den Abbau der Verbindlichkeiten gesteckt. Vor einem Jahr standen wir bei 8,47 Millionen Euro Verbindlichkeiten. Jetzt sind wir bei 6 Millionen Euro. Und um es mal ganz deutlich zu sagen, diese Verbindlichkeiten sind sehr langfristige Darlehen bei einem Gläubiger, die müssen bedient werden, so wie bei jedem privaten Häuslebauer! Das machen wir, wir bezahlen unsere Rechnungen pünktlich entsprechend der Zahlungsfristen.

Konkret nachgefragt: Das Geld kam also schon?

Für den Verkauf von Torhüter Alexander Meyer an den VfB Stuttgart könnte Energie Cottbus sogar noch einen Zuschuss kassieren.
Für den Verkauf von Torhüter Alexander Meyer an den VfB Stuttgart könnte Energie Cottbus sogar noch einen Zuschuss kassieren. FOTO: Weiss /Eibner-Pressefoto / Imago Sportdienstfoto GmBH

Es kam sehr zeitnah, es lief problemlos – obwohl das ein sehr dynamischer Prozess war.

Wie meinen Sie das?

Der Transfer des Ex-Cottbusers Marco Stiepermann zum englischen Zweitligisten Norwich City brachte dem FCE eine fünfstellige Summe.
Der Transfer des Ex-Cottbusers Marco Stiepermann zum englischen Zweitligisten Norwich City brachte dem FCE eine fünfstellige Summe. FOTO: Paul Chesterton / Imago Sportdienstfoto GmBH

WAHLICH Als Freiburg merkte, dass da etwas passieren würde, wollten sie uns noch die Transferrechte abkaufen. Doch wir haben dann beschlossen, aufs Ganze zu gehen und den Wechsel abzuwarten. Im Nachhinein war das die richtige Entscheidung. Und man muss auch sagen, dass die Freiburger das dann sehr korrekt abgewickelt haben. Schade, dass sich Maximilian Philipp nun so schwer verletzt hat. Wir hätten sogar noch einmal einen Zuschuss bekommen, wenn er als Nationalspieler zur WM gefahren wäre.

Einen zweiten finanziellen Bonbon gab es durch den überraschenden Wechsel von Alexander Meyer zum VfB Stuttgart. Es war ein ziemliches Risiko, den Stammkeeper so früh in der Saison abzugeben, oder?

WAHLICH Nein, wir wussten, dass wir mit Avdo Spahic einen starken Mann haben, dem wir mit unserer erfahrenen Abwehr genügend Stabilität geben können. Wir sind uns alle einig, dass es eine richtige Entscheidung war – weil wir dann auch gut verhandelt haben. Es geht sogar so weit, dass wir womöglich im kommenden Jahr noch ein paar weitere Einnahmen generieren. Leider ist Stuttgart im DFB-Pokal ausgeschieden. Da hätten wir noch etwas abbekommen können. Und ich verrate Ihnen ein Geheimnis: Wir haben noch eine weitere unerwartete Transfereinnahme zu verzeichnen.

Für wen?

WAHLICH Wir wurden am Wechsel von Marco Stiepermann vom VfL Bochum zu Norwich City beteiligt. Dafür gibt es die entsprechenden Regularien, unsere Buchhalterin Doris Kubo hat genau aufgepasst. Wir haben eine Rechnung geschrieben und können uns über eine kleine fünfstellige Summe freuen. Diese Auslandswechsel sind sehr interessant. Klasse wäre es für uns, wenn beispielsweise Leonardo Bittencourt noch für viel Geld nach England wechseln würde.

Mit Michael Wahlich
sprach Jan Lehmann