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FCE setzt seinen Höhenflug fort

Kein Grund abzuheben, aber: Streli Mamba (l.) hat nach dem Doppelpack in Auerbach bereits sechs Tore auf seinem Konto.
Kein Grund abzuheben, aber: Streli Mamba (l.) hat nach dem Doppelpack in Auerbach bereits sechs Tore auf seinem Konto. FOTO: Marcus Schädlich
Auerbach. Richtig durcheinander geriet der FC Energie Cottbus am Sonntagnachmittag in Auerbach nur Mitte der ersten Halbzeit, als plötzlich zwei Bälle auf dem Rasen waren, weil sich die etwa 200 mitgereisten FCE-Fans auf den Rängen einen kleinen Spaß erlaubt hatten. Sie ließen den Ball erst über ihren Köpfen kreisen, dann flog er plötzlich mitten in das Spiel hinein. Frank Noack

Ansonsten war dieser Cottbuser Auswärtsauftritt beim VfB Auerbach eine deutliche Angelegenheit. Mit dem 4:0 (3:0) im Vogtland holten die Lausitzer den vierten Sieg im vierten Spiel und führen mit dem beeindruckenden Torverhältnis von 16:1 die Tabelle der Fußball-Regionalliga Nordost vor Lok Leipzig (10 Punkte) und Oberlausitz Neugersdorf (8) an.

"Wir hätten dieses Spiel eigentlich sogar höher gewinnen müssen. Die Mannschaft ist manchmal zu gutmütig. Das ist das Einzige, was ich ihr vorwerfen kann", sagt Trainer Claus-Dieter Wollitz nach dem souveränen Auftritt vor den 1280 Zuschauern im Auerbacher Vogtland-Stadion.

Diese Gutmütigkeit in Sachen Chancenverwertung beanspruchte vor allem Streli Mamba für sich. Denn der schnelle Stürmer erzielte zwar zwei Treffer, vergab aber weitere Hochkaräter. "Stimmt, ich hätte noch mindestens zwei weitere Tore schießen müssen", räumt Mamba selbstkritisch ein.

Dosenöffner zum ungefährdeten Auswärtssieg war jedoch Andrej Startsev. Der Verteidiger holte mit seinem couragierten Einsatz jenen Elfmeter heraus, der diesem Spiel die Richtung gab. Startsev war im Strafraum nur durch ein Foul zu bremsen. Den fälligen Elfmeter verwandelte Fabio Viteritti in der 29. Minute zum 1:0. Kurz danach erhöhte Björn Ziegenbein mit einem Schuss aus spitzem Winkel zum 2:0 (33.). Mamba traf unmittelbar vor dem Halbzeitpfiff zum 3:0 (45.+1) und war kurz vor Schluss auch für den 4:0-Endstand (86.) verantwortlich - sein mittlerweile sechstes Saisontor.

Dabei hieß der Gegner in diesem Spiel zwar natürlich VfB Auerbach, aber irgendwie auch VfB Stuttgart. Denn für Energie ging es darum, eine Reaktion auf die bittere Pokal-Niederlage nach Elfmeterschießen gegen den Bundesliga-Aufsteiger zu zeigen. Wegen der Sperre von Benjamin Förster hatte Trainer Claus-Dieter Wollitz das System hin zu einem 4-3-3 umgebaut. Im Vergleich zum Pokalspiel mussten Maximilian Zimmer und Felix Geisler auf die Bank. Dafür durften Kevin Weidlich und Björn Ziegenbein in Auerbach von Beginn an ran. "Ich kann dem gesamten Team nur ein Riesenkompliment machen, wie es die Enttäuschung im Pokal verarbeitet hat. Wir sind sehr konzentriert und sehr diszipliniert aufgetreten", lobt Wollitz.

Bis auf eine kurze Phase nach der 1:0-Führung, als die Gäste in der Defensive etwas zu leichtfertig wurden und die Bälle nicht mehr so zielstrebig nach vorn brachten, gab es keine Wackler. "Wir mussten uns nach dem Spiel gegen Stuttgart schon erstmal etwas sortieren", analysiert Doppeltorschütze Mamba jene knifflige Phase dieser Auswärtspartie. "Danach haben wir es dann richtig gut gemacht." Stimmt, denn Auerbach stand spätestens mit dem Platzverweis von Marcel Schlosser in der 62. Minute auf verlorenem Posten.

Dass die starke Leistung gegen den VfB Stuttgart den Respekt der Konkurrenz weiter erhöht hat, macht VfB-Trainer Michael Hiemisch deutlich. "Als Fußballfan habe ich natürlich das Cottbuser Pokalspiel gegen Stuttgart verfolgt. Ich kann Energie nur ein Riesenkompliment für dieses hohe Spieltempo über 120 Minuten machen. Es macht mich stolz, dass wir als VfB Auerbach in der gleichen Liga wie Cottbus stattfinden dürfen."

In der Tat hat der FCE einen beeindruckenden Saisonstart hingelegt; genauso erfolgreich wie der spätere Meister Carl Zeiss Jena in der vergangenen Spielzeit, aber in der Art und Weise noch deutlich dominanter als die Thüringer. Gleichwohl weist Kapitän Marc Stein darauf hin, dass Kontrahenten wie Auerbach nicht der Maßstab auf dem Weg zum Meistertitel sind: "Die ersten vier Spiele sahen in der Tat souverän aus. Aber es werden auch noch andere Gegner und Saisonphasen kommen. Dann wird sich zeigen, wie stark unsere Mannschaft ist."

Nach ihrem Späßchen mit dem Ball ließen die FCE-Fans übrigens in der zweiten Halbzeit eine graue Mülltonne hochleben und über den Köpfen kreisen. Für die Tonne waren allerdings weder dieses Auswärtsspiel noch der Saisonstart des FCE. Mit der Maximalausbeute von zwölf Punkten ist der Grundstein für eine erfolgreiche Saison gelegt.