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| 15:52 Uhr

Gedenken an Rechtsextremen
Oberbürgermeister sauer auf Energie Cottbus

FOTO: RBB / Screenshot
Cottbus. Die skandalöse Gedenkaktion an einen toten rechtsextremen Fan des Chemnitzer FC wirft auch ein schlechtes Licht auf den FC Energie Cottbus. Auch im Stadion der Freundschaft gab es ein Banner. Oberbürgermeister Holger Kelch ist sauer. Von Jan Lehmann und Andrea Hilscher

Die skandalöse Gedenkaktion an einen toten rechtsextremen Fan des Chemnitzer FC wirft auch ein schlechtes Licht auf den FC Energie Cottbus. Vor dem Spiel der Cottbuser am Samstag gegen Preußen Münster (3:0) war auch im Stadion der Freundschaft kurz ein Banner mit der Aufschrift „Ruhe in Frieden Tommy“ gezeigt worden. Damit war offenbar der Chemnitzer Thomas Haller gemeint, er galt als Mitbegründer einer rechtsextremen ehemaligen Organisation.

Der Cottbuser Oberbürgermeister Holger Kelch (CDU) reagierte am Montag mit Unverständnis darauf. In einer Pressemitteilung erklärte er: „Ich hätte von den Vereinsgremien mehr Sensibilität und auch an dieser Stelle eine klare Haltung erwartet. Eine solche Aktion ist zu verurteilen. Sie ist Wasser auf die Mühlen der rechtsextremen Szene, aber auch derer, die unsere Stadt pauschal in die rechte Ecke stellen.“

Auch bei Energie Cottbus ist man nach den Vorkommnissen des Wochenendes verärgert, vor allem wohl über die eigenen Fehler. Sprecher Stefan Scharfenberg-Hecht berichtete: „Das Banner wurde mit der Aussage, einem an Krebs verstorbenen Fan aus Chemnitz die letzte Ehre erweisen zu wollen, kurzfristig vor dem Spiel angemeldet und in der Folge zugelassen. Den Verantwortlichen war zu diesem Zeitpunkt nicht bekannt, um welche Person es sich hierbei handelte.“ Das Banner war nicht feuerfest, deswegen sei es aus Sicherheitsgründen nicht für die Nordwand sondern nur für den Innenraum genehmigt worden, hieß es.

Dass dann dort kurz vor Anpfiff bestens sichtbar an einen bekannten Rechtsextremen gedacht wurde, wirft ein schlechtes Licht auf den FCE. Augenzeugen berichteten, dass es dabei "Cottbus und Chemnitz, eine Festung"-Rufe aus dem unteren Bereich des H-Blocks gegeben habe. In der Fanszene besteht seit langem eine Verbindung zwischen Cottbus und Chemnitz die vor allem auf rechtsextremen Netzwerken basiert.

 Holger Kelch erklärte: „Ich hätte von den Vereinsgremien mehr Sensibilität und auch an dieser Stelle eine klare Haltung erwartet.“
Holger Kelch erklärte: „Ich hätte von den Vereinsgremien mehr Sensibilität und auch an dieser Stelle eine klare Haltung erwartet.“ FOTO: ZB / Patrick Pleul

Genau gegen diese Netzwerke will der FCE eigentlich vorgehen, hatte dafür das Vorgehen mit dem Verfassungschutz abgesprochen und zuletzt einen "Runden Tisch für Vielfalt" veranstaltet. Außerdem hat der Verein auch eine Stelle für einen hauptamtlich Beauftragten für Vielfalt und Toleranz ausgeschrieben, um sich „proaktiv für Vielfalt und Toleranz“ einzusetzen, wie es in der Stellenbeschreibung heißt.

Umso mehr ärgert die Cottbuser die Banner-Aktion vom Samstag. Sprecher Scharfenberg-Hecht betont: „Mit dem im Nachgang bekannt gewordenen Informationen hätten die Verantwortlichen der Präsentation des Banners keinesfalls zugestimmt. Wir werden gemeinsam mit unseren Netzwerkpartnern den Vorgang auswerten und daraus Lehren ziehen. Es ist vielmehr offensichtlich geworden, dass selbst im Falle von Beileidsbekundungen die Inhalte intensiv geprüft werden müssen. Das werden wir künftig tun.“

Der Chemnitzer FC hat derweil inzwischen Strafanzeige gestellt, weil er unter Androhung von massiven Ausschreitungen zu einer großangelegten Gedenkaktion beim Chemnitzer Regionalliga-Spiel gegen Altglienicke genötigt worden sei. Das erklärte CFC-Insolvenzverwalter Klaus Siemon am Montag.