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| 11:02 Uhr

Fußball
„Heimspiel in Kiel“ – Feiernde Energie-Fans in der Überzahl

Die Cottbuser Fans waren in Flensburg in der Überzahl.
Die Cottbuser Fans waren in Flensburg in der Überzahl. FOTO: imago/Beautiful Sports / BEAUTIFUL SPORTS/Mario M. Koberg
Kiel. Mehr als 3000 Lausitzer unterstützen den FCE stimmungsvoll und friedlich an der Ostseeküste. Weiche-Geschäftsführer: „Wir waren zu blauäugig“ Von Jan Lehmann und Frank Noack

Im strahlenden Sonnenschein standen die Energie-Fans zu Tausenden im Holstein-Stadion und skandierten: „Heimspiel in Kiel“. Tatsächlich waren die Rot-Weißen am Donnerstagabend augenscheinlich in der Überzahl und bescherten der Cottbuser Mannschaft eine Gänsehaut-Atmosphäre im Ostsee-Sonnenschein. Doppeltorschütze Maximilian Zimmer sagte: „4000 Cottbuser kommen hier an einem Donnerstag nach Kiel. Das ist überragend.“

5972 Tickets waren für das Aufstiegs-Hinspiel verkauft worden, die meisten an Gäste aus der Lausitz und dem Elbe-Elster-Land. Unter den Auswärtsfahrern waren auffallend viele Familien und ältere Energie-Anhänger. Sie wollten es sich nicht entgehen lassen, wenn ihr Verein wieder an die Tür zum Profi-Fußball klopft. Und sie hatten sich auch nicht vom Organisations-Chaos von der Reise in den hohen Norden abbringen lassen.

Weil Weiche Flensburg als Gastgeber der Partie kein schlüssiges Sicherheitskonzept vorgelegt hatte, stand die Partie am Mittwoch kurz vor der Absage. Erst nach einer fünfstündigen Krisensitzung unter Leitung von Schleswig-Holsteins Innenminister Hans-Joachim Grote (CDU) gab es grünes Licht von der Polizei für die Austragung im Kieler Holstein-Stadion. Weiche-Geschäftsführer Harald Uhr gab zu: „Das Chaos war von uns hausgemacht, wir waren zu blauäugig. Wir denken immer an schönen Fußball, und an nichts anderes. Aber die Fans aus Cottbus waren doch klasse.“

Weil dem FCE nur 2418 Tickets zur Verfügung standen, hatten sich viele Cottbuser über die Internetseite von Weiche Flensburg Tickets besorgt. Das hatte für große Unruhe gesorgt. Kurzfristig wurde deshalb auch noch ein Sicherheitsdienst aus Magdeburg nach Kiel bestellt. Die Polizei war mit einem Großaufgebot am Stadion, die beiden Fanlager wurden strikt getrennt. Die Cottbuser legten einen stimmungsvollen, friedlichen Auftritt hin. Nur einige brennende Pyro-Fackeln trübten das tolle Bild, das der rot-weiße Fanblock abgab.

Auch für die Flensburger Gäste war es ein Auswärtsspiel. Das Manfred-Werner-Stadion in ihrer Heimatstadt erfüllt nicht die geforderten Sicherheitsstandards. Deshalb musste der Meister der Regionalliga Nord nach Kiel ausweichen. Wo der SC Weiche nach einem möglichen Drittliga-Aufstieg spielen würde, ist völlig unklar.

Und auch organisatorisch wirkte der Verein überfordert. Das am Mittwoch kurzfristig zusammengeschusterte Sicherheitskonzept sorgte unter anderem dafür, dass die Flensburger Fans andere Blöcke im Hol­stein-Stadion zugewiesen bekamen als auf den Tickets aufgedruckt waren. Sitzplätze wurden so plötzlich zu Stehplätzen. „Wir bitten um Verständnis, dass wir bisher keine Aussagen über die veränderten Preise erteilen können“, teilte Weiche auf seiner Internetseite mit.

Wie viele Weiche-Fans am Sonntag überhaupt nach Cottbus reisen, ist ebenfalls unklar. Bisher gibt es keinerlei Info, wo und wann die Tickets zu erwerben sind. Ein entnervter Weiche-Fan schrieb auf Facebook: „Irgendwie kommt es so rüber, dass bei euch die letzten zwei Tage das komplette Chaos herrscht.“ Geschäftsführer Uhr erklärte dennoch optimistisch: „Ich schätze, dass 400 Flensburger mit nach Cottbus kommen. Wir fahren natürlich dahin, um zu gewinnen. Aber man hat natürlich gesehen, dass Energie eine sehr starke Mannschaft ist.“