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| 02:42 Uhr

Gefährliches Spiel mit Marcelo

Traumhaftes Debüt: 13 Minuten benötigte Neuzugang Marcelo nach der Einwechslung für sein erstes Tor für den FC Energie Cottbus. Er sagt über den Treffer: "Ich habe lange gewartet und bin froh, dass der Ball genau auf mich kam."
Traumhaftes Debüt: 13 Minuten benötigte Neuzugang Marcelo nach der Einwechslung für sein erstes Tor für den FC Energie Cottbus. Er sagt über den Treffer: "Ich habe lange gewartet und bin froh, dass der Ball genau auf mich kam." FOTO: Steffen Beyer
Cottbus. Eigentlich wollte Trainer Wollitz den Neuzugang gar nicht einwechseln, um seine anderen Profis nicht zu brüskieren. Doch weil Energie zu harmlos ist, darf der Brasilianer doch ran – und schießt den FCE zum 1:0-Sieg gegen Schönberg. Jan Lehmann und Frank Noack

Alarm! Es piept! Immer wieder, immer lauter. Nach dem Heimsieg gegen den FC Schönberg spielt die Pulsuhr von Energie-Trainer Claus-Dieter Wollitz verrückt. "Der Puls geht jetzt erst langsam wieder runter", erklärt Wollitz nach einem schwierigen Spiel, das ihm sicher nicht nur vor Freude Herzklopfen bereitet hat.

Dabei ist die Geschichte des FCE-Punktspielstarts ins Jahr 2017 herzerwärmend: Neuzugang Marcelo wird vor 4131 zitternden Zuschauern in der 61. Minute eingewechselt und schießt Energie bereits 13 Minuten später zum Sieg. Erstes Spiel, erstes Tor, erster Sieg - der 22-Jährige sagt glücklich: "Das ist ein Traum für mich."

Nicht nur für ihn, sondern auch für die FCE-Fans. Ein Brasilianer, der bei Minusgraden kurzärmlig das Siegtor schießt - der ist natürlich auf bestem Wege, in die Fußstapfen der Bittencourts oder da Silvas zu treten und der nächste Cottbuser Publikumsliebling vom Zuckerhut zu werden.

Doch immer langsam, die piepende Pulsuhr des Trainers ist ein Warnsignal. Der Coach gibt zu: "Es war nicht der Matchplan, Marcelo einzuwechseln. Doch ich hatte keine kreativen Spieler auf der Bank." Weil seine Mannschaft in den ersten 45 Minuten nichts wirklich Gefährliches zustande brachte, warnte Wollitz in der Pause: "Wir spielen mit dem Feuer." Ganz klar: Eine Niederlage gegen die gut gestaffelten Schönberger, die bei Kontern sogar richtig gefährlich wurden, wäre fatal gewesen. Schließlich besiegte Meisterschaftskonkurrent Jena parallel Bautzen problemlos mit 4:0.

Und so ging auch Wollitz ein Risiko ein - mit der Einwechslung des Neuzugangs, der erst vor anderthalb Wochen unterschrieben hatte. Der Trainer berichtet, dass er dies mit einem etwas unguten Gefühl getan habe. Seine Sorge: Er könnte jene Spieler brüskieren, die seit Saisonbeginn um Einsatzzeiten kämpfen. Wollitz sagt: "Die anderen, die schon länger hier sind, darf man nie auf dem Weg verlieren. Das ist ein gefährliches Spiel für die Zukunft des Vereins."

Kurzfristig jedoch hat sich das Risiko ausgezahlt. Energie gewann dank der schwungvolleren zweiten Hälfte verdient, auch Schönbergs Trainer Axel Rietentiet gab zu: "Das Tor war nur eine Frage der Zeit." Dass ausgerechnet Marcelo beim Eckball von Lasse Schlüter genau richtig stand und den Ball mit dem Oberschenkel über die Linie drückte (74.), war der heiße Höhepunkt des ansonsten eisigen Nachmittags.

Nicht nur bei seinem Treffer zeigte der Brasilianer seinen Wert. In der hektischen Schlussphase gab er dem FCE mit einigen klugen Aktionen Struktur. Kapitän Marc Stein findet: "Man sieht, dass er uns helfen will und helfen kann." Doch der Führungsspieler betont auch: "Dass dies eine gewachsene Mannschaft ist, die ihm hilft, sieht man aber auch."

Die Frage lautet: Wie geht es weiter mit Marcelo? Wollitz sagt: "Er soll in der Perspektive ein wichtiger Spieler werden - er muss ein wichtiger Spieler werden. Doch wir dürfen die anderen nicht verlieren." Heißt wohl: Auch in den kommenden Wochen dürfte die Pulsuhr des Trainers bei möglichen Marcelo-Einsätzen ab und an mal laut werden.