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| 02:40 Uhr

"Ich hatte schon in Magdeburg unterschrieben"

Ein Hauptdarsteller im Hintergrund: der heutige Marketingchef Ralf Lempke (l.) im Jahr 2006 als Interimsmanager vom FC Energie an der Seite von Trainer Petrik Sander.
Ein Hauptdarsteller im Hintergrund: der heutige Marketingchef Ralf Lempke (l.) im Jahr 2006 als Interimsmanager vom FC Energie an der Seite von Trainer Petrik Sander. FOTO: Mario Behnke
Cottbus. Wenn sich einer als "Mr. Energie" bezeichnen darf, dann er: Ralf Lempke, Spielerlegende, Aushilfsmanager und derzeitiger Marketingchef des Vereins. Seit der ersten Stunde und darüber hinaus gehört er zu Energie Cottbus. Was viele aber nicht wissen: Noch als Aktiver war er nur eine Tracht Prügel von einem Vereinswechsel entfernt. Steven Wiesner / swr1

Ralf Lempke weiß es noch ganz genau. Als wär es keine 40 Jahre, sondern 40 Minuten her. "Wir hatten in den 70ern bei den Aufstiegsspielen gegen Wismar oder Suhl bis zu 18 000 Zuschauer im Stadion der Freundschaft. Da haben viele noch auf den Eichen gesessen und sich die Spiele angeguckt, weil kaum ein Platz frei war", ließ er die Fans kürzlich beim "Scheunentalk" an seinen Erinnerungen teilhaben.

Wenn sich jemand über die Geschichte von Energie Cottbus schlau machen möchte, dann darf er an Ralf Lempke nicht vorbeilaufen. Der 59-Jährige ist vermutlich der letzte Verantwortliche im Verein, der damals schon mit von der Partie war. Lempke trat dem Klub bereits als 8-jähriger Steppke bei, als die am 31. Januar 1966 ernannte BSG Energie noch SC Cottbus hieß.

Hernach schaffte er den Sprung in die erste Mannschaft und war ab 1976 offiziell als Staatsamateur beim Kraftwerk Jänschwalde beschäftigt. "Das hat mit Arbeit aber nicht viel zu tun gehabt", lacht Lempke heute über die Träger-Maßnahme. "Wir hatten Arbeitsverträge als Sachbearbeiter, Musiklehrer und weiß der Kuckuck was. Dreimal in der Woche haben wir uns für einen halben Tag blicken lassen. Manche hatten aber zwei linke Hände, sodass wir froh waren, dass sie sich nicht verletzt haben auf Arbeit."

Das hat dem Anschein nach auch er selbst ganz gut hinbekommen. Denn nicht umsonst konnte Ralf Lempke in den folgenden Jahren zu einem der wichtigsten Eckpfeiler im Team werden, als Außenbahnspieler und Mannschaftskapitän. Nachdem er seine aktive Laufbahn dann 1988 für beendet erklärt hatte, wurde Lempke 1991 zum populärsten Energie-Fußballer der ersten 25 Jahre gewählt.

Viel hat aber nicht gefehlt und das Urgestein wäre im Sommer 1986 zum Europapokal-Teilnehmer 1. FC Magdeburg gewechselt. "Ich habe mir heimlich den Autoschlüssel vom Papa gekrallt und bin mit dem Trabi nach Magdeburg gefahren. Ich hatte schon meinen Vertrag unterschrieben und mir eine Wohnung gesucht." Doch als Lempke abends wieder nach Hause kam, um seine Eltern ins Bild zu setzen, war es geschehen um den Familienfrieden. "Mein Vater war eingefleischter Energie-Fan. Der ist bei 40 Grad plus und 20 Grad minus ins Stadion gerannt." Es bedarf also nicht viel Vorstellungskraft, um sich auszumalen, welche Begeisterung Papa Lempke für den Tapetenwechsel seines Zöglings aufbringen wollte. "Er sagte: Wenn du nach Magdeburg gehst, Junge, kommst du hier nie wieder über die Schwelle." Am nächsten Tag fuhr Ralf Lempke erneut nach Magdeburg - den Vertrag gab es danach nicht mehr.

Nach einem Jahr als Manager lenkt Lempke heute die Marketing-Geschicke von Energie. Für seinen Verein wünscht er sich zum Geburtstag am Sonntag nur eins: ein volleres Stadion als zuletzt. "Wir krepeln meist bei 6000 bis 7000 Zuschauern rum. Gegen Wolfsburg waren sogar nur 5000 da. Das ist wirklich dünne", ist Lempke enttäuscht und schließt mit dem Appell: "Wir brauchen die Zuschauer. Es geht dabei nicht nur um die Einnahmen, sondern auch darum, wie man sich in der Lausitz präsentiert." Schließlich hat er noch Zeiten erlebt, in denen die Zuschauer buchstäblich auf den Bäumen gewachsen sind.