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| 18:13 Uhr

Der Energie-Neuzugang bringt viel Erfahrung mit
Gjasula: Erst Messi und jetzt Meppen

 Der Vertrag von Jürgen Gjasula (l.) verlängert sich bei Klassenerhalt.
Der Vertrag von Jürgen Gjasula (l.) verlängert sich bei Klassenerhalt. FOTO: Steffen Beyer
Cottbus. Jürgen Gjasula spielte in der Champions League schon gegen den FC Barcelona. Nun kämpft der Neuzugang mit Energie Cottbus um die sportliche Existenz in der 3. Fußball-Liga. Er will dabei wieder eine Führungsrolle übernehmen – so wie immer. Von Frank Noack und Steven Wiesner

Er kam, spielte und war gleich der neue Chef im Mittelfeld von Energie Cottbus. Das Debüt von Jürgen Gjasula im FCE-Trikot verlief trotz der 1:2-Heimniederlage gegen die Würzburger Kickers vielver­sprechend. Denn der 33-jährige Neuzugang versuchte, mit seiner  physischen Präsenz und selbstbewussten Körpersprache das Spiel an sich zu reißen. „Gjasula hat seine fußballerische Klasse gezeigt“, ­analysierte Trainer Claus-Dieter Wollitz.

Diese fußballerische Klasse wird Jürgen Gajasula zweifellos auch in den nächsten Wochen und Monaten im Kampf um den Klassenerhalt in der 3. Fußball-­Liga brauchen. Denn seine Aufgabe ist alles andere als einfach. Der Routinier ist die vielleicht wichtigste Neuverpflichtung in der Winter-Transferperiode. Der 1,89 Meter große Gjasula soll das von Verletzungen gebeutelte Mittelfeld des Aufsteigers neu ordnen und strukturieren. Der Anfang gegen Würzburg war von der Leistung her akzeptabel, vom Ergebnis her dagegen enttäuschend. „Wir ­haben alles rausgehauen und sehr unglücklich verloren“, meinte der Neuzugang nach seinem Debüt.

Die Naivität, mit der Energie bisweilen zu Werke ging und sich sowohl in der Defensive als auch in der Offensive erhebliche Patzer leistete, dürfte auch dem neuen Chef im ­Mittelfeld nicht entgangen sein.

Immerhin hat der gebürtige Al­baner in seiner langen Karriere schon eine Menge erlebt. Sie startete beim SC Freiburg. Als Jürgen Gjasula vier Jahre alt war, zogen seine Eltern von Albanien in den Breisgau. Sein Bundesliga-Debüt feierte der Mittelfeldspieler in der Saison 2004/05 beim 1. FC Kaiserslautern. Von dort ging es dann in die Schweiz zum FC St. Gallen sowie zum FC Basel. In der Saison 2008/09 bestritt er mit Basel auch zwei Spiele in der Champions League – unter anderem gegen den FC Barcelona mit Xavi, Thierry Henry und natürlich Superstar Lionel Messi. „Das sind schöne Er­innerungen“, hatte  er im Oktober im Fachmagazin „Kicker“ gesagt.

Neben diesen Glanzzeiten kennt der zweifache albanische Nationalspieler aber auch die Schatten­seiten des Geschäfts. Trotz der insgesamt 191 Zweitliga-Partien für den FSV Frankfurt, MSV Duisburg, VfR Aalen und die SpVgg Greuther Fürth wurde sein Vertrag in Fürth im Sommer nicht verlängert.  Dabei hatte Gjasula in der vergangenen Saison 26 Spiele bestritten.

Der Abschied aus Fürth verlief nicht ohne Turbulenzen. Den Vorwurf, dass er als Führungsspieler zu den internen Kritikern des damaligen Trainers Janos Radoki gehört haben soll, wies Gjasula im ­„Kicker“ zurück: „Das wurde von außen behauptet. Ich hatte keine Probleme mit ihm. Ich hatte eine schöne Zeit in Fürth.“ Radoki wurde im August 2017 nach nur vier Spieltagen entlassen und war wegen seiner harten Trainingseinheiten gefürchtet.

Nach dem Abschied aus Fürth nach insgesamt drei Jahren machte Jürgen Gasula dann im Sommer eine ganz neue Erfahrung: Er war zum ersten Mal für einen längeren Zeitraum arbeitslos.  Als die 2. Bundesliga im August in die neue Saison startete, musste er allein trainieren: Laufen, dazu drei- bis  viermal die Woche Krafttraining. Bei den Würzburger Kickers durfte er für drei Wochen mitttrainieren, weil er Trainer Michael Schiele von früheren ­Stationen her kennt und schätzt. Eine wichtige Hilfe ist auch Bruder Klaus Gjasula (29), der beim SC Paderborn in der 2. Liga spielt.

Im Oktober unterschrieb Jürgen Gjasula dann in der Regionalliga Nordost bei Viktoria Berlin. Statt wie in der 2. Liga vor einer fünfstelligen Zuschauerzahl aufzulaufen, spielte er zwar vor nur einigen Hundert – aber er spielte wieder.

Als Führungsspieler wollte er ein Projekt mit aufbauen. Damals träumte man bei Viktoria Berlin – 1908 und 1911 immerhin deutscher Meister – von der Rückkehr zu alten Glanzzeiten. Möglich machen und bezahlen sollte die Auferstehung ein Investor aus China, der im Mai eine langfristige Vereinbarung unterzeichnet hatte. Im Dezember musste Viktoria  Berlin dann allerdings Insolvenz anmelden, weil die Zahlungen ausblieben.

Energie nutzte die Chance und holte Jürgen Gjasula in die Lausitz. Der Vertrag des Routiniers läuft bis Ende der Saison und verlängert sich beim Klassenerhalt um ein Jahr.

Nach der Niederlage gegen Würzburg ist der Aufsteiger auf Tabellenplatz 18 gerutscht. An diesem Samstag wartet beim zuletzt zwei Mal siegreichen SV Meppen die nächste Herausforderung auf den FCE. Zeit zum Einspielen hat Jürgen Gjasula im Prinzip nicht, weil Energie Cottbus dringend Punkte benötigt. „Es ist nicht einfach, neu reinzukommen, es sind alles neue Spieler und neue Charaktere für mich. Ich versuche Tag für Tag, die Mannschaft besser kennenzulernen“, berichtete Gjasula nach dem Würzburg-Spiel. „Ich probiere, Einfluss zu nehmen aufs Spiel, meine Erfahrung mit einzubringen. Mit einem Sieg zum ­Einstand wäre es sicher einfacher gewesen, aber so ist Fußball.“

Das Gute daran ist: In diesem ­Fußballgeschäft kennt sich Jürgen Gjasula bestens aus. Er weiß deshalb ganz genau, dass die Herausforderung manchmal Messi heißt. Und jetzt eben Meppen.

 Mit dem FC Basel spielte Jürgen Gjasula in der Champions League.
Mit dem FC Basel spielte Jürgen Gjasula in der Champions League. FOTO: imago sportfotodienst
     Mit dem FSV Frankfurt gastierte er auch im Stadion der Freundschaft (hier gegen Markus Brzenska/r.)
Mit dem FSV Frankfurt gastierte er auch im Stadion der Freundschaft (hier gegen Markus Brzenska/r.) FOTO: picture alliance / dpa / Thomas Eisenhuth
     Bei der SpVgg Greuther Fürth war Gjasula von 2015 bis 2018 unter Vertrag.
Bei der SpVgg Greuther Fürth war Gjasula von 2015 bis 2018 unter Vertrag. FOTO: picture alliance / dpa / Roland Weihrauch