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FCE verliert umkämpftes Fußballfest

Was für ein umkämpftes Spiel: Energie-Kapitän Marc Stein (l.) behauptet sich in dieser Szene gegen den Stuttgarter Torjäger Simon Terodde.
Was für ein umkämpftes Spiel: Energie-Kapitän Marc Stein (l.) behauptet sich in dieser Szene gegen den Stuttgarter Torjäger Simon Terodde. FOTO: dpa
Cottbus. Das war ein umkämpftes Fußballfest, wie es die Lausitz im Stadion der Freundschaft schon lange, lange nicht mehr erlebt hat! Die 17 516 Besucher kamen dabei voll auf ihre Kosten und sorgten für eine fantastische Stimmung. Frank Noack und Sven Hering

Am Ende musste sich Energie Cottbus in der 1. DFB-Pokalrunde gegen den Bundesligisten VfB Stuttgart erst im Elfmeterschießen mit 5:6 geschlagen geben. Nach regulärer Spielzeit und Verlängerung hatte es 2:2 (2:0) gestanden.

Bereits der Auftakt war ein Fest - zumindest aus Cottbuser Sicht. Denn bereits nach fünf Minuten traf Fabio Viteritti zur 1:0-Führung. Er nutzte eine Unaufmerksamkeit in der VfB-Abwehr, als Dzenis Burnic und Torhüter Ron-Robert Zieler sich nicht wirklich einig waren. Viteritti musste den Ball nur noch ins leere Tor schieben. In der 28. Minute erhöhte Maximilian Zimmer sogar auf 2:0. Sein Freistoß aus 20 Metern prallte von der Unterkante der Latte hinter Zieler ins Netz. Stuttgart verkürzte dann unmittelbar nach Wiederbeginn durch ein starkes Solo von Josip Brekalo auf 1:2 (49.). In der 78. Minute kamen die Schwaben zum 2:2-Ausgleich durch ein Eigentor von José-Junior Matuwila. Im Elfmeterschießen wurde das Fußballfest dann zum Drama für Energie. Ausgerechnet die sonst so sicheren Routiniers Björn Ziegenbein und Benjamin Förster patzten. Ziegenbein traf nur den Pfosten, Förster rutschte beim Schuss weg, so dass der Ball einen Meter neben das Tor von Weltmeister Ron-Robert Zieler ging.

Wie groß die Sehnsucht der Lausitz nach solchen Fußballfesten ist, zeigte sich schon lange vor dem Anpfiff. Die Energie-Profis wurden bereits beim ersten Betreten des Rasens anderthalb Stunden vor dem Spiel mit viel Beifall bedacht. Das ganze Drumherum mit der fünfstelligen Zuschauerzahl erinnerte durchaus an die Cottbuser Bundesliga-Zeit. Auch FCE-Trainer Claus-Dieter Wollitz spürt die Sehnsucht nach der Rückkehr ins Profigeschäft. "Die Sehnsucht ist da, eine solche Atmosphäre in den nächsten Monaten und Jahren wieder öfter erleben zu können", betont Wollitz.

Dass die Fans vor einem Heimspiel wie jetzt gegen Stuttgart angehalten werden mussten, pünktlich ins Stadion zu kommen, um den Ansturm bewältigen zu können - das hat es in Cottbus schon lange nicht mehr gegeben. Der gesperrte Stadtring, Staus bei der Anfahrt auf die Parkplätze im Süden der Stadt und Hunderte bestens gelaunte Anhänger, die schon am Sonntagnachmittag in Richtung Stadion pilgerten, waren die Vorboten für ein spannendes Pokal-Fußballfest.

Spannend waren schon die Startaufstellungen beider Teams. Energie setzte auf Streli Mamba als einzige Spitze. Benjamin Förster musste auf der Bank Platz nehmen, wobei Trainer Wollitz bereits im Vorfeld des Spiels betont hatte, dass der mögliche Verzicht auf Förster keine Reaktion auf dessen rote Karte im Regionalliga-Spiel gegen Budissa Bautzen (3:1) sei, sondern ausschließlich taktische Gründe habe. Bei den Gästen gab es eine Änderung unmittelbar vor Spielbeginn. Timo Baumgartl musste kurzfristig passen. Dafür rückte Kapitän Christian Gentner doch noch in die Startelf.

Und es ging spannend weiter. Denn mit der Führung hatten die Gastgeber wie erhofft auch die Fans schon in der Startphase hinter sich gebracht. Auch wenn der Bundesligist natürlich den Druck erhöhte, konnte sich Energie immer wieder mit klar strukturiertem Spiel aus der Defensive befreien und war auch läuferisch mit dem Favoriten auf Augenhöhe.

Spätestens nach dem unglück lichen Eigentor durch Matuwila, als der Ball von seinem Bein ins Tor kullerte, war es eine absolute Abwehrschlacht für den Außenseiter. Stuttgart startete einen Angriff nach dem nächsten und brachte mit Daniel Ginczek eine weitere Offensivkraft ins Spiel. Immerhin rettete sich der FCE in die Verlängerung. Hier hatten die Gastgeber dann aber wieder die besseren Chancen, während die Fans auf den Rängen mit ihren Gesängen eine Festtags-Stimmung als Dauerschleife ins Stadion zauberten. Bei einem Foul an Ziegenbein im Strafraum blieb der Pfiff und damit eine mögliche Entscheidung zugunsten der Gastgeber aus, sodass es ins dramatische Elfmeterschießen ging. Trotz der Niederlage war der Pokalabend ein Fußball-Feiertag.