| 13:29 Uhr

Fußball
Schließt Boakye die Lücke beim FCE?

Das erste Regionalliga-Tor von Gabriel Boakye wurde von seinen Energie-Kollegen groß bejubelt.
Das erste Regionalliga-Tor von Gabriel Boakye wurde von seinen Energie-Kollegen groß bejubelt. FOTO: Christiane Weiland / LR
Cottbus. Der 19-Jährige hat sein erstes Regionalliga-Tor geschossen. Trainer Wollitz traut ihm viel zu, die Entwicklung ist rasant. Jan Lehmann

Nun hat er auch endlich getroffen, auf dieses Tor hat nicht nur FCE-Youngster Gabriel Boakye schon sehnlichst gewartet: Schneller als sein berühmter kanadischer Landsmann Ben Johnson sprintete der Cottbuser in Fürstenwalde über den Platz und wusste vor Freude über diesen Premierentreffer gar nicht wohin mit sich und seinen Emotionen. Und es war ziemlich auffällig, wie euphorisch auch seine Energie-Kollegen am Sonntag das erste Regionalliga-Tor des 19-Jährigen feierten. Selbst Keeper Avdo Spahic kam aus dem Tor nach vorn gestürmt, um dem Kanadier zu gratulieren. Kapitän Marc Stein erklärte später: „Wir freuen uns, dass er sich heute endlich mal belohnt hat.“

Angesichts der Personalnöte im Angriff – Streli Mamba (Hüftverletzung) und Benjamin Förster (Syndesmosebandriss) fallen länger aus – gehen die Blicke immer mehr auf den einzigen verbliebenen Stürmer im Cottbuser Kader. Kann Boakye die Lücke schließen? Bisher hat ihn Trainer Claus-Dieter Wollitz nur beim Berliner AK von Beginn an spielen lassen, ansonsten immer erst von der Bank gebracht. So auch in Fürstenwalde – mit Erfolg. Der extrem einsatzfreudige Kanadier störte die Fürstenwalder dort, wo sie in der ersten Halbzeit kaum etwas zu tun hat – in der Innenverteidigung. Und mit einem der ersten Ballkontakte traf er per Kopf zum wichtigen 2:1.

Ist mit diesem Treffer nun der Knoten beim Kanadier geplatzt? Wollitz betont, dass Boakye gar keinen Drucklöser benötigt habe: „Er hat die ganze Zeit schon unbekümmert gespielt. Seine Stärke ist, dass er jedem Ball nachgeht.“ Dem Kanadier kommt wohl zugute, dass er als Rechtsverteidiger ausgebildet wurde. Kapitän Marc Stein beschreibt: „Er arbeitet sehr viel und versucht, den Gegner unter Druck zu setzen. Er ist extrem eklig zu bespielen.“

Nach Spielende wurde Boakye in Fürstenwalde von den Energie-Fans gefeiert.
Nach Spielende wurde Boakye in Fürstenwalde von den Energie-Fans gefeiert. FOTO: Christiane Weiland / LR

Diese Qualitäten will man bei Energie nutzen. Trainer Wollitz hat sich zum Ziel gesetzt, Boakye  langfristig zu entwickeln. Er ist sich sicher: „Wenn er Geduld mitbringt, kann man aus ihm einen Klassestürmer machen. Er hat fast in jedem Spiel zwei, drei Abschlussmöglichkeiten.“ Für den Kanadier ist dieser Trainer vermutlich ein Glücksfall, denn eine der nachweislichen wollitzschen Stärken ist es, Offensivspieler besser zu machen. Dazu muss man sich nur die positiven Entwicklungen der Ex-Cottbuser wie Nils Petersen, Emil Jula, Jiayi Shao oder Leonardo Bittencourt anschauen. Aktuell ist Streli Mamba der passende Beleg dafür, dass unter Wollitz plötzlich Angreifer zu Toptorjägern werden können, die vor anderthalb Jahren noch als Chancentod verschrien waren.

Für Boakye geht es nun darum, in den kommenden Wochen noch mehr Spielzeit zu bekommen und so seinen Weg fortzusetzen. Im Sommer 2016 war er als Rechtsverteidiger aus der Nachwuchsakademie des Toronto FC nach Cottbus gekommen und hatte schnell Trainer Wollitz auf sich aufmerksam gemacht. Der Coach bestellte den Nachwuchsspieler zum Profi-Training und versetzte ihn rasch aus der Abwehr in den Angriff. Dort erkämpfte sich Boakye zügig einen festen Platz im 18er-Kader.

Die Stärken des Kanadiers sind seine Laufbereitschaft und seine Zweikampfhärte. Da kommt durch, dass er als Rechtsverteidiger ausgebildet worden ist.
Die Stärken des Kanadiers sind seine Laufbereitschaft und seine Zweikampfhärte. Da kommt durch, dass er als Rechtsverteidiger ausgebildet worden ist. FOTO: Christiane Weiland / LR

Sollte er in seiner Entwicklung dieses Ben-Johnson-Tempo beibehalten – natürlich ohne die verbotene Reise-Apotheke des Dopingsünders von Olympia 1988 – könnte Boakye bei Energie auch die Sorgenfalten rund um Mamba und Förster glätten. Denn angesichts der Ungewissheit um deren Verletzungen müsste der Verein im Winter eigentlich auf die Suche nach einem weiteren Angreifer gehen, der eine eingebaute Torgarantie mitbringt. Falls er ihn bis dahin mit Boakye nicht schon in den eigenen Reihen gefunden hat.