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Heiße Debatte um FCE-Torjäger Förster

Platzverweis: Benjamin Förster (Rückennummer 23) musste am Samstag gegen Budissa Bautzen schon frühzeitig den Rasen verlassen.
Platzverweis: Benjamin Förster (Rückennummer 23) musste am Samstag gegen Budissa Bautzen schon frühzeitig den Rasen verlassen. FOTO: Steffen Beyer
Cottbus. Trotz seiner roten Karte könnte Benjamin Förster im Pokal gegen Stuttgart spielen. Aber darf er auch? Trainer Wollitz erklärt, warum ihm das Thema Disziplin so wichtig ist. Frank Noack

Nach dem hitzigen 3:1-Sieg von Energie Cottbus gegen Budissa Bautzen am Samstag wird die rote Karte von Benjamin Förster und vor allem deren Folgen für die nächsten Wochen inklusive der Pokal partie gegen den VfB Stuttgart unter den FCE-Fans weiter heiß diskutiert. Im Internet läuft auf dem Facebook-Kanal der RUNDSCHAU-Sportredaktion sowie bei www.lr-online.de eine intensive Debatte über den von Trainer Claus-Dieter Wollitz in Erwägung gezogenen System wechsel, den Rempler des Stürmers, aber auch über den eigentlichen Auslöser: das unsportliche Verhalten des Bautzeners Tony Schmidt.

Die RUNDSCHAU beantwortet die wichtigsten Fragen rund um den Platzverweis auf der Basis der aktuellen Faktenlage.

Setzt Trainer Claus-Dieter Wollitz im Pokalspiel gegen Stuttgart den Rotsünder wirklich auf die Bank? Direkt nach der Partie gegen Bautzen hatte Wollitz erklärt, dass er Förster für sein Verhalten im bevorstehenden Pokalspiel gegen den Bundesliga-Aufsteiger VfB Stuttgart an diesem Sonntag (18.30 Uhr, LR-Liveticker) "nicht noch be lohnen" werde. Diese Aussage legte nahe, dass Förster wohl auf die Bank muss. Sie lässt zugegebenermaßen aber auch Spielraum für Interpretationen. Die RUNDSCHAU hat deshalb am Montag noch einmal beim Energie-Trainer nachgefragt. Wollitz betont: "Ja, ich stehe zu dieser Aussage. Ich habe mich über die rote Karte geärgert. Deshalb wird sie auf alle Fälle Konsequenzen haben. Das kann aber auch eine Geldstrafe sein."

Warum ist Trainer Wollitz so verärgert über den Platzverweis? Erstens natürlich, weil Förster ein wichtiger Spieler für die Mannschaft ist. In der vergangenen Saison war er mit 13 Treffern bester Schütze des Teams. Erst kürzlich hatte Wollitz das Engagement des Stürmers während der Saisonvorbereitung gelobt. Beim 5:0 gegen Chemie Leipzig glänzte Förster mit einem Doppelpack. Zweitens ist Wollitz aber auch deshalb verärgert, weil bei der Gegner-Analyse vor dem Bautzen-Spiel explizit darauf hingewiesen wurde, dass Tony Schmidt gern provoziert. So kam es dann auch: Nach 17 Minuten stieg er dem am Boden hockenden Förster absichtlich auf den Fuß und ließ sich dann nach einem Rempler des Energie-Stürmers theatralisch fallen. Schmidt wurde von Schiri Eugen Ostrin aus Eisenach lediglich mit Gelb bestraft.

Welche Strafe droht Benjamin Förster nach seinem Platzverweis? Das Sportgericht des Nordostdeutschen Fußball-Verbandes (NOFV) entscheidet über das Strafmaß nach diesem Platzverweis. Entscheidend ist dabei, ob es das Verhalten von Benjamin Förster als Tätlichkeit wertet. In Paragraf 32, Absatz 1, der Rechts- und Verfahrensordnung des NOFV sind Tätlichkeiten gegen den Gegner mit "mindestens sechs Wochen Sperre, in leichteren Fällen mindestens drei Wochen Sperre" sanktioniert.

Strafmildernd könnte sich jedoch auswirken, dass die TV-Bilder eindeutig zeigen, wie Förster von seinem Gegenspieler durch den Fußtritt provoziert wird. In Absatz 5 heißt es dazu: "Wenn ein Spieler oder sonst Betroffener nachweisbar unmittelbar vor seinem Verstoß selbst Opfer einer sportwidrigen Handlung gewesen ist, kann die Strafe bis zur Hälfte der Mindeststrafe herabgesetzt werden."

Warum hängt Wollitz das Thema Disziplin so hoch? Gegen Bautzen gewann Energie das Spiel mit 3:1 - trotz der roten Karte gegen Förster und José-Junior Matuwila in der 77. Minute wegen wiederholten Foulspiels. Gegen stärkere Kontrahenten wird eine solche personelle Schwächung aber schwerer zu kompensieren sein. "Die Sehnsucht nach Profifußball in der Region ist groß. Um dieses Ziel zu erreichen, brauchen wir absolute Disziplin, absolute Hingabe und absolute Professionalität", warnt Wollitz deshalb jetzt noch einmal mit Nachdruck. Zumal davon auszugehen ist, dass es nicht die letzte Provokation gewesen sein dürfte. Auf dieses Mittel, den Spielfluss des FCE zu stören, werden in den kommenden Wochen sicher auch andere Teams zurückgreifen.

Heißt das also zusammenfassend, dass Förster gegen Stuttgart doch in der Startelf steht? Nicht zwingend. Für die Liga-Spiele dürfte die Rückkehr zum taktischen System mit nur einer Spitze - also Streli Mamba - zwar beschlossene Sache sein. Energie hat mit dem 19-jährigen Gabriel Boakye nur noch einen weiteren Stürmer, der zuletzt aber nicht den Sprung in den 18er-Kader schaffte. Eins zu eins ist Förster ohnehin nicht zu ersetzen. Aber auch im Pokal gegen den VfB Stuttgart könnte dieses System mit dem schnellen Mamba als einziger Spitze ein probates Mittel sein, um der zu erwartenden Übermacht des Favoriten zu begegnen.

Denn Energie wird gegen den VfB vor allem in der Defensive gefordert werden und bei Weitem nicht so viele Spiel anteile haben wie in der 4. Liga. Wollitz stellt in jedem Fall klar: "Wenn Benni nicht spielen sollte, dann hat das nichts mit der roten Karte zu tun."

Zum Thema:
In der 1. Landespokal-Runde spielt Energie am Mittwoch, 23. August, beim BSC Preußen Blankenfelde-Mahlow. Die Partie gegen den Landesligisten beginnt um 19 Uhr, gab der Landesverband am Montag bekannt. Der Ausweichtermin wurde nötig, weil Energie an diesem Wochenende im DFB-Pokal gegen den VfB Stuttgart im Einsatz ist.