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| 18:23 Uhr

Fußball
Wollitz will Energie leiden sehen

Fabio „Kung Fu“ Vitteriti (l.) war beim Auftakt gegen Rostock mit zwei Toren der Überflieger.
Fabio „Kung Fu“ Vitteriti (l.) war beim Auftakt gegen Rostock mit zwei Toren der Überflieger. FOTO: Frank Hammerschmidt
Cottbus. Dieser 3:0-Auftaktsieg von Energie Cottbus gegen Rostock war ein Fest – aber auch ein Kraftakt. Trainer Wollitz schwört sein Team  auf eine Saison voller Leiden(schaft) ein. Von Frank Noack

Ja, ja, dieser Dienstag könnte wegweisend werden für den nächsten Drittliga-Auftritt von Energie Cottbus am Wochenende beim SV Wehen Wiesbaden. Denn die Meteorologen sagen für die Lausitz hochsommerliche Temperaturen von 35 Grad und mehr voraus. Und die FCE-Spieler haben frei! Für Trainer Claus-Dieter Wollitz stellt sich deshalb an diesem Dienstag eine Sinnfrage in Bezug auf das Dasein als Profi-Fußballer. „Lege ich mich am freien Tag in die ­Sonne oder nicht? Nutze ich den freien Tag, um zu regenerieren oder mache ich etwas anderes in meiner Freizeit?“, ­erklärt Wollitz.

Nun ist es leider nicht überliefert, wie der ehemalige Profi Claus-­Dieter Wollitz früher bei solchen Gelegenheiten seine freien Tage verbracht hat. Klar aber ist: Der Trainer Claus-Dieter Wollitz will nach dem furiosen 3:0-Sieg zum Auftakt gegen Hansa Rostock mit seinem Team auch am Sonntag beim SV Wehen Wiesbaden gewinnen. Und dafür wünscht er sich die bestmögliche Vorbereitung. Denn dieser Auftaktsieg gegen Rostock war nicht nur ein Fußball-Fest für die gesamte Region – es war auch ein enormer Kraftakt in der Gluthitze im Stadions der Freundschaft. Und eine solche Kraftanstrengung dürfte die gesamte Saison in der 3. Liga für den Aufsteiger werden. „Wir haben gegen Rostock gewonnen, weil wir bereit waren zu leiden“, analysiert Wollitz. „Einmal bereit zu sein ist schön, und ich freue mich auch über den Sieg. Aber was ist nächste Woche? Sind wir dann auch wieder bereit?“

Die Vorgabe lautet also: Immer bereit! Denn der Kampf um den Klassenerhalt wird ganz sicher kein Pionier-Geburtstag. In den vergangenen beiden Regionalliga-Jahren setzte der FC Energie mit seiner spielerischen Dominanz ganz neue Maßstäbe. Jetzt in der dritthöchsten Spielklasse spielt die Bereitschaft, sich auf dem Platz zu quälen, eine größere Rolle als bisher. „Wir waren am Sonntag bereit, in beide Richtungen zu leiden, offensiv und defensiv. Rostock war nur nach vorn bereit zu leiden, aber nicht nach hinten. Deswegen haben wir gewonnen, obwohl Hansa ­Rostock vielleicht insgesamt die bessere Mannschaft ist. Am Ende der Saison werden sie sicher vor uns stehen“, betont Wollitz.

Aber diese 90 Minuten gegen einen spielstarken Gegner haben eben gezeigt, was für den Aufsteiger möglich ist, wenn er bereit ist zu leiden und alles zu investieren. Denn der Teamgeist innerhalb der Mannschaft ist sowieso über jeden Zweifel erhaben. Das zeigte sich nicht zuletzt kurz vor Schluss, als Torjäger Streli Mamba auf den besser postierten Felix Geisler spielte und so den Treffer zum 3:0-Endstand vorbereitete. Es wird also in den nächsten Wochen vor allem auf die Bereitschaft und die Leidensfähigkeit ankommen. Um diese Erkenntnis wissen auch die Spieler. „Gegen Rostock haben wir uns mit dem Sieg für unser Engagement in diesem Spiel belohnt“, sagt Felix Geisler. Und Maximilian Zimmer ergänzt: „Das Tempo war sehr hoch. Die Spiele finden auf Augenhöhe statt. Wer an dem Tag mehr Glück hat und die bessere Performance zeigt, gewinnt die Spiele.“ Eben genau so wie der FC Energie gegen Rostock.

Deshalb schwört Wollitz sein Team auf eine Saison voller Leiden und Leidenschaft auf dem Weg zum Klassenerhalt ein. Und er führt bei solchen Gelegenheiten auch gern immer wieder die 0:3-Testspielniederlage gegen den 1. FC Magdeburg an – sozusagen als mahnendes Beispiel: „Gegen Magdeburg haben die Spieler gezeigt, dass sie nicht bereit waren zu leiden. Wenn du nicht bereit bist zu leiden, dann kannst du keine Ambitionen anmelden – höchstens in der 4. Liga. Dort wirst du zwar deine Punkte holen, aber den nächsten Schritt kannst du dann nicht gehen.“

Energie ist mit dem Auftaktsieg gegen Rostock den ersten kleinen, aber nicht ganz unwichtigen Schritt in Richtung Klassenerhalt gegangen. Den nächsten Schritt kann die Mannschaft an diesem Dienstag gehen – nach dem Willen von Wollitz am liebsten im Schatten. Und dann natürlich am Sonntag im Auswärtsspiel beim SV Wehen Wiesbaden.

Claus-Dieter Wollitz stellt die Sinnfrage: „Lege ich mich am freien Tag in die ­Sonne oder nicht?“
Claus-Dieter Wollitz stellt die Sinnfrage: „Lege ich mich am freien Tag in die ­Sonne oder nicht?“ FOTO: Steffen Beyer