| 02:40 Uhr

Große Chance für den Kleinsten

FOTO: dpa
Cottbus. Rückkehrer Felix Geisler spielt, als wäre er nie weg gewesen. Bei Energie ist er Einwechsler vom Dienst. Klar, sein Ziel ist natürlich die Startelf. Im DFB-Pokal könnte es soweit sein. Frank Noack

Die gute Nachricht aus Sicht von Felix Geisler lautet: Der Rückkehrer hat bisher alle drei Saisonspiele für Energie Cottbus in der Fußball-Regionalliga Nordost bestritten. Die schlechte Nachricht: Er saß in allen drei Partien zunächst auf der Bank und wurde dann eingewechselt. Wenn man sich die Statistik bei den drei Siegen gegen die TSG Neustrelitz, Chemie Leipzig und Budissa Bautzen etwas genauer anschaut, steckt jedoch auch darin eine gute Nachricht. Denn Felix Geisler kam dabei trotzdem noch auf ansehnliche Einsatz zeiten von 20 Minuten und mehr pro Spiel.

Auch am Samstag gegen Bautzen sorgte der 20-jährige Mittelfeldspieler nach seiner Einwechslung für frischen Wind auf der Außenbahn und erzielte außerdem das entscheidende Tor zum 3:1-Sieg trotz doppelter Unterzahl. Der Einwechsler vom Dienst betont: "Natürlich möchte ich mich jetzt auch in die Startelf spielen. Ich werde auf jeden Fall weiter angreifen."

Die große Chance für den mit 1,68 Metern kleinsten Spieler im Team des FC Energie könnte schon am Sonntag im DFB-Pokalspiel gegen den VfB Stuttgart kommen (18.30 Uhr, LR-Liveticker). Denn nach der roten Karte von Benjamin Förster gegen Bautzen und der drohenden Sperre in den Liga-Spielen für den Torjäger hatte FCE-Trainer Claus-Dieter Wollitz eine Systemänderung angekündigt, die auch schon im Duell mit dem Bundesliga-Aufsteiger aus Schwaben ein Thema sein dürfte.

Konkret erwägt Wollitz, mit nur noch einer Spitze zu spielen. Und das hätte dann natürlich zwangsläufig auch Konsequenzen für die Besetzung des Mittelfeldes. "Wir werden Mittelfeldspieler opfern müssen", hatte der Coach erklärt und nahm dabei speziell die Zentrale ins Visier.

Außenbahnspieler Felix Geisler ist nach den Eindrücken der ersten drei Saisonspiele in der Regional liga ein ganz heißer Kandidat als Nachrücker für die Startelf. Auch, weil er beim Gegenpressing, also der Eroberung des Balles, mit seiner Schnelligkeit enorm wertvoll für die Mannschaft ist.

Mit seinen erfrischenden Dribblings fand der gebürtige Luckauer, der seine Karriere bei Blau-Weiß Vetschau begann, zudem auch den Weg zurück in die Herzen der Fans, die ihm den im Rückblick recht holprigen Wechsel zum FSV Zwickau inzwischen verziehen haben. Vor gut einem Jahr, als Energie aus der 3. Liga abgestiegen war, sah das ganz anders aus. Es hagelte vor allem im Internet teilweise ehrabschneidende Kommentare gegen den ehemaligen Schüler der Sportschule. Geisler hatte seinen Verbleib in Cottbus zunächst von der Zukunft von Trainer Wollitz abhängig gemacht. Wollitz blieb trotz des Abstieges - Geisler ging dann aber doch. Bei vielen Beobachtern blieb der Eindruck zurück, dass er seinen Ausbildungsverein durch die Hintertür verlassen habe.

Das sportliche Glück fand der Blondschopf in Westsachsen nicht. Magere vier Pflichtspiel-Einsätze über insgesamt 99 Minuten stehen in seiner Bilanz - für die komplette Saison wohlgemerkt. Menschlich und körperlich habe er sich trotzdem in Zwickau weiterentwickelt, findet Geisler.

Trotzdem war im Sommer schnell klar, dass er nach Cottbus zurückkehrt. "Manchmal weiß man eben erst, was man hatte, wenn man es nicht mehr hat. Zum Beispiel die Heimat - und einen Trainer, der auf einen setzt", sagte er damals.

Wollitz hatte sich bereits vor dem ersten Pflichtspiel bei jenen Profis im Kader entschuldigt, die trotz starker Leistungen in der Vorbereitung keine Berücksichtigung für die Startelf fanden. Einer dieser Spieler war Geisler, dem Wollitz eine "top Vorbereitung" attestiert.

Darf der Rückkehrer nun also gegen Stuttgart zum ersten Mal von Anfang an ran? Das erlösende Tor gegen Bautzen bescherte Geisler weiteres Selbstvertrauen. Mögliche Anpassungsprobleme hat er längst weggedribbelt: "Von der Mannschaft wurde ich sowieso klasse aufgenommen. Dennoch ist dieses Tor wichtig für meinen ganz persönlichen Seelenfrieden."

Der Kleinste im Team scheint also bereit zu sein, um die große Chance am Sonntag beim Schopf zu packen. Entweder zum ersten Mal in der Startelf oder aber wieder als Einwechsler vom Dienst.