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| 17:08 Uhr

Fußball
Gegnerische Gemeinsamkeiten

Sagt Energie-Trainer Wollitz seinen Profis hier: „Münster hat dreimal in Folge verloren“? Wohl nicht. Schließlich hat der FCE ähnliche Sorgen.
Sagt Energie-Trainer Wollitz seinen Profis hier: „Münster hat dreimal in Folge verloren“? Wohl nicht. Schließlich hat der FCE ähnliche Sorgen. FOTO: Frank Hammerschmidt
Cottbus. Der FC Energie Cottbus trifft am Freitagabend bei SC Preußen Münster auf einen Konkurrenten mit ähnlichen Sorgen. Punkte brauchen beide Teams dringend. Von Jan Lehmann

In den Farben getrennt, in den Problemen vereint. Wenn Preußen Münster und Energie Cottbus an diesem Freitagabend (19 Uhr/LR-Liveticker) aufeinandertreffen, dann sind das zwei Gegner mit Gemeinsamkeiten. Münster hat zuletzt dreimal in Folge verloren, Energie ist seit fünf Spielen ohne Sieg. Doch nicht nur sportlich haben die beiden Clubs ähnliche Schwierigkeiten – auch wirtschaftlich gibt es Parallelen. „Wir stoßen mit unserem ­engen Kader und geringen Möglichkeiten an unsere Grenzen“, so Preußen-Trainer Marco Antwerpen mit einem Fazit, das auch von seinem Cottbuser Kollegen Claus-Dieter Wollitz stammen könnte.

Münster wie auch Cottbus schleppen finanzielle Altlasten mit sich herum. Bei den Preußen war im Dezember 2017 eine so bezeichnete „Unterkapitalisierung“ von mehr als drei Millionen Euro bekannt geworden, zeitweise wurde sogar um die Drittliga-Lizenz gebangt. Bei Energie hat die Abstiegssaison 2015/16 viel Geld und die Zeit in der Regionalliga viel Substanz gekostet.

Der FCE ging deshalb mit nahezu unveränderter Aufstiegsmannschaft und einem der kleinsten Etats ins Drittliga-Rennen. Die Cottbuser müssen also wie Münster extrem sparsam sein. FCE-Trainer Wollitz verdeutlichte: „Ein Trainingslager würde uns 30 000 Euro kosten – da frage ich den Verein gar nicht erst.“ Er wisse, dass im Präsidium alles versucht werde, um die Mannschaft zu stärken und so ein Trainingslager vielleicht auch gestemmt werden würde. „Aber das würde den Verein zusätzlich belasten, und das will ich nicht“, so Wollitz.

Auch einen weiteren Neuzugang „auf Pump“ wolle er nicht. Dabei sind die finanziellen Nachteile vor allem auf dem Transfermarkt spürbar. So wollten die Preußen zuletzt Mittelfeldspieler Lars Dietz von Union Berlin ausleihen. „Wir konnten Union nicht einmal ein Angebot zur Ausleihe unterbreiten. Dazu fehlten uns die Möglichkeiten“, so Antwerpen gegenüber „Bild“. Energie musste derweil die Absage von Manuel Janzer hinnehmen, der aus Kiel lieber nach Braunschweig ging. Eine kurzfristige Ausleihe von René Guder vom SV Wehen Wiesbaden konnte auch nicht realisiert werden.

Die ungleichen Verhältnisse in der Liga sind aktuell frappierend. So demonstrierte zuletzt Spitzenreiter KFC Uerdingen mit der Verpflichtung des langjährigen Kölner Verteidigers Dominic Maroh, dass Geld bei manchen Clubs offenbar keine Rolle spielt. Etwa acht Millionen Euro soll der Etat der Krefelder betragen, inzwischen haben sie elf Akteure mit Erstliga-Erfahrung in ihren Reihen, darunter Weltmeister Kevin Großkreutz.

Energie und Münster, bei denen der Etat jeweils etwa nur etwa ein Drittel der Uerdinger Möglichkeiten zulässt, müssen diesen Nachteil mit Einsatz kompensieren. Preußen-Coach Antwerpen beschreibt: „Vorm Einschlafen drehen sich meine Gedanken noch um die Mannschaft und was wir verbessern können. Morgens wache ich mit der gleichen Frage auf.“

Und auch Wollitz kann sich den Erfolg nicht kaufen. Er setzt weiter auf den Zusammenhalt: „Du brauchst die Ruhe, die Rückendeckung, die Unterstützung.“ Und eben auch Punkte für den Klassenerhalt. Drei weitere Zähler würden zumindest die sportliche Situation bei beiden Clubs entschärfen. Entsprechend umkämpft wird das Flutlichtspiel am Freitagabend in Münster sein. Trainer Wollitz betont: „Wir wissen, was da auf uns zukommt.“

Aufstellung
Aufstellung FOTO: lr / LR