ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 20:50 Uhr

Fußball
Für Energie Cottbus wird es richtig eng

Bloß keine Platzangst: Viele Spieler, wenig Spielfeld - in Fürstenwalde muss Miniatur-Fußball gespielt werden.
Bloß keine Platzangst: Viele Spieler, wenig Spielfeld - in Fürstenwalde muss Miniatur-Fußball gespielt werden. FOTO: Christiane Weiland
Cottbus. Das Pokal-Halbfinale in Fürstenwalde ist für den FC Energie eine besondere Herausforderung. Auf einem der kleinsten Plätze Deutschlands wird es richtig eng für den Titelverteidiger. Doch die Cottbuser sind vorbereitet.

Von Jan Lehmann
und Frank Noack

91 Meter lang, 56 Meter breit – das sind die entscheidenden Maße vor dem Halbfinale im brandenburgischen Landespokal zwischen Union Fürstenwalde und Energie Cottbus (Samstag, 15 Uhr/live im FuPa-Videoticker). Es sind Maße des Spielfeldes im Fürstenwalder Friesenstadion. Zum Vergleich: Im Stadion der Freundschaft ist das Spielfeld 105 Meter lang und 68 Meter breit. Das ist ein Unterschied von 2044 Quadratmetern. In Cottbus könnte man also noch zwölf Volleyballfelder abtrennen, um auf die Fürstenwalder Größe zu kommen – ziemlich viel.

Diese unterschiedlichen Maße verändern das Spiel. Energie-Trainer Claus-Dieter Wollitz erklärt: „Das hat mit normalem Fußball nicht so viel zu tun.“ Die Cottbuser haben sich deshalb vorbereitet. Seit zehn Tagen ist der Cottbuser Trainingsplatz mit den Fürstenwalder Maßen abgekreidet. Wollitz berichtet: „Fürstenwalde hat in den Heimspielen schon acht Elfmeter bekommen, weil es dort nur Strafraumszenen gibt.“ Seine Prognose: „Es wird unglaublich viele Standardsituationen geben, viele knifflige Szenen. Ich erwarte von der Mannschaft eine außergewöhnliche Disziplin.“

Bei der Größe des Spielfelds lässt das International Football Association Board einigen Spielraum.
Bei der Größe des Spielfelds lässt das International Football Association Board einigen Spielraum. FOTO: LR

Im zweiten Halbfinale des Landespokals empfängt Brandenburgligist MSV Neuruppin zeitgleich den Regionalliga-Vertreter SV Babelsberg – auf einem Spielfeld mit mehr Fläche. Der FC Energie hingegen muss sich auf Miniatur-Fußball umstellen. Schon beim 3:1-Auswärtssieg im Oktober im Regionalliga-Duell hatten die Cottbuser erlebt, dass auf diesem engen Platz ständig Gefahrenszenen entstehen. Permanenter Angriff, permanente Verteidigung und viel Hektik. Maximilian Zimmer, der damals das Spiel mit zwei Vorlagen und einem Traumfreistoß drehte, erklärte: „Jeder der da hinfährt weiß, dass es ganz eklig wird.“ Und auch dieses Mal dürfte es im Fürstenwalder Hexenkessel unangenehm werden. Trainer Wollitz sagt offen: „Ich rechne mit großer Provokation. Es ist das einzige Stadion, wo ich selbst bei Spielbeobachtungen permanent beleidigt werde – anderswo habe ich nette Unterhaltungen.“

Beim Gegner fühlt man sich indes wohl in der Außenseiter-Rolle. Natürlich sind die Cottbuser klarer Favorit“, betonte Filip Krstic gegenüber der „Märkischen Oderzeitung“ („MOZ“). „Aber dafür ist sicher der Druck auch höher, der auf ihnen lastet“, fügte der Kapitän des FSV Union hinzu. „Wir werden uns jedenfalls voll reinhängen, wollen Energie alles abverlangen“.

Die Schiedsrichter-Ansetzung könnte ein gutes Omen für Fürstenwalde sein. Unter der Leitung von Referee Felix Burghardt aus Premnitz hat Energie Cottbus erst ein Spiel absolviert. Im November 2015, beim Viertelfinal-Aus in Luckenwalde (0:1 n.V.). Glücklich über die Schiri-Leistung war man in Cottbus damals keineswegs, im Gegenteil.

Und auch die Gegebenheiten kommen dem kampfstarken Außenseiter entgegen. Der Rasenplatz im Friesenstadion ist laut „MOZ“ nach den jüngsten Niederschlägen tief und aufgeweicht. „Es wird auf jeden Fall gespielt“, sagte allerdings Union-Geschäftsführer Sven Baethge, der verdeutlichte, dass der Pokalsieg „ein Traum ist, den der Verein träumt“. Ein tiefer Rasen ist gegen die spielstarke Cottbuser Offensive sicher nicht von Nachteil.

Doch auch in Cottbus lebt natürlich der Traum vom nächsten Titel und dem Einzug in den DFB-Pokal. Dafür impft der Trainer seiner Mannschaft ein, in jeder Situation wachsam zu sein. Er betont: „Es sind dort immer Abnutzungsspiele. Auf dem engen Platz ist bei einem Fehler im Spielaufbau der Weg zum eigenen Tor deutlich kürzer.“

Und dennoch fordert der Trainer seine Spieler zu mutigen Aktionen auf. Sie sollen ins Dribbling gehen, Eins-gegen-Eins-Situationen suchen. Wollitz betont: „Ich mag das, gerade in so engen Spielen.“ Er macht damit deutlich: In Fürstenwalde darf man alles haben – bloß keine Platzangst.