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| 14:33 Uhr

Der tiefe Fall und der Kampf von Cedric Mimbala
Früherer Energie-Profi räumt Spielsucht ein

 Cedric Mimbala spielte von 2014 bis 2016 bei Energie Cottbus.
Cedric Mimbala spielte von 2014 bis 2016 bei Energie Cottbus. FOTO: Oliver Mehlis
Cottbus. Cedric Mimbala war Publikumsliebling bei Energie Cottbus. Dann rutschte er in die Spielsucht ab. Jetzt spricht er offen über den tiefen Fall, seinen Kampf und eine mögliche Rückkehr zum FCE. Von Frank Noack

Er gehörte zu den absoluten Publikumslieblingen bei Energie Cottbus. Er war aber auch ganz unten. Im Interview mit dem Fußball-Magazin „11 Freunde“ spricht der ehemalige Drittliga-Profi Cedric Mimbala jetzt erstmals öffentlich und sehr ehrlich über seine Spielsucht. Er findet: Das sollten auch andere Spieler endlich tun!

„Ich wollte oft aufhören, habe das auch meiner Frau immer wieder versprochen. Insbesondere als mein Sohn auf die Welt kam. Doch selbst da konnte ich es einfach nicht“, berichtet der 32-Jährige. „So habe ich festgestellt, dass es eine Sucht ist.“

Cedric Mimbala ist beziehungsweise war ein gestandener Drittliga-Fußballer. Der Abwehrspieler hat 116 Partien in der dritthöchsten Spielklasse absolviert. Dazu kommen 90 Spiele in der Regionalliga. Von 2014 bis 2016 kämpfte, rannte und grätschte Mimbala für Energie Cottbus. Wegen seines unermüdlichen Einsatzes avancierte er zum Publikumsliebling und bekam von den Fans den Spitznamen „Maschine“ verpasst.

 Cedric Mimbala (l.) hat 116 Drittliga-Spiele absolviert - auch für Energie Cottbus.
Cedric Mimbala (l.) hat 116 Drittliga-Spiele absolviert - auch für Energie Cottbus. FOTO: Steffen Beyer

Man könnte auch sagen: Er bekam diesen Namen geradezu verliehen. Denn Mimbala war oft und gern auf dem Zaun vor der Nordwand, um mit den Fans nach dem Schlusspfiff zu feiern.

„Direkt in die Spielhalle gegangen“

Was viele nicht wissen: Schon damals kämpfte er gegen seine Zocker-Mentalität. Bereits mit 20 Jahren habe er immer öfter am Automaten gespielt, räumt Mimbala im „11 Freunde“-Interview ein. „Das Problem war, dass ich extrem viel Freizeit hatte. Bei meiner letzten Station (Wormatia Worms, d. Red.) war ich zum Beispiel um 13 Uhr mit der Physiotherapie und dem Training fertig. Dann bin ich direkt in die Spielhalle gegangen, habe mir eine Zigarette angezündet, eine Cola getrunken und war in meinem Film.“

Dazu kam, dass seine Familie weiterhin in Kassel wohnte, während er in Worms spielte. Von Kassel nach Worms sind es gut 250 Kilometer. „In Kombination mit der vielen Freizeit führte das eben dazu, dass ich zocken gegangen bin“, erklärt er.

Cedric Mimbala hat den Kampf gegen die Spielsucht in Worms endgültig verloren. Von Energie Cottbus ging es zunächst zu Fortuna Köln, dann Hessen Kassel, anschließend zu Wormatia Worms. Für 16 Vereine hat Mimbala in seiner Karriere schon gespielt. Er leiht sich Geld von Freunden, zahlt dieses Geld teilweise zu spät zurück. Teilweise auch überhaupt nicht. Er sei sich bewusst, dass er seine Familie und Freunde mit der Zockerei enttäuscht habe, versichert Mimbala. „In den Momenten war die Sucht zu groß, als dass ich es hätte verhindern können. Im Nachhinein tut mir das unfassbar leid.“

Aber Cedric Mimbala macht das, was er auch auf dem Fußballplatz am besten kann: Er kämpft! Weil es ihm in Worms „psychisch wirklich schlecht geht“ löst er – als Kapitän - seinen Vertrag beim Südwest-Regionalligisten auf und heuert beim Kreisoberliga-Verein BC Sport Kassel an. Er ist zwar jetzt in den Niederungen des Amateur-Fußballs angekommen – aber eben auch zu Hause bei seiner Familie, die ihm den nötigen Halt gibt.

