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FCE-Wink mit dem Gänseblümchen

Lasse Schlüter (links) hämmert den Ball ins Netz. Auch Youngster Gabriel Boakye (kl. Bild/rechts) konnte bei seinem Startelf-Debüt jubeln.
Lasse Schlüter (links) hämmert den Ball ins Netz. Auch Youngster Gabriel Boakye (kl. Bild/rechts) konnte bei seinem Startelf-Debüt jubeln. FOTO: Koch
Berlin. Auch auf dem Fußballplatz kann man die Dinge bisweilen durch die Blume sagen. In der vergangenen Saison, so befand Trainer Claus-Dieter Wollitz am Samstagnachmittag nach dem 1:0 (0:0)-Auswärtssieg von Energie Cottbus beim Berliner AK, hätte sich seine Mannschaft durch einen holprigen Rasen wahrscheinlich noch aus der Bahn werfen lassen. Frank Noack

"Da kommen ja sogar schon Blumen raus", charakterisierte Wollitz die Spielfläche im Poststadion, die ihren Namen allenfalls an einigen Stellen verdient. Statt sich aus der Bahn werfen zu lassen, hämmerte Linksverteidiger Lasse Schlüter in der 69. Minute den Ball wie einen Strich ins Netz und sicherte den Gästen damit einen hart erkämpften Auswärtssieg in diesem recht komplizierten Spiel.

Für Energie ist es der mittlerweile achte Erfolg im achten Spiel - Cottbus führt mit acht Punkten Vorsprung auf den BFC Dynamo weiter souverän die Tabelle in der Fußball-Regionalliga Nordost an. Dass sich der Spitzenreiter dabei zwar zunächst schwer tat, am Ende aber doch wieder als Sieger vom Rasen ging, ist quasi ein Wink mit dem Gänseblümchen. Die Botschaft an die Konkurrenz lautet: Der FCE ist selbst mit einem in der Offensive erheblich dezimierten Kader nicht zu stoppen. Weder in der Vorwoche vom BFC, der 3:1 bezwungen wurde. Noch am Samstag vom BAK. "Bis zur 60. Minute waren beide Mannschaften auf Augenhöhe. Dann konnten wir noch eine Schippe drauflegen und haben dank unserer Fitness dieses Spiel gewonnen", fasste Wollitz den wohl entscheidenden Unterschied zwischen den Berlinern und dem FCE zusammen.

Der Fußballstammtisch kommentiert solche Siege gern mit der Weisheit: Wer diese Spiele gewinnt, wird auch Meister! In der Tat waren die Gäste vor 1357 Zuschauern zunächst weit weg davon, ihre weiße Weste auch diesmal wieder mit in die Lausitz nehmen zu können. Denn die quirlige Offensive des BAK machte Energie zu schaffen. Und das eigene Spiel nach vorn war zumindest in der ersten Halbzeit so holprig wie der Rasen im Poststadion - zumindest, wenn man die bisherigen Cottbuser Leistungen dieser Saison als Maßstab nimmt.

Das lag aber nicht am erst 19-jährigen Gabriel Boakye, der quasi in Personalunion das verletzungs bedingte Fehlen der etatmäßigen Stürmer Streli Mamba und Benjamin Förster wettmachen muss. Viele Bälle gingen schon im Mittelfeld verloren und kamen deshalb erst gar nicht bei Boakye an.

Nach der Pause liefen die Gast geber zwar erst einmal weiter un gestüm an, doch es war deutlich zu sehen, dass Mittelfeld-Antreiber Enes Küc und seinen Mitspielern die Kräfte schwanden. In der entscheidenden Szene dieses Spiels hatte dann Lasse Schlüter die allergrößten Kraftreserven. Der Linksverteidiger eroberte an der Eckfahne den Ball, kurvte in den Berliner Strafraum, ließ sämt liche Gegner wie Fahnenstangen stehen und beförderte den Ball mit viel Übersicht ins lange Eck. "Ein fantastisches Tor", lobte Trainer Wollitz diesen Geniestreich. Auch Lasse Schlüter atmete nach dem Schlusspfiff tief durch. "Man hat gesehen: Beide Mannschaften haben alles rausgehauen. Wir sind froh, dass wir das eine Tor gemacht haben. Und dass wir hinten wieder zu null gespielt haben, zeigt, wie stark wir als Mannschaft nach hinten arbeiten", erklärte er am rbb-Mikrofon.

Neben dem Torschützen sowie Boakye als Mamba- und Förster-Ersatz stand am Samstag natürlich Rückkehrer Maximilian Zimmer im Blickpunkt. Dabei war der Einsatz des ehemaligen BAK-Profis aufgrund von muskulären Beschwerden in den Tagen vor dem Spiel fraglich. Trotzdem hielt Zimmer bis in die Schlussphase durch und steigerte sich genau wie seine Mitspieler in der 2. Halbzeit. "Das war wirklich ein hartes Stück. Schließlich will jeder der Erste sein, der uns schlägt", meinte Zimmer und ergänzte mit Blick auf die Gänseblümchen-Debatte: "Außerdem ist der Rasen hier nicht ganz einfach zu bespielen. Insofern haben wir es ganz gut gemacht."

Es spricht für Energie, dass der Auswärtssieg nach dem Schlüter-Tor nicht mehr wirklich in Gefahr geriet. Die Gäste hatten jetzt endlich den richtigen Stand auf der Blumenwiese und brachten den knappen Vorsprung ins Ziel.

Für einen erhöhten Pulsschlag bei den etwa 300 mitgereisten Energie-Fans sorgte in der Schlussphase lediglich die Auswechslung von Jungstürmer Boakye, der auf der Bank umgehend einen Verband verpasst bekam. Etwa schon wieder eine Muskelverletzung? Wollitz gab später aber Entwarnung. Er habe keine Info von einer ernsthaften Verletzung, verkündete der Coach. Augenzwinkernd kündigte Wollitz an: "Selbst wenn er verletzt sein sollte - in der nächsten Partie werden wir trotzdem mit elf Mann spielen." Es spricht jedoch alles dafür, dass bis zum Heimspiel gegen Hertha BSC II am Freitag (19 Uhr) im Stadion der Freundschaft längst Gras über die Sorgen um die Muskulatur von Boakye gewachsen ist. Oder eben Gänseblümchen.

Zum Thema:
Was hat den Stadionsprecher des Berliner AK da bloß geritten? Bei der Vorstellung der Teams bezeichnete er die Spieler von Energie Cottbus via Mikrofon pauschal als "Söldner" - eine schlimme Entgleisung. FCE-Coach Claus-Dieter Wollitz kritisierte in der Pressekonferenz nach dem Spiel: "Das gehört nicht auf den Fußballplatz. Das ist respektlos. Kein Spieler in dieser Liga ist ein Söldner."Eine Entschuldigung gab es vonseiten des BAK zumindest in diesem Rahmen nicht. Der Moderator der Pressekonferenz bedankte sich bei Wollitz lediglich "für das Feedback".Wie absurd dieser "Söldner" Vorwurf ist, zeigt ein Blick auf den Energie-Kader. Acht Spieler - und damit mehr als in vielen anderen Teams - stammen aus dem eigenen Nachwuchs.