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| 17:26 Uhr

Timo Rost erinnert sich an das Abstiegs-Finale von 2005
„Karlsruhe war eine brutale Achterbahn“

 Drückt Energie aus Bayreuth  die Daumen: Timo Rost.
Drückt Energie aus Bayreuth die Daumen: Timo Rost. FOTO: imago images / Peter Kolb / Fotograf Peter Kolb, via www.ima
Cottbus. Der Bundesliga-Rekordspieler von Energie Cottbus erinnert sich an das Abstiegs-Endspiel 2005, mulmige Gefühle und einen Bus-Schwur. Von Steven Wiesner

Timo Rost ist der Bundesliga-Rekordspieler von Energie Cottbus (129 Einsätze), und er war vor 14 Jahren auch beim Drama von Karlsruhe dabei, als der FCE trotz 2:3-Niederlage den Klassenerhalt in der 2. Liga schaffte. Der 40-Jährige, der seit September die SpVgg Bayreuth in der Regionalliga Bayern trainiert, erinnert sich vor dem  Braunschweig-Spiel an die ähnliche Konstellation von damals.

Herr Rost, welche Erinnerungen haben Sie an den 22. Mai 2005?

Rost Im Nachhinein sehr gute, weil es gut ausgegangen und der Verein aus dieser Erfahrung heraus zusammengewachsen ist. Die Mannschaft hat eine brutale positive Energie daraus gezogen und ist nicht umsonst ein Jahr später aufgestiegen.

Hatten Sie während des Spiels nicht auch mal kurz die Hose voll?

Rost Na klar. Wir sind alle keine Maschinen. Da hat man schon auch ein mulmiges Gefühl. Wir haben zwar verloren, aber trotzdem sind wir nicht eingebrochen. Ich kann mich an Szenen auf dem Rasen erinnern, in denen wir uns immer wieder gepusht haben. Und auch danach im Bus haben wir uns geschworen, dass wir so etwas nie wieder erleben wollen. Wir hatten einfach die richtigen Typen mit Tomislav Piplica, Vragel da Silva oder Gregg Berhalter.

 Fassungslose Cottbuser nach dem 2:3-Rückstand in der 90. Minute im Mai 2005. Erst Minuten später kam die Info: Der Klassenerhalt ist trotzdem geschafft dank eines einzigen Tores.
Fassungslose Cottbuser nach dem 2:3-Rückstand in der 90. Minute im Mai 2005. Erst Minuten später kam die Info: Der Klassenerhalt ist trotzdem geschafft dank eines einzigen Tores. FOTO: imago sportfotodienst

Und auch mit Ihnen selbst. Sie haben nach zwei Minuten ins eigene Tor getroffen. Wie richtet man sich nach so einem frühen Schock auf?

Rost Es war eine brutale Achterbahnfahrt. Erst rutscht mir ein Freistoß über den Kopf ins eigene Tor, dann leite ich ein Tor von uns ein, mit sechs Tackern muss eine Platzwunde am Kopf genäht werden, wir verspielen eine 2:1-Führung und es heißt, dass wir abgestiegen sind. Und dann kommt doch die Nachricht, dass wir drin bleiben dank eines einzigen Tores. Das war Wahnsinn und ein Drama, das ich so nie wieder erlebt habe. Ich hätte aber auch gern darauf verzichtet (lacht).

Auch im Jahr 2019 könnte Energies Schicksal an einem Tor hängen. Wie schätzen Sie die Lage ein?

Rost Energie hat die beste Ausgangslage. Es ist immer wichtig, dass du nicht abhängig von anderen bist. Und das hat sich Energie erarbeitet.

Kommt es bei so einem Finale überhaupt auf Dinge wie Taktik an, oder entscheidet jetzt nur noch, wer mehr Nervenstärke und Herz hat?

Rost Du brauchst vorab auch klare Abläufe, einen Plan und einen kühlen Kopf. Aber natürlich entscheiden jetzt vor allem Wille und Mentalität, also das, was Energie früher immer ausgemacht hat. Auf dem Platz hilft dir kein Trainer mehr, das müssen die elf Jungs richten.