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Heiliger Vater: Eduard Geyer gegen den Vatikan

Eduard Geyer und sein Team treffen auf die Nationalmannschaft des Vatikan, für die auch Wächter aus der berühmten Schweizergarde spielen
Eduard Geyer und sein Team treffen auf die Nationalmannschaft des Vatikan, für die auch Wächter aus der berühmten Schweizergarde spielen FOTO: Imago
Wittenberg. Dieser Job ist selbst für Trainer-Legende Eduard Geyer (72) eine Premiere. In Wittenberg steht er am Samstag gegen das Nationalteam des Vatikan an der Seitenlinie. Schiri des Benefizspiels ist, na klar, der Herr Luther. Frank Noack

Eduard Geyer hat in seiner langen und erfolgreichen Trainer-Karriere viele aufregende Partien erlebt - auch Länderspiele als Chefcoach der DDR-Auswahl. Gegen die Nationalmannschaft des Vatikans ist er aber noch nie angetreten. Heiliger Vater, an diesem Samstag ist es soweit! Im Rahmen des Gedenkjahrs zu 500 Jahre Reformation und Martin Luther betreut Geyer in Wittenberg eine örtliche Benefiz-Elf im Duell gegen das Team mit dem klangvollen Namen Rappresentativa Dipendenti Vaticani. Anpfiff ist um 17 Uhr im Arthur-Lambert-Station.

Und Eduard Geyer weiß natürlich, was die Leute von einem Trainer Geyer erwarten. Einem Trainer, der Energie Cottbus in die Fußball-Bundesliga geführt hat. "Ich will jedes Spiel gewinnen", hat der 72-Jährige in dieser Woche im Gespräch mit der "Mitteldeutschen Zeitung" noch einmal klargestellt. Und er ergänzte vielsagend: "Wenn die Jungs das auch wollen, wird es klappen."

"Die Jungs" - das ist das sogenannte Benefiz-Team Luther aus Wittenberg, alles Hobbykicker aus der Region, die für einen guten Zweck auflaufen. Ein Teil der Einnahmen kommen diesmal einem Hospiz sowie einem an Leukämie erkrankten Wittenberger Kind zugute.

Im richtigen Leben sind die Hobbykicker übrigens Unternehmer, Polizist, Rechtsanwalt oder Zahnarzt. Rund 1000 Besucher werden zu dem Freundschaftsspiel erwartet. Die Eintrittskarte kostet vier Euro. Doch auch sportlich, das kann man jetzt schon sagen, steht einiges auf dem Spiel. Denn vor zwei Jahren trat das Team Luther zum Hinspiel in der italienischen Hauptstadt Rom an und kassierte damals in einer wahren Hitzeschlacht im Stadion Pio XII. am Rande Roms eine 0:1-Niederlage.

Nun ist also Wiedergutmachung angesagt, auch wenn das selbst mit der Hilfe von Geyer keine einfache Aufgabe werden dürfte. Denn nach Angaben von Katholisch.de, dem Internetportal der katholischen Kirche in Deutschland, rekrutieren sich die jungen Kicker der Vatikan-Auswahl überwiegend aus Schweizergardisten, Museumswächtern und anderen vatikanischen Angestellten. Da der Kirchenstaat aber weder Mitglied des Weltfußballverbandes Fifa noch des europäischen Kontinentalverbandes Uefa sei, nehmen die Mannschaften in den weiß-gelben Trikots nicht an Qualifikationsspielen zu Welt- und Europameisterschaften teil. Der Wittenberger Karl-Heinz Röthel, der gemeinsam mit Eduard Geyer das Team der Gastgeber betreuen wird, räumt ein: "Der Vatikan ist uns sportlich überlegen, das sind alles so junge Burschen."

Vor allem aber geht es ja um den guten Zweck und um Völkerverständigung fernab von konfessionellen Grenzen. "Wir sind der lebende Beweis, dass Menschen unterschiedlicher Konfessionen fair und locker miteinander Sport treiben können", betont Röthel, der gemeinsam mit Geyer das Team der Gastgeber betreuen wird.

Er freut sich natürlich auf die Zusammenarbeit mit dem impulsiven Sachsen. "Eduard Geyer ist an der Seitenlinie bekanntlich kein Plüschtier", erklärte Röthel in der "Mitteldeutschen Zeitung".

Zumal Geyer mit Italien ja auch noch eine Rechnung offen hat. Seine Bilanz als Nationaltrainer der DDR ist mit acht Siegen, zwei Unentschieden und zwei Niederlagen zwar recht ordentlich. Und doch ist da auch das schmerzhafte Aus in der Qualifikation für die Weltmeisterschaft in Italien 1990. Eine Woche vor dem entscheidenden Spiel gegen Österreich fiel die Mauer und Geyers Spieler dachten fortan vor allem an die lukrativen Profiverträge. Letztlich verlor die DDR-Auswahl in Wien und Eduard Geyer konnte sich den Traum von der WM in Italien doch nicht mehr verwirklichen.

Karl-Heinz Röthel und die Hobbykicker vom Team Luther wurden dagegen vor zwei Jahren beim Besuch in Rom im Vatikan empfangen. Deshalb wollen die Lutherstädter diesmal ebenfalls vorbildliche Gastgeber sein. Sie haben ein spannendes Programm zusammengestellt. Neben einer Stadtrundfahrt ist der Besuch des Panometers "Luther 1517" geplant. Für den Freitagabend war die Rappresentativa Dipendenti Vaticani jedoch erst einmal zu einem zünftigen Grillabend beim Team Luther eingeladen.

Übrigens: Schiedsrichter im Benefizspiel am Samstag ist natürlich auch ein Luther, genauer gesagt Alrik Luther. Der 37-jährige Referee aus Halle pfeift normalerweise in der Verbandsliga Sachsen-Anhalt.

Zum Thema:
Eduard Geyer ist bis zu seinem 14. Lebensjahr in die evangelische Kirche gegangen, erzählt er in seiner Biografie "Einwürfe" von Gunnar Meinhardt. "Vor allem gern in die Junge Gemeinde, weil es dort nachmittags immer tolle Veranstaltungen gab."
Heute geht der 72-Jährige "hin und wieder in die Kirche, um sie mir anzuschauen. Ich setze mich hin und zünde eine Kerze an. Gottgläubig bin ich nicht."
Sein Glaube? "Man muss zuallererst an sich glauben, dass man sein eigenes Leben strukturiert in die richtigen Bahnen lenken kann. Dazu gehören vor allem die Familie und der Familienumkreis. Andere bauen dir keine Brücken."