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| 17:52 Uhr

Fußball
Per Express in die 3. Liga

Kevin Rauhut dirigierte gegen Halberstadt die Cottbuser Abwehr. Der 28-Jährige war in der Winterpause aus Nordhausen gekommen.
Kevin Rauhut dirigierte gegen Halberstadt die Cottbuser Abwehr. Der 28-Jährige war in der Winterpause aus Nordhausen gekommen. FOTO: Steffen Beyer
Cottbus. Kevin Rauhut überzeugt beim Debüt im Tor des FC Energie Cottbus. Auf die üblichen Kampfansagen verzichtet er aber. Stattdessen wünscht er seinem Konkurrenten alles Gute.

Von Jan Lehmann

Beim ersten Kontakt mit Energie Cottbus holte sich Kevin Rauhut noch eine blutige Nase. Das war im November in der Regionalliga-Hinrunde, als der Keeper das Tor von Wacker Nordhausen hütete. Zwar knöpften die Thüringer bei dem 1:1 im Albert-Kuntz-Sportpark mit Rauhuts Hilfe Energie überhaupt den ersten Punkt ab. Doch der 28-Jährige musste damals mit einem ­Nasenbeinbruch ins Krankenhaus – er hatte das Knie eines Wacker-Verteidigers ins Gesicht bekommen.

Weniger Schmerzen dürfte Rauhut stattdessen verspürt haben, als Energie im Winter den Kontakt zu ihm aufnahm und schließlich der Wechsel in die Lausitz vonstatten ging. „Ich wollte mitfahren in diesem Zug, der nicht zu stoppen ist“, berichtet Rauhut mit Bezug auf das teaminterne Motto „Nobody can stop this train.“

Dass er als klare Nummer zwei hinter Keeper Avdo Spahic geholt wurde, war für Rauhut offenbar kein Hindernis. Keine Frage,die Perspektive ist verlockend: Zu gern würde der 28-Jährige, der aus dem Nachwuchs von Rot-Weiß Oberhausen stammt, mit dem Cottbuser Express in die 3. Liga düsen. Eine Option, die in Nordhausen nicht ganz so realistisch scheint.

Und wie schnell man auf diesen Zug tatsächlich aufspringen kann, erlebte Rauhut am Samstag. Drei Wochen nach seiner Verpflichtung gab der Torhüter sein Regionalliga-Debüt für den FC Energie. Der 28-Jährige hütete gegen Germania Halberstadt überraschend das Cottbuser Tor – weil Stammkeeper Spahic mit muskulären Problemen im Oberschenkel nicht zur Verfügung stand. Trainer Claus-Dieter Wollitz berichtete: „Avdo hat im Abschlusstraining signalisiert, dass er sich nicht sicher fühlt. Dann sind wir kein Risiko eingegangen.“

Das Vertrauen in Rauhut ist da und der 1.88-Meter-Mann deutete an, dass er Energie eine stabile Stütze sein kann. Am Samstag bekam er zwar nicht sonderlich viel zu tun. Doch der 28-Jährige dirigierte lautstark seine Vorderleute und strahlte Sicherheit aus. Der Mann aus dem Ruhrpott erklärte nach dem Debüt: „Es war ein schönes Gefühl, hier im Stadion der Freundschaft die Zuschauer mal im Rücken zu haben. Auch wenn die zweite Halbzeit für uns nicht ganz so zufriedenstellend war, ist das alles in allem ein gelungener Start für mich.“

Coach Wollitz lobte ebenfalls: ­„Kevin hat das richtig gut gemacht. Er war sehr sicher, sehr unaufgeregt. Aber das hat er auch schon so im Training angedeutet.“ Der Trainer wies allerdings darauf hin, dass es bei Energie jetzt keine Torwartdebatte geben werde. Er kündigte an: „Wenn Avdo nächste Woche wieder fit ist, wird er gegen den BFC Dynamo im Tor stehen.“

Seine Rolle beim FCE scheint Rauhut vollends akzeptiert zu haben. Der Familienvater, der mit Frau und Tochter derzeit noch auf engen 30 Quadratmetern im Hotel wohnt, verzichtete auf die üblichen Kampfansagen und erklärte stattdessen: „Ich bin dankbar für mein erstes Spiel für Energie. Trotzdem wünsche ich Avdo die beste Genesung, dass er nächste Woche wieder auf dem Platz stehen kann. Die Leistungen der Hinrunde gilt es zu respektieren.“ Sein Ziel: . Ich mache Druck, dafür bin ich da. Dann gucken wir, dass Avdo sich dadurch verbessert und ich mich dadurch verbessere.“

Rauhut ist es wichtig, dass Leistung im Verein langfristig honoriert wird. Ein Anspruch, den er nicht auf jeder seiner sieben Stationen im Fußball so erfüllt bekam. Deshalb kam auch im Winter die Cottbuser Wechsel-Anfrage für ihn vermutlich zur rechten Zeit. In Nordhausen hatte der Keeper nach dem Nasenbeinbruch gegen Cottbus noch ein Spiel absolviert – bei der Pleite im Thüringen-Pokal gegen den Fünftligisten Wismut Gera. Danach verlor er seinen Platz im Tor an den früheren Jena-Keeper Tino Berbig – und wechselte daraufhin das Gleis. Die ersten Eindrücke deuten daraufhin, dass dies eine gute Entscheidung war.

Rauhut
Rauhut FOTO: LR