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| 02:41 Uhr

Johan Cruyff muss noch warten

Marcelo de Freitas Costa (M.) hat in dieser Saison sechs Tore für Neugersdorf erzielt und gilt als Freistoß-Spezialist.
Marcelo de Freitas Costa (M.) hat in dieser Saison sechs Tore für Neugersdorf erzielt und gilt als Freistoß-Spezialist. FOTO: Steffen Beyer
Cottbus. Energie Cottbus ist mit der Verpflichtung von Marcelo de Freitas Costa der Wunsch-Transfer im Winter geglückt. Trainer Wollitz dämpft aber die Erwartungen und will den Brasilianer durch einen überraschenden Vergleich schützen. Frank Noack

Wer hätte das gedacht? Wenn das Auswärtsspiel von Energie Cottbus am Donnerstag bei RB Leipzig II nicht abgesagt worden wäre, dann hätte der neu verpflichtete Marcelo de Freitas Costa laut Trainer Claus-Dieter Wollitz wahrscheinlich nicht zum 18er-Kader gehört.

Zugegeben, das ist jetzt alles ganz schön hypothetisch. Denn aufgrund der winterlichen Bedingungen kann in Markranstädt natürlich nicht gespielt werden. Also hat der 22-jährige Brasilianer, der am letzten Tag der Winter-Transferfrist vom Regionalliga-Konkurrenten Oberlausitz Neugersdorf zum FC Energie gewechselt ist, noch ein paar Tage mehr Zeit, um sich in seine Rolle als der neue Johan Cruyff von Cottbus hinein zu dribbeln. Cruyff? Genau, das im vergangenen Jahr leider viel zu früh verstorbene Fußball-Genie aus den Niederlanden - dazu aber erst später noch ein klärendes Wort.

Ob Wollitz den seit Wochen umworbenen Neuzugang wirklich zu Hause gelassen hätte, bleibt also Spekulation. Die Botschaft, die dahinter steckt, ist jedoch umso klarer: Der Energie-Coach will Marcelo de Freitas Costa, kurz Marcelo, nicht gleich mit zu hohen Erwartungen belasten. Immerhin liest sich die bisherige Bilanz des Brasilianers nicht schlecht. In 17 Spielen der laufenden Saison hat er sechs Tore erzielt und vier Treffer vorbereitet. Für einen Mittelfeldspieler kann sich diese Quote sehen lassen. "Viele glauben ja, dass er am Donnerstag spielt und drei Tore erzielt", mahnt Wollitz eine realistische Erwartungshaltung an.

Und auch wenn Neugersdorf-Trainer Vragel da Silva seinen brasilianischen Landsmann als "Riesentechniker" bezeichnet - eine gewisse Zeit wird Marcelo brauchen, ehe er in die Mannschaft integriert ist. In Neugersdorf war er von defensiven Auf gaben weitgehend befreit und konnte sich stattdessen ganz und gar seiner großen Stärke widmen: der Offensive. Hier in Cottbus erwarten ihn vor allem in taktischer Hinsicht deutlich höhere Anforderungen. "Jeder Spieler kennt seine Aufgabe auf dem Platz. Ihn mal schnell schnipp-schnapp ins System einzuführen, so einfach ist das nicht. Außerdem kommt er ja nicht zu einer Mannschaft, die Fallobst ist", betont Trainer Wollitz.

Marcelo bringt einerseits viele Fähigkeiten mit, die Energie bei der geplanten Jagd auf Tabellenführer Carl Zeiss Jena sehr gut gebrauchen kann. Der dribbelstarke Brasilianer soll für mehr Torgefahr im offensiven Mittelfeld sorgen. Und er gilt als ausgesprochener Spezialist des ruhenden Balles. Auch im Dezember bei der 1:3-Niederlage von Neugersdorf in Cottbus erzielte er das Ehrentor per Freistoß. "Er hat einen un fassbar guten Schuss. Von drei Freistößen ist einer drin", schwärmt sein Ex-Trainer da Silva. Andererseits bringt Marcelo laut Wollitz aber auch Defizite im athletischen Bereich mit nach Cottbus. Verwunderlich ist das nicht, denn in Neugersdorf wird Amateur-Fußball betrieben, während Energie unter Profibedingungen trainiert.

Diese Defizite sollen in den nächsten Wochen und Monaten aufgearbeitet werden. Wollitz: "Wir brauchen in dieser Liga eine top Fitness und eine top Athletik. Deshalb ist dieser Transfer eher langfristig angelegt."

Marcelo hat einen Vertrag bis 2019 unterschrieben. Er gilt sowohl für die Regionalliga als auch die 3. Liga. Spätestens in der entscheidenden Saisonphase, also wenn der Schnee getaut und die Bedingungen zum Fußballspielen wieder deutlich besser sind, rechnet man bei Energie mit dem Neuzugang aus Brasilien. Wie schnell diese Integration gehen kann - Trainer Wollitz mochte am Dienstag darüber keine Prognose abgeben. "Sportlich ist Marcelo ein Spieler, der mittelfristig den Unterschied im Spiel ausmachen kann. Wir sollten Geduld mit ihm haben. Und er muss auch Geduld mit sich selbst haben. Erwartungen ja, aber erst zu einem späteren Zeitpunkt."

Marcelo de Freitas Costa wird übrigens das Trikot mit der Rücken nummer 14 tragen. Und hier schließt sich der Kreis zu Johan Cruyff, der mit dieser 14 auf dem Rücken zur Legende wurde. "Er hat mich gefragt, warum ausgerechnet die Nummer 14", berichtete Wollitz am Dienstag. Seine Antwort: "Erstens war sie frei. Und zweitens ist es die Nummer der Ballkünstler. Johan Cruyff war für mich der Sensationsspieler schlechthin, der alle Facetten des Fußballs beherrscht hat. Das muss Marcelo jetzt hier auch verkörpern." Spätstens an dieser Stelle konnte sich der Trainer ein Grinsen nicht verkneifen. Der junge Brasilianer aus Neugersdorf auf einer Stufe mit dem großen Cruyff? Na klar, ein Scherz. Aber er zeigt, wie gut die Laune bei Energie nach diesem Transfer ist.

Zum Thema:
Marcelo de Freitas Costa kommt ablösefrei. Es war laut Trainer Claus-Dieter Wollitz "ein unglaublich komplizierter Transfer". DFB, NOFV, Ausländerbehörde - erst am letzten Tag der Transferfrist waren alle Auflagen erfüllt. Wollitz: "Dass der Transfer geklappt hat, ist der Verdienst unseres Geschäfts führers Normen Kothe." Neugersdorf wird bei einem Verkauf prozentual be teiligt. Zudem wurde ein Testpiel in Neugersdorf vereinbart.