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Graubrot zum Kaffeeklatsch

FCE-Verteidiger Marcel Baude (l.) und seine Cottbuser Kollegen taten sich gegen die insgesamt harmlosen Fürstenwalder schwer.
FCE-Verteidiger Marcel Baude (l.) und seine Cottbuser Kollegen taten sich gegen die insgesamt harmlosen Fürstenwalder schwer. FOTO: Steffen Beyer
Cottbus. Am Ende war es für Energie Cottbus und die 4869 Zuschauer im Stadion der Freundschaft eine Qual: Der 1:0-Sieg gegen Union Fürstenwalde bringt zwar drei Punkte für die Jagd auf Tabellenführer Jena. Doch so richtig glücklich war am Sonntagnachmittag damit kein Cottbuser. Jan Lehmann

Dieses famose 11:1 hatte Appetit gemacht. Doch nach der Sahnevorstellung des FC Energie beim Kantersieg im Landespokal in Seelow gab es für die Cottbuser Zuschauer zur besten Kaffeeklatsch-Zeit am Sonntagnachmittag im Stadion der Freundschaft statt der erhofften Tore-Torte wieder nur Graubrot.

Schiedsrichter Wilske erlöste mit dem Schlusspfiff die Cottbuser Profis und ihre Fans von einer Quälerei. Erzürnt musste FCE-Trainer Claus-Dieter Wollitz nach der von seiner Mannschaft über weite Strecken einseitig, aber einfallslos geführten Partie durchschnaufen. Bei der Pressekonferenz spülte der Coach seinen Ärger mit einer großen Tasse Kaffee herunter - ohne Torte.

Sein Ärger war verständlich: Dass das 1:0-Siegtor in der 27. Minute aus einem Handelfmeter resultierte - Fabio Viteritti traf flach ins rechte Eck - war bezeichnend für die höhepunktarme Partie. Dass Außenseiter Fürstenwalde nach der gelb-roten Karte für Arbnor Dervishaj ab der 58. Minute nur noch in Unterzahl agierte, ließ den Cottbuser Auftritt noch trüber erscheinen. Und dass die bis dato harmlosen Gäste in der 86. Minute eine hundertprozentige Chance durch den eingewechselten Will Siakam hatten, war dann nur noch erschreckend. Energie-Keeper Alexander Meyer reagierte großartig und sorgte dafür, dass beim Sonntagskaffee wenigstens das Geschirr heil blieb.

Wollitz formulierte diplomatisch: "Fußball ist ein Ergebnissport, das Ziel haben wir erreicht. Wieder kein Gegentor, der Gegner hatte bis auf die Situation kurz vor Schluss keine Chance." Doch das war nur der angestrengt nüchterne Teil des Resümees, zu dem man noch hinzufügen möchte, dass Energie nunmehr aus den letzten sieben Pflichtspielen sechs Siege und ein Remis geholt hat. Besser geht es kaum, jedenfalls in Sachen Ausbeute.

Und dennoch geht es um einiges besser, zumindest in Sachen Spielkultur und Torgefahr. Mittelfeldspieler Tim Kruse bestätigte: "Unterm Strich war das zu wenig." Und sein Kollege Fabio Viteritti wusste auch, warum: "Die Bewegung hat gefehlt, jeder hat einen Schritt weniger gemacht als nötig - erst recht nach der gelb-roten Karte. So konnten wir den Gegner nicht ausspielen."

Ein Fazit, das auf einige Heimspiele in dieser Saison passt. Erst vier Tore hat Energie bisher in der Regionalliga im Stadion der Freundschaft erzielt. Nur die Kellerkinder Auerbach (3), Meuselwitz (2) und eben Fürstenwalde (3) haben weniger auf dem Konto. FCE-Trainer Wollitz konstatierte: "Wir schaffen es nicht, zu Hause den Rucksack abzulegen. Wir sind nicht richtig angedribbelt, hatten keine Vororientierung. Alles, was uns auswärts so unfassbar gut macht, müssen wir auch in den Heimspielen hinkriegen. Sonst werden wir öfter solche Spiele erleben."

Es ist die Krux dieser Liga, dass Energie zum Siegen verdammt ist. Deshalb findet man nach solchen Kampfspielen schnell das Haar in der Suppe, oder besser gesagt auf dem Kuchen. Doch für den FCE geht es eben auch darum, die Fans bei Laune zu halten. Jeder Zuschauer zählt - emotional und finanziell. Und obwohl der gemeine Lausitzer nichts gegen eine deftige Stulle einzuwenden hat, ab und an sollte der FCE in den Heimspielen auch mal was Süßes servieren.