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Fußball
„Lügen“: Wollitz denkt über Karriere-Ende nach

Wollitz: „Ich bin weder Neonazi, weder rechtsradikal, weder link.“
Wollitz: „Ich bin weder Neonazi, weder rechtsradikal, weder link.“ FOTO: Steffen Beyer
Cottbus. Diese Äußerungen werden die Energie-Fans bewegen: Claus-Dieter Wollitz denkt über sein Karriere-Ende als Trainer nach. Das hat er am Freitag in einer bemerkenswerten Pressekonferenz öffentlich gemacht. Von Jan Lehmann und Frank Noack

Energie-Trainer Claus-Dieter Wollitz denkt über sein Karriere-Ende nach. Das hat der 52-Jährige am Freitag bei der Pressekonferenz vor dem Regionalliga-Spiel gegen den FSV Union Fürstenwalde (Sonntag, 13.30 Uhr) durchblicken lassen. Der emotionale Coach berichtete, wie sehr ihn die Ereignisse der vergangenen Wochen mitgenommen hätten und verdeutlichte: „Das kostet so viel Kraft. Und das bringt mich in Situationen, wo ich darüber nachdenke, meine Karriere als Fußballtrainer zu beenden.“

Eine wichtige Rolle spielt dabei offenbar der Streit mit den Verbänden. Die Querelen rund um das Landespokal-Finale zwischen Energie und Babelsberg haben nun bei Wollitz das Fass zum Überlaufen gebracht. Wollitz deutete an, dass er zu einem späteren Zeitpunkt offenlegen werde, was da zwischen dem Fußball-Landesverband Brandenburg (FLB), dem SV Babelsberg und Energie abgelaufen sei. „Ich werde mich dazu positionieren. Es kann auch sein, dass das dann meine letzte Pressekonferenz überhaupt im Fußball ist.“ Dass Verhalten von DFB-Präsident Reinhard Grindel und FLB-Chef Siegfried Kirschen bezeichnete er als „weltfremd und abartig“.

Er betonte, dass es ihn belaste, dass die politischen Deutungen der Spiele gegen Babelsberg auch auf seine Person bezogen worden seien. Er erklärte: „Mit dem Verein in so eine Ecke geschoben zu werden – das ist für mich nicht zu ertragen. Und das schaffe ich auch nicht. Ich bin weder Neonazi, weder rechtsradikal, weder link. Sondern ich versuche, für meinen Arbeitgeber sportlich das Beste herauszuholen. Ich kann mit diesen Lügen, die um unseren Verein passieren, nicht mehr umgehen.“

Der Trainer betonte außerdem, dass Energie sich als klarer Staffel-Favorit Woche für Woche gegen hoch motivierte Gegner durchsetzen müsse. Wollitz beschreibt: „Wir werden jede Woche gefordert. Das ist mental so eine Herausforderung. Wir machen das jetzt zwei Jahre, das kostet unfassbar viel Eigenverantwortung. Das kostet unfassbar viel Selbstdisziplin.“

Wie geht es nun weiter? Energie Cottbus führt souverän die Tabelle der Regionalliga-Nordost an und wird voraussichtlich im Mai um den Aufstieg in die 3. Liga spielen. Wollitz kündigte an, sich nun aufs Sportliche konzentrieren zu wollen: „Ich reiße mich jetzt am Riemen und halte mich zurück.“ Mit Verweis auf Grindel und Kirschen erklärte: „Das bin ich diesen Spielern schuldig, aber nicht den beiden Herren.“

Das sind die wichtigsten Aussagen von Claus-Dieter Wollitz bei der Pressekonferenz am Freitag:

„Es ist mental für jeden Einzelnen eine Herausforderung. Wir machen das jetzt seit zwei Jahren. Das kostet nicht nur Kraft. Es kostet auch unfassbar viel Eigendisziplin und Eigenverantwortung.“

„Ich werde mich definitiv zu gegebener Zeit dazu äußern. Da muss ich mich aber besser fühlen als jetzt und auch sicherer fühlen. Ich werde mich dazu positionieren. Es kann auch sein, dass das dann meine letzte Pressekonferenz überhaupt im Fußball ist.“

„Mit dem Verein in so eine Ecke geschoben zu werden – das ist für mich nicht zu ertragen. Und das schaffe ich auch nicht. Ich bin weder Neonazi, ich bin weder rechtsradikal, ich bin weder link. Sondern ich versuche, für meinen Arbeitgeber sportlich das Beste herauszuholen. Und ich möchte nur sportlich-fair behandelt. Und mein Club auch. Was da passiert, ist weltfremd und abartig. Das dürfte in einem Land wie Deutschland nicht passieren. Das kostet so viel Kraft. Und das bringt mich in Situationen, wo ich darüber nachdenke, meine Karriere als Fußballtrainer zu beenden. Weil ich nicht verstanden werde. Ja, ich bin emotional. Aber ich entwickele auch Spieler. Das kommt nie dabei heraus. Meine Emotionalität und meine Ehrlichkeit werden immer nur benutzt. Auch wenn ich 52 bin – aber das kann ich nicht mehr länger ertragen.“

„Ich kann mit diesen Lügen, die um unseren Verein passieren, nicht mehr umgehen.“

„Jetzt möchte ich erst einmal meine ganze Kraft in den Club und in diese Region stecken. Weil der Club, die Mitarbeiter, die Fans, die Mitglieder, die Sponsoren einen Trainer verdient haben, der alles für den Erfolg des Vereins tut. Wir haben noch genügend englische Wochen. Dafür brauche ich meine Kraft und ich brauche einen klaren Kopf. Wenn ich mich jetzt der anderen Baustelle widme, verliere ich meine Kraft. Erst danach werde ich mich äußeren. Ich werde mich so äußern, dass ich top top vorbereitet bin. Der Öffentlichkeit muss die Wahrheit mitgeteilt werden. Und nicht, dass wir hier in Cottbus die Täter sind. Energie Cottbus ist ein phantastischer Club, mit phantastischen Werten, mit phantastischen Fans, mit phantastischen Sponsoren. Wie in den letzten Monaten mit uns umgegangen wird - das lasse ich mit mir als Mensch nicht machen.“