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Geld oder Gelb – was tut Energie mehr weh?

Beim 5:0 (2:0) in Vetschau traten Marcel Baude (l.) und seine Energie-Kollegen überraschend in Schwarz-Gelb an.
Beim 5:0 (2:0) in Vetschau traten Marcel Baude (l.) und seine Energie-Kollegen überraschend in Schwarz-Gelb an. FOTO: Steffen Beyer/sby1
Cottbus. Bei Energie Cottbus steht an diesem Freitag die Mitgliederversammlung an. Die finanziellen Sorgen hat die Vereinsführung bereits vorab offenbart. Spannende Themen gibt es dennoch genügend. Jan Lehmann

Hosen runter! Dieser Werbe-Aufruf für eine Kampagne für Männergesundheit stand im Stadionheft "Energie-Echo" direkt neben der offiziellen Einladung für die Mitgliederversammlung des FC Energie an diesem Freitag (18 Uhr, Sporthalle am Stadion der Freundschaft).

Sicher nur Zufall, schließlich dürfte das keine Hosen-runter Veranstaltung werden. Zwar wird der Verein wie üblich die Zahlen des zurückliegenden Geschäftsjahres präsentieren. Doch die sind im Grunde nichts Neues mehr. Denn wenn man so will: Der FCE hat sich vorher schon nackig gemacht.

FCE-Präsident Michael Wahlich hatte im Zuge der neuen Transparenz schon zu Jahresbeginn in Fanforen und beim Mitglieder-Stammtisch die schwierige finanzielle Lage des Clubs offenbart. Danach hatte er in der RUNDSCHAU erklärt, warum ein "ziemlich bester Freund", wie es Wahlich bezeichnete, dem FCE helfen musste, mit der Zeichnung von Genussscheinen ein Finanzloch in Höhe eines mittleren sechsstelligen Euro-Betrages zu schließen. Ein Minus von etwa 500 000 Euro - das dürfte also jene fehlende Zahl sein, die in der RUNDSCHAU-Grafik für die Bilanz des Geschäftsjahres 2016 eingetragen werden muss.

Also alles klar vor der dies jährigen Mitgliederversammlung? Mitnichten! Die RUNDSCHAU nennt die spannendsten Themen.

Beitragserhöhung: Energie will am Freitag über die Erhöhung des Mitgliedsbeitrages abstimmen lassen. Bisher liegt der bei 66 Euro im Jahr. Der neue Jahresbeitrag soll so um die 100 Euro liegen. Der Verein regt zudem eine Sonderumlage an. Dazu ist er laut Satzung berechtigt. Abgestimmt wird darüber, ob jedes Mitglied einmalig 33 Euro bezahlt. Mit dem Geld soll das Nachwuchsleistungszentrum am Südstadion renoviert werden.

"Philipp-Millionen": Angesichts dieser angedachten Mehrbelastung für die Mitglieder - auch die Eintrittspreise werden angehoben - dürfte es eine Diskussion um die sogenannten "Philipp-Millionen" geben. Dank einer Transferklausel wird der FCE mit zehn Prozent an der Ablöse für den ehemaligen Cottbuser Maximilian Philipp beteiligt, der aus Freiburg nach Dortmund gewechselt ist. Die Ablöse soll 15 Millionen Euro plus einer Erfolgsprämie in Höhe von fünf Millionen Euro betragen. Heißt: Energie kann mit mindestens 1,5 Millionen Euro rechnen. Wahlich wird darstellen müssen, was der Verein damit vorhat.

Geisterspiel-Debatte: Nach dem Urteil des Sportgerichts des Nordostdeutschen Fußballverbandes (NOFV), das Energie für Zuschauerverfehlungen mit einer Geld strafe von 16 000 Euro und einem Geisterspiel, also einer Partie unter Ausschluss der Öffentlichkeit, verurteilt hat, will der Verein alle rechtlichen Mittel ausschöpfen. Der FCE-Verwaltungsratsvorsitzende Matthias Auth betont: "Es kann nicht sein, dass wir als Verein für Dinge zur Verantwortung gezogen werden, die wir nicht zu verantworten haben." Für den Gang durch möglicherweise auch zivilrecht liche Instanzen wird sich der Vorstand sicher die Rückendeckung bei den Mitgliedern einholen. Soziales Engagement: Im Zuge der eklatanten rechtsradikalen Ausschreitungen in Babelsberg und der damit verbundenen NOFV-Strafe hat der FCE-Verwaltungsratsvorsitzende Auth erklärt: "Wir haben mit der Initiative für Vielfalt & Toleranz, der klaren Botschaft ‚Kein Platz für Nazis' sowie der Teilnahme am Plenum des ‚Cottbuser Aufbruch' mehrfach und vor allem deutlich Position bezogen und stellen uns entschlossen gegen Rassismus, Extremismus und Gewalt." Zuletzt gab es mit dem "Cottbuser Aufbruch" die gemeinsame Entscheidung, dass der FCE regelmäßiger Bestandteil des Plenums für Demokratie und Toleranz sein werde. Am Freitag dürfte besprochen werden, wie der FCE diesen eingeschlagenen Weg weitergeht.

Trikotfarbe: Denkbar, dass auch über eine ungewohnte Trikotfarbe diskutiert wird. Beim 5:0-Testspielsieg am Mittwoch in Vetschau (Tore: Viteritti, Schlüter, Förster, Ziegenbein, Boakye) war Energie in neongelben Auswärts-Jerseys und schwarzen Hosen angetreten. Auf dem Vetschauer Sportplatz und im Internet wurde heftig darüber debattiert. Auf dem Facebook-Kanal der RUNDSCHAU-Sportredaktion beispielsweise befand Andreas Döring:"Ich find die Trikots nicht toll. Kein Bezug zu den Vereinsfarben. Aber das ist ja Geschmackssache." Einige Anhänger bemängeln, dass Schwarz-Gelb zum FCE- Erzrivalen Dynamo Dresden gehöre.

Mal sehen, was den Energie Mitgliedern also mehr weh tut: Die angedachte Erhöhung der Beiträge - oder diese Farbwahl.