In Kassel geht er auch zu einer Sucht-Beratungsstelle. Dort wird ihm empfohlen, sich stationär behandeln zu lassen. Mimbala lehnt das ab: „Das war für mich keine Option, weil ich mir beweisen wollte: Ich bin da selbst reingerutscht, also komme ich da auch selbst wieder heraus.“

Seit elf Monaten ist Cedric Mimbala nach eigenem Bekunden clean, geht also nicht mehr am Automaten zocken. Die Spielsucht sei weitverbreitet im Profifußball. In vielen Klubs gebe es Spieler, die am Automaten spielen oder auch wetten. „Leider geben es die wenigsten öffentlich zu“, kritisiert der 32-Jährige. „Man rechnet nicht damit, dass es sich zu einer Sucht entwickeln kann, weil man nur ,nebenher‘ spielt. Ich habe unterschätzt, wie schnell es geht, dass man nicht mehr aufhören kann.“

„In Cottbus hatte ich meine beste Zeit“

In diesem Zusammenhang übt Mimbala auch Kritik an der Branche. Es gehe im Leistungssport zuallererst darum, seine Leistung zu bringen. „Solange die stimmt, ist den meisten Vereinen egal, was der Spieler in seiner Freizeit treibt. Präventionsarbeit gibt es, soweit ich es mitbekommen habe, kaum.“ Spielsucht sei ein Problem, das jedoch nicht nur im Leistungssport, sondern in der gesamten Gesellschaft auftrete.

Mit Wehmut blickt Cedric Mimbala auf seine Zeit bei Energie Cottbus zurück. „In Cottbus hatte ich vermutlich meine beste Zeit. Ich denke gerne daran zurück und besuche immer wieder die Heimspiele von Energie“, erzählt der Abwehrspieler.

Ja, er hatte damals richtig viel Spaß in der Lausitz! Unvergessen ist beispielsweise sein Auftritt im rosa Kleidchen beim Abendessen der Mannschaft im Trainingslager in der Türkei aufgrund einer verlorenen Wette. Womöglich stand er sich aber schon damals selbst im Weg. Im Dezember 2015 wurde der Publikumsliebling vom damaligen Trainer Vasile Miriuta aus disziplinarischen Gründen mitten im Abstiegskampf aussortiert. „Wenn einer nicht mitzieht, dann ist es vorbei“, rechtfertigte Miriuta den Rauswurf.

Damals ahnte Cedric Mimbala noch nicht, dass der Tiefpunkt seiner Karriere erst noch folgen sollte und er immer weiter in die Spielsucht abrutscht. Nun will er sich wieder nach oben kämpfen. Viele FCE-Fans haben Mimbala in guter Erinnerung behalten. In den vergangenen Monaten und Jahren bekam er immer wieder den Ratschlag, zu Energie Cottbus zurückzukehren. Realistisch? Mimbala antwortet mit einer Gegenfrage: „Momentan ist alles möglich. Mir geht es wieder gut, genauso meiner Familie, also warum nicht noch ein letztes Mal angreifen?“

Für die kommende Saison steht er allerdings beim BC Sport Kassel im Wort. „Nachdem wir aufgestiegen sind, möchten wir nun in der kommenden Saison noch einen Schritt weiter gehen“, berichtet Cedric Mimbala.

Für ihn persönlich ist es ein weiterer Schritt zurück in Richtung der fußballerischen Normalität. Bis er wieder dort angekommen ist, hat der ehemalige Drittliga-Profi aber noch einen weiten Weg vor sich.