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| 20:11 Uhr

Cottbus kämpft bei Rathenow Optik um den Landespokal
Ist Energie Cottbus bereit für das traurige Finale?

 Der Abstieg tut noch immer weh - auch Torhüter Avdo Spahic (l.) und Leon Schneider.
Der Abstieg tut noch immer weh - auch Torhüter Avdo Spahic (l.) und Leon Schneider. FOTO: Eibner-Pressefoto / EIBNER/Michael Taeger
Cottbus. Das Pokal-Endspiel in Rathenow sollte für Energie Cottbus eigentlich der emotionale Saisonhöhepunkt werden. Doch der Abstieg hat alles verändert. Dabei geht es an diesem Samstag um so viel: den Profi-Fußball in der Lausitz. Von Frank Noack und Jan Lehmann

Die Tränen sind erst einmal getrocknet – die Trauer aber bleibt: Eine Woche nach dem schmerz­haften Abstieg aus der 3. Liga ­wegen eines einzigen Tores steht für ­Energie Cottbus an diesem Samstag viel mehr auf dem Spiel als nur der Erfolg im Branden­burger ­Landespokal. Im Pokal­finale bei ­Optik Ra­thenow (14.15 Uhr/LR-Liveticker) geht es für den FCE um die Zukunft des Profifußballs in der Lausitz. Denn die 200 000 Euro, die es für den Einzug in die 1. Runde des DFB-Pokals gibt, sind ein ganz wichtiger Baustein beim Neuaufbau in der Regionalliga Nordost.

Brüchige Stimme und den Tränen nahe

Klar ist bereits jetzt, dass es aus Cottbuser Sicht ein trauriges Fi­nale wird. Die Frage lautet: Ist die Mannschaft mental schon wieder bereit für dieses Endspiel gegen den Viertligisten aus Rathenow, der in dieser Woche die freudige Botschaft erhielt, dass er trotz des sportlichen Abstieges in der 4. Liga bleiben darf? „Es tut immer noch weh. Und es wird wohl auch in zwei Jahren immer noch wehtun. Es ist bitter, aber wir müssen uns jetzt irgendwie auf dieses Spiel fokussieren, weil es für den Verein extrem wichtig ist“, sagt Daniel Bohl.

Und Torhüter Avdo Spahic, den die RUNDSCHAU ebenfalls Mitte der Woche zum Video-Interview im ­Stadion der Freundschaft traf, ergänzt mit recht brüchiger Stimme: „Mir geht es immer noch sehr schlecht, es tut im Herzen weh. Wir müssen alles rausholen und gewinnen. Das Geld ist wichtig für den Verein.“

Trainer Claus-Dieter Wollitz ist die große Enttäuschung ebenfalls anzumerken. Bei der Pressekonferenz zwei Tage vor dem Spiel in Rathenow kämpft auch der Coach mit den Tränen. „Wir alle leiden. Deshalb ist das Pokal-Endspiel jetzt noch ein Stück schwieriger geworden. Denn der Frust ist da“, erklärt Wollitz. Gleichzeitig appelliert er an sein Team: „Ich habe die Überzeugung, dass sich unsere Spieler sagen: ,Es ist zwar wichtig, wie du kommst. Aber noch viel wichtiger ist, wie du gehst.’ Wenn dann vielleicht am Ende die gesamte Mannschaft den Klub verlassen sollte.“

Zwei Abgänge stehen fest, weitere werden folgen

Wollitz ahnt, ja er weiß es aufgrund seiner jahrelangen Erfahrung im Profifußball: Der Zerfall des seit 2016 gewachsenen Teams wird sich nicht abwenden lassen. Es ist deshalb auch das finale Spiel vor dem Neuanfang. Mit Streli Mamba (SC Paderborn) und Marcelo de Freitas stehen zwei Abgänge fest – viele weitere werden folgen.

In den sozialen Netzwerken wird diskutiert, was in solchen Fällen immer diskutiert wird: Sind die abwanderungswilligen Spieler überhaupt noch bei der Sache? Oder wollen sie sich womöglich für ihren neuen Verein schonen? Für Trainer Wollitz stellen sich derartige Fragen nicht. Im Gegenteil: Er setzt auf die Charakterstärke seiner Spieler und will deshalb auch keine Rücksicht auf mögliche Zukunftsplanungen nehmen. Auch wenn sich ja in diesem Finale die Chance böte, mögliche Leistungs­träger für die kommende Saison – zum Beispiel junge Spieler – in die Start­elf zu beordern.

Zu körperlichen Beschwerden kommt der seelische Schmerz

„Es geht ausschließlich darum, dieses Spiel zu gewinnen. Wir haben Rathenow drei Mal live gesehen. Entsprechend dieser Erkenntnisse stellen wir die Mannschaft auf. Wenn wir professionell auftreten, haben wir alle ­Chancen, den Pokal zu holen“, betont Wollitz. Änderungen im Vergleich zum 1:1-Remis in Braunschweig könnte es trotzdem geben. Mit Robert Müller (Rücken), Kevin Weidlich (Wade) und Marcelo de Freitas (Zeh) sind gleich drei Schlüsselspieler angeschlagen.

Zu den körperlichen Beschwerden kommt aber eben noch der ­seelische Schmerz über den Abstieg. Eigentlich wollte Energie in dieser Woche richtig feiern: erst den Klassenerhalt, dann den Pokalsieg. Doch seit Braunschweig liegen diese Pläne in Trümmern. „Wir wollten am Samstag eigentlich das i-Tüpfelchen erreichen. Jetzt ist es eine Pflichtauf­gabe, die wir erledigen müssen“, fasst Wollitz die Ausgangslage vor dem traurigen Finale zusammen.