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FCE überrascht Mitglieder (mit Video)

Ordentliche Mitgliederversammlung des FC Energie Cottbus
Ordentliche Mitgliederversammlung des FC Energie Cottbus FOTO: Steffen Beyer
Cottbus. Mit einer derart mutigen Initiative im Kampf gegen Gewalt und Rassismus hatten viele der mehr als 400 Anhänger des FC Energie sicher nicht gerechnet, als sie am Freitagabend zur Mitgliederversammlung des Vereins gekommen waren. Die neue hauptamtliche Stelle für Vielfalt und Toleranz, die Energie spätestens 2018 ausschreiben will, war am Freitagabend eine Überraschung. Jan Lehmann

Sie ist ein Beleg dafür, dass der Verein trotz aller finanzieller Sorgen den Kampf gegen Gewalt und Rassismus sowie Ausschreitungen aktiver gestalten will.

Der Verein folgt damit einem Vorschlag von Mitglied Maja Wallstein. Sie hatte die Idee im Arbeitskreis Kommunikation eingebracht, der neu gegründet worden war. Unter dem neuen Präsidenten Michael Wahlich und Verwaltungsrats-Chef Auth scheint der FCE dieses schwierige Thema ernsthaft anzugehen. Der Club war nach rechtsradikalen Ausschreitungen einer Cottbuser Gruppierung in Babelsberg erneut in die bundesweiten Schlagzeilen geraten.

Brandenburgs InnenministerKarl-Heinz Schröter (SPD) hatte zuletzt Fehler des Vereins hart kritisiert, die aus seiner Sicht trotz entsprechender Hinweise der Sicherheitsbehörden gemacht worden seien: "Wenn der Verein das nicht umsetzt, muss man sich auch nicht wundern, wenn aus einem kleinen Krebsgeschwür eine große Wucherung entsteht", so Schröter.

Für den Verein sind derartige Äußerungen sicher keine echte Hilfe, zumal das Problem weiter besteht. Trotz der Auflösung der Gruppierung "Inferno Cottbus" kann die Fankurve weiterhin von Personen und Netzwerken aus dem rechten Milieu unterwandert werden. Nun setzt man beim Verein aktiv etwas dagegen und bekam dafür am Freitag auch den Beifall der Mitglieder - wenngleich nicht aus jeder Ecke.

Der neue Beauftragte soll künftig als Ansprechpartner für Fans, Polizei, Verfassungsschutz dienen oder Präventionsveranstaltungen organisieren. Matthias Auth betont: "Wir möchten unsere Vereinsprinzipien, die wir seit jeher leben, noch deutlicher kommunizieren."

Außerdem will sich der Verein gegen das Urteil des NOFV-Sportgerichts, dass den FCE zu einem Geisterspiel verdonnert hatte, wehren. Laut Präsidiumsmitglied Georg Kapplinghaus kann es schon im kommenden Monat zur Berufungsverhandlung kommen. Verwaltungsrats-Chef Auth betonte: "Ich bin immer auf Harmonie aus. Aber wir sind nicht in der Situation, einen Weichspülgang zu fahren. Ganz deutlich: Harte Kante."

Angesichts dieses neuen Aufbruchs gerät die schwierige finanzielle Lage des Vereins sogar etwas in den Hintergrund. Energie bestätigte, dass das Geschäftsjahr 2016 mit einem Minus nach Steuern von 484 000 Euro abgeschlossen worden ist. Präsident Wahlich hatte zuvor schon berichtet, dass ein Unterstützer beim Verein Genussscheine gezeichnet habe, um diese Lücke zu schließen. Matthias Auth bat: "Lasst diesen Mister X bitte Mister X bleiben."

Mit deutlicher Mehrheit wurde die Erhöhung des Mitgliedsbeitrages auf 96 Euro pro Jahr bestätigt. Außerdem stimmten die Mitglieder mehrheitlich für eine Sonderumlage von 33 Euro, von der das Lok-Stadion saniert werden soll.

Test in Peitz: Am Samstag tritt der FC Energie zum zweiten Testspiel der Vorbereitung an. Um 15 Uhr ist Anstoß bei der SG Eintracht Peitz.

Zum Thema:
Der FC Energie teilt zur Mitgliederversammlung mit, dass in der Spielzeit 2016/17 im Vergleich zur Vorsaison etwa 4,1 Millionen Euro an Aufwendungen reduziert worden seien. Seit 2011 seien insgesamt 13 Millionen Euro eingespart worden. Zudem seien seit 2005 mehr als 50 Millionen Euro an Abgaben und Steuern gezahlt worden.

Der Liveticker zum Nachlesen